Düster war’s in Travemünde, düster und nass. Man mag einwenden, dass sich das für die Ostsee so gehöre, düster und nass zu sein, aber eben auch landeinwärts war nicht viel Sonnenschein. An anderer Stelle mag darüber noch geschrieben werden. Hier geht es jetzt um den Rückblick auf unser eigens für diesen Fall einstudiertes Alternativprogramm, welches aus wiederholtem Kinobesuch besteht. Derzeit läuft aber fast ausschließlich Mist, und wir entschieden uns für zwei Filme, die sich zumindest halbwegs ansehbar anhörten (häh?). Eine Replik.
Da wäre zum einen Salt. Dieser Film bekam überraschend wohlwollende Rezensionen, und sie alle hoben gesondert hervor, dass ursprünglich Tom Cruise für die Hauptrolle angedacht war. Jedoch ist bekannt, dass Tom Cruise nicht jeden obskuren Mist, der ihm vor die Füße geworfen wird, schlucken mag, weshalb er die Rolle wohlweislich ablehnte. Man darf glücklich sein. Denn was vermag jemand, dem es gelingt, etwas so schönes und reines wie Katie Holmes zu ruinieren, nur einem Schundfilm wie Salt anzutun? Wieviel schlimmer wäre dieser Film noch geworden?
Der Versuch, dieses Elend in Worte zu fassen, kann eigentlich nur scheitern. Zumal die Story des Films für mich kaum noch nachvollziehbar ist. Es ging grob darum, dass Angelina Jolie für einen Doppelagenten gehalten wird und um ihre Rehabilitation kämpfen muss, wobei sich im Laufe des Film herausstellt, dass sie tatsächlich im Dienst des Crazy Ivan steht (Spoiler), aber der Film geht noch weiter und nimmt noch so manche komische Wendung, weswegen das mit dem Spoiler eigentlich Quatsch ist. Faustregel: Wann immer dem Drehbuchautor nichts mehr eingefallen ist, hat er eine der Figuren die Seiten wechseln lassen, gerne auch mehrmals. Es ist schon traurig genug, dass für die Plotte überhaupt Mütterchen Russland herausgekramt wird, wo leben wir denn? Von Sarazzin lernen, heisst siegen lernen! Hier wäre ein moderner und unverkrampfter Moslemhass viel naheliegender gewesen. Zumal die Indoktrinationstaktik auch viel besser zum „Obstverkäufer“ (Sarazzin) passt als zum Roten. Andererseits: Für diesen Tom Clancy-Schinken mit Ben Affleck als Jack Ryan hat man Moslems gegen Nazis getauscht, vielleicht war ja hier die erste Drehbuchfassung (noch mit Tom Cruise im Kopf) ja ähnlich gelagert. Weiß man’s? Der Film ist abgesehen von der wirklichen mauen Geschichte, die trotz der vielen Wendungen zu keinem Zeitpunkt überraschend ist, recht lahm inszeniert. Das Actionhighlight stellt eine Verfolgungsjagd relativ zu Beginn des Films dar, in der „Salt“ von Lastwagen zu Lastwagen hüpft. Später gibt es nur noch die ein oder andere Ballerei und man wähnt sich in einem 90er Jahre-Kracher á la Speed. Ach: Speed 2! Gerne sehe ich hingegen Liev Schreiber zu. Wäre ich schwul, ich stünde auf Liev Schreiber. So bleibt mir nur Liv Tyler.
Interessant ist noch das Detail, dass Jolies deutscher Ehemann von August „23″ Diehl gespielt wird. August Diehl ist auf dem besten Wege, der deutsche Christopher Walken zu werden. 23 ist ein Topfilm, danach kam viel Rumgewurste in der Einöde des deutschen Films, nur um am Ende Angelina Jolie küssen zu dürfen. August Diehl, „unser Mann in Hollywood“. Wer hätte das gedacht?
Fun Fact: Die Aussprache des Namens Angelina Jolie ist Teil meiner Eigentherapie zur Überwindung eines gewissen Nuschelfaktors meiner Aussprache. Nur deswegen bringe ich viele Gespräche immer wieder auf das Thema Angelina Jolie. Deswegen, und weil ihr polarisierendes Äußeres seit dem Film Mojave Moon (knalliger deutscher Titel: „Nichts als Trouble mit den Frauen“), den ich einst in der Hochphase meiner Adoleszenz in einer Nachtausstrahlung im TV für mich entdeckte, eine gewisse Faszination auf mich ausübt.
Es ging noch ein weiteres mal ins Cinestar. Hier gab es übrigens mal den Service, sich Knabberzeugs an den Platz bringen zu lassen. Das wurde seinerzeit mit dem Spruch beworben: „Sich für nur einen Euro von vorne bis hinten verwöhnen lassen.“ Meine damalige Frage, ob man sich denn für 50 Cent auch nur von vorne verwöhnen lassen könne, wurde zu Recht mit lautem Gelächter der ganzen Schlange bedacht. Das war das Highlight meines Lebens! Egal: Wir schauten nun den Film Die Legende von Aang. Bemerkenswert waren die Trailer, derer es ungefähr ein Dutzend gab. Allesamt knallige und überdrehte Kinderfilme, die in CGI und 3D erstellt wurden, und die überwiegend mit „Die Legende…“ beginnen. Muss man alles nicht sehen.
Für Die Legende von Aang entschieden wir uns, weil ich die zugehörige Zeichentrickserie (es ist unmöglich, ein YouTube-Video zu verlinken, es gibt nur furchtbaren AMV-Müll) ganz gerne sehe. Und weil M. Night Shyamalan ein guter Regisseur ist und lediglich The Happening nicht ganz gut war. Das Mädchen aus dem Wasser ist jedoch toll. Und Die Legende von Aang ist ebenfalls super. Man sollte es lediglich vermeiden, in die 3D-Fassung zu gehen, die wie so oft in letzter Zeit der 2D-Fassung übergestülpt wurde. Ansonsten erwarten einen schöne Bilder einer ganz eigenen, wenn auch schlichten Welt. Die Effekte sind durchaus auf der Höhe der Zeit, gerade die Elementbändigungen sind sehr schick gemacht. Man muss eben auf Ethnokitsch stehen und über die fragwürdigen Casting-Entscheidungen hinwegsehen, die streng unterscheiden zwischen guten Asiaten, die von Weißen verkörpert werden und bösen Asiaten, die von Indern verkörpert werden. Aber das ist okay, wenn die Inder Dev Patel (bekannt aus Slumdog Millionaire und den ersten beiden Staffeln der grandiosen Serie Skins) und Aasif Mandvi (Korrespondent in der Daily Show) sind. Noah Ringer als Aang ist fast schon eine zwangsläufige Besetzung, der macht Taekwondo, seit er laufen kann und rasiert sich den Kopf, seit er Haare hat. Er spielt seine Rolle auch annehmbar. Vielleicht aber auch nicht, ich bin ganz schlecht, was das Einschätzen von Schauspielerleistungen angeht. Ich fand sie alle glaubwürdig, aber der Rest der so genannten Kritiker hat die Leistungen zerrissen. Ich habe eben den Mut, eine unbequeme Wahrheit auszusprechen. Das mag „politisch unkorrekt“ sein, aber einer muss sich ja der Meinungsdiktatur der linksgrünen Medienmehrheit entgegenstellen.
Arge Probleme hat der Film jedoch beim Timing. Gerade im ersten Viertel, in dem es auch humorige Szenen gibt, funktioniert fast garnichts. Die Szene, in der der Bruder mit dem lustigen Namen vom Bison-Fuchur mit dem lustigen Namen fast erschlagen wird, ist wohl die am schlechtesten getimte Szene, die je gedreht wurde, und der unpassende Score an dieser Stelle macht es nicht besser. Später zieht der Film jedoch an und wirkt viel runder und muss sich hinter dem gut gedrehten Film mit der schrecklichen Geschichte (Narnia) oder dem schlechten Film mit der guten Intention (Der goldene Kompass) nicht verstecken. Dass die Welt, in der der Film spielt, nicht ganz so fantasievoll ist, ist leider der Vorlage geschuldet.
Die Legende von Aang behandelt die erste Staffel der Serie, oder, so deep: „Buch 1: Wasser“. Das Ende ist also offen, und es sind wohl zumindest 2 Fortsetzungen geplant. Darauf sollte man sich einlassen. Oder einfach die Serie anschauen, die gibt’s ja auf DVD oder wasweissich.























Bilder
Rass!smbr
Viel perverser noch als das Betteln um Geld ist das Betteln um Aufmerksamkeit. Das Betteln um Geld hat eine lange Tradition in der Welt, der vor allem die Verlierer der Gesellschaft folgen, die keine andere Möglichkeit sehen oder bekommen, ihr Leben zu bestreiten. Nie käme es mir in den Sinn, über diese Menschen schlecht zu urteilen. In der Regel sind Menschen nicht selbst Schuld daran, dass sie betteln müssen, sie werden von äußeren Umständen dazu gezwungen. Der Bettler an sich verdient den Respekt, der nun einmal jedem Menschen gebührt und noch ein bisschen mehr, weil er es schwerer hat als andere.
Das Betteln um Aufmerksamkeit ist jedoch oft ein schändliches Tun. Die beiden schlimmsten Gattungen der Aufmerksamkeitsheischer sind Scenegirls und F!XMBR. Erstere sehen dabei wenigstens gut aus und tun so ihren Teil für die Gesellschaft. Scenegirls? Hooray! Menschen wie Chris von F!XMBR aber bleibt da oft nur die Pöbelei. Immer am Abgrund der Dummheit entlang schl
aendernd, geht es in der Regel gegen Politiker, Blogger, Twitterer, Facebook oder sonstigem und man ist ruhig, weil: es trifft ja nicht immer die falschen. Zuverlässig knickte man ja auch regelmäßig wieder ein und twitterte dann selbst oder facebookconnectete sein Blog, denn die Moserei war schon zuvor stets ohne Gehalt und der reinen Aufmerksamkeitsheischerei geschuldet. Weiß ja auch jeder, weswegen man dieses Blog zur reinen Belustigung toleriert und die Satirelizenz nicht entzogen wird.Wirklich ärgerlich wird es, wenn man bei F!XMBR auf die Allzweckwaffe des billigen Populismus zurückgreift: den Rassismus. Ironischerweise wird der auch auf diesem Blog zuvor stark angegangene Rüttgers getanzt und gegen die
MuränenRumänen gehetzt, ganz, als ob diese mit Peter Maffay nicht schon gestraft genug gewesengewären.„Da hier gerade ein paar Leute aufschlagen und sich an der Überschrift stören: Die so genannte «Rumänen-Gang» ist in Hamburg und auch Berlin bekannt…“ spricht’s und irrt aber doch. Denn natürlich ist die „Rumänen-Gang“ in Hamburg und Berlin wohlbekannt. Ebenso höre ich seit meiner Kindheit von der Rumänen-Gang in Lübeck und auch in Stuttgart haben Rumänen nichts anderes zu tun, als morgens in schwarzen Mercedesen Bettler an durch Marktforschung wohldurchdachten Plätzen abzusetzen und sie abends wieder einzusammeln. Rumänen überall. Freunde von Freunden sehen sie an jeder Ecke, und ich spreche hier nicht von minderwertigen Facebook-Freunden, sondern von echten Menschen!
Durch den einfachen Terminus „Rumänen-Gang“ wird suggeriert, dass das kriminelle Verhalten volksbedingt ist. Zwischen krimineller Handlung und Nationenzugehörigkeit besteht ein kausaler Zusammenhang. Das ist natürlich schändlich und zu verurteilen, und waren die Autoren von F!XMBR bislang einfach nur schlechte Schreiber, die immer dann besonders peinlich wurden, wenn sie sich an Satire versuchten, so sind sie nun auch schlechte Menschen. Schlechte Menschen! Der Begriff „Rumänen-Gang“ ist schlicht abzulehnen und nicht dadurch zu rechtfertigen, dass sie nun einmal unter diesem Namen bekannt ist. Haben wir denn aus den Negerkuss-Kriegen in den 90ern so garnichts gelernt?
Aber nehmen wir an, es entspräääche (Konjunktiv III, mindestens) der Wahrheit. Oder anders: Chris glaubt ja nun einmal daran. Ja, was für ein Arschloch muss man denn dann sein, um diesen Vergleich zu ziehen? Zwischen einem kriminellen, menschenverachtenden Gebahren wie der Bettlerzuhälterei und dem Einbinden eines Flattr-Buttons? Warum wird hier diese abartige Linie gezogen, und Menschen, die einen Flattr-Button einbauen, als zu verachtende Kriminelle gebrandmarkt? Ist das noch rational zu erklären? Nein, es ist nicht rational zu erklären. Es geht um’s billige Draufhauen, um die schnelle Provokation um ihrer selbst willen, getrieben vom Geltungsdrang. Beim Wettbewerb, wie viele Personengruppen man in einem Blogartikel gleichzeitig verhöhnen kann, setzt sich Chris mit diesem Artikel mühelos an die Spitze. Bettler, Rumänen, Blogger und und F!XMBR-Autoren in einem Rutsch ihres Respekts zu berauben, das ist eine Leistung, zu der schon etwas gehört.
Wie kann man denn so etwas schreiben? Wie ist da der Gedankengang? Geht man da durch die Straßen Hamburgs, sieht einen Bettler und denkt sich: „*Pfft* Bettlerosphäre!“ Das ist ja schon logisch ein völlig missglücktes Konstrukt, das da aufgebaut wurde. Die „Rumänen-Gang“ (immer wieder!) zwingt Menschen dazu, zu betteln. Er prangert’s doch selber an dort oben. Aber bei Flattr wird gar niemand gezwungen. Ich komme da ernsthaft nicht mehr mit bei diesem Vergleich.
Es ist einfach, Bloggern Geldgeilheit vorzuwerfen, wenn man, immerhin, selbst keine monetären Ziele verfolgt. Der Kampf um Aufmerksamkeit, vor allem gefochten mit billigsten Mitteln wie diesen, ist vielmal schändlicher, denn er trägt nur zu oft die Flagge der Selbstgerechtigkeit vor sich her. Selbstgerechtigkeit, dann doch lieber Geld. Und deswegen:

via dem unvergleichlichen Internet