Verfasst von: Sebastian | 17. November 2009

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Verfasst von: Sebastian | 15. November 2009

Comicstars gegen Killerspiele

Das Vorwort hat Prof. Dr. phil. Rita Süssmuth, Kuratorium der Ronald McDonald Kinderhilfe:

Hallo liebe Kinder, meine Damen und Herren.

Immer mehr Jugendliche, und sogar schon Kinder(!), werden heute von vermeintlichen Freunden dazu gedrängt, Killerspiele zu spielen, Killerspiele, hören Sie!? Gemeinsam mit der Bundesfamilienministerin, die als Schirmherrin der Aktion „Keine Macht der Freiheit“ den Film „Komikstars gegen Killerspiele“ unterstützt, möchte ich euch deshalb aufrufen: Hände weg von Killerspielen! Lernt wie Kevin, in entscheidenden Momenten Nein! zu sagen, aber auch nur dann, wenn eure Eltern was sagen, Lehrer, sonstige Respektspersonen oder markenüberladene Imagefilme unter dem Vorwand eines wichtigen Anliegens, dann wie gehabt Jawohl! Denn am besten seid ihr immer noch ohne Drogen, ich meine Killerspiele, Drogen waren gestern das Problem. Deshalb im Ernstfall einfach Nein! sagen.

Die Sonne geht auf in einer deutschen Vorortsiedlung, die idyllischer kaum sein könnte: Kein Dreck auf den Straßen, die Hecken sind ordentlich geschnitten und Falschparker werden erschossen. Im großen Einfamilienhaus der Familie Rufangst erwacht das Leben in Form der sich öffnenden Tür zum Zimmer der kleinen Conny. Eine Hand greift zum Sparschwein auf ihrem Tisch und nimmt es mit. Was passiert hier? Diebstahl?
Auf dem Spielzimmerboden liegt ein Comic der Schlümpfe, das sich, wie von Zauberhand, von alleine aufschlägt. Papa Schlumpf tritt gähnend aus seinem Haus und blickt starr vor Schreck in die Wirklichkeit: „Eieiei, Connys Sparschwein ist weg! Schnell Freunde, Conny ist bestohlen worden, wir müssen sie aufwecken!“ Kraft ihrer guten und herzenslieben Phantasie oder so springen sie aus ihrem Comic, was nicht unbemerkt bleibt: Auch Alf hüpft aus einem Bild auf Connys Nachtschrank, Gott weiss, warum Conny ein Bild von Alf auf ihrem Nachtschrank stehen hat, gerade im Jahre 2009, wenn’s wenigstens in Pog-Form wäre, aber nicht einmal Pog wird sie noch kennen, kennt überhaupt noch jemand Pog? Sogar Garfield macht sich Sorgen um Connys Sparschwein, aber aufgrund des Garfield ohne Garfield-Memes wird er hier keine Rolle mehr spielen, was gut so ist, denn er wäre zuständig für Dutzende unfassbar unkomische Lasagne-Witze, aber eine wundervolle Allegorie auf einen Überwachungsstaat ist das, wenn sich ein Detail in einem Zimmer verändert und alles sofort zu Leben erwacht, um dem auf den Grund zu gehen, nun gut, weiter: Die Chipmunks, in der CGI-Version aus dem Jahr 2007 stoßen hinzu und gemeinsam schaffen sie es, auf Connys Kermitwecker zu drücken, was ist dieses Kind eigentlich für ein Merchandise-Opfer?, und sie so zu wecken.
„Mein Sparschwein! Mein Sparschwein ist weg!“

Gemeinsam finden sie heraus, wer dahinter steckt: Kevin, Connys älterer Bruder, dick, verpickelt und stets World of Warcraft T-Shirt tragend. „Warum hast Du mein Sparschwein geklaut?“ – „Ich habe es nicht geklaut, ich habe es gerettet! Sieh dich doch um. Überall Phantasiefiguren, die zu Leben erwachen, das gleiche wäre deinem Sparschwein auch passiert, am Ende in dem Augenblick, in dem Du es zertrümmerst, und das wäre sehr hässlich geworden.“ – „Oh… und ich dachte, Du wolltest Dir von dem Geld Computerspiele kaufen.“ – „LOL? Kein Mensch kauft sich Computerspiele, die zieh ich mir.“ – „Aber… ist das nicht verboten?“ – „Ja, aber das ist hier nicht das Thema, das kommt erst im nächsten Indoktrinationsfilm der Industrie, hier geht es um Werte ^^“ – „Ach so, und was ziehst Du Dir hier?“ – „Im Moment Call of Duty: Modern Warfare 2, hier guck mal:


(Direktlink)

Conny? Conny, warum bist Du denn so blass?“ – „D… D… Daaaaddyyyy!“

Nachdem Conny heulend aus dem stickigen Zimmer mit zugezogenen Vorhängen gerannt ist, bleiben nur Kevin und die Comic“stars“ zurück. Die Initiative ergreift Papa Schlumpf: „Freunde, habt ihr das gesehen? Mit sowas spielt man heute? Warum nur? Wir haben die Kinder über Generationen amüsiert, und heute vertreibt sie sich die Zeit mit solch einem Schund. Wir müssen etwas unternehmen!“ – „Aber was?“
„Kevin, hör mal: Wir können das nicht zulassen.“ – „Aber ich will doch dazugehören, wenn ich nicht solche Spiele spiele, finde ich nie Freunde… oh, moment… vergesst das. Aber ich kann nicht aufhören, es ist das einzige, was ich kann!“ – „Aber das stimmt doch nicht. Hier, wir haben eine Zeitmaschine, wir werden dich in deine Vergangenheit führen und Dir zeigen, wie glücklich Du früher einmal warst, komm, steig ein!“ – „Ein… DeLorean?“ – „Ja, genau… nein, Du Idiot, eine HoiPoi-Kapsel von unserem Freund Son Goku aus dem Manga Dragonball, elende Japaner, die uns den Markt abgraben, aber so Technikzeug, das können sie. Auf geht’s ins Jahr 1998!“

Unsere Freunde landen im Jahr 1998 im Wohnzimmer der Familie Rufangst, der gerade einmal 6-jährige Kevin kommt gerade aus der Schule. Er hockt sich direkt vor den Fernsehr und schaltet Pokémon ein. Es ist Alf, der die Initiative ergreift, in dem er beim Anblick der schnellen Bildabfolge mit den unfassbar vielen Farben in einen epileptischen Anfall verfällt und sich auf dem Boden wälzt. „Seht nur, Alf tanzt“, rufen die Schlümpfe und stimmen ein Lied an, das ist unvermeidlich, denn in diesen Drecksfilmen kommt irgendwann immer ein Lied.

(Melodie vom Schlumpflied, Ansage des Sprechers (Tief versteckt in einem Wald etc.), gesprochen von Tommie Pieper, gleichzeitig Stimme von Alf, na Gott sei Dank ist der ausser Gefecht)

„Seht nur, die Serien,
seht nur, die Cartoons,
sie laufen in den Ferien,
ja genau, sie tun’s.

Doch Vorsicht vor den Killerspielen,
Vorsicht vor Gewalt,
sie wollen nur darauf abzielen,
dass ihr viel Geld zahlt.

Drum lest wieder Mickey Maus,
lest den ganzen Tag,
geht mal wieder aus dem Haus,
in unseren Freizeitpark!“

„Ja, Kevin, das war ein sehr schönes Lied, aber um ehrlich zu sein, wollten wir Dir damit auch etwas sagen. Sieh nur, wie glücklich Du damals warst. Schön vor dem Fernseher im hellen Wohnzimmer, nicht im dunklen Jugendzimmer. Willst Du nicht diese Zeit zurück? Kommen, wir reisen in deine mögliche Zukunft, ins Jahr 2016.“

Alf, die Schlümpfe, der Kermitwecker und die dankenswerterweise ruhigen Chipmunks reisen zusammen mit Kevin ins Jahr 2016, wo (oder wann?) er längst nicht mehr zu Hause lebt, sondern? Genau, garnicht mehr, er ist tot. Er ist kurz vor seinem Abi Amok gelaufen, und Schuld waren alleine die Killerspiele. Papa Schlumpf wendet sich väterlich, wie auch sonst, an Kevin: „Sieh mal. Deine Familie weint immer noch um Dich.“ Am Küchentisch sitzen Kevins Eltern, der Vater ist besoffen, die Mutter pariert, äh, püriert, es gibt Kartoffelpüree. Daneben sitzt Conny, sie ist jetzt Emo und die Arme sind verritzt. Die Schule musste sie nach dem Amoklauf verlassen, sie hat ein freiwilliges soziales Jahr gemacht und dann noch ein unfreiwilliges asoziales. Jetzt schläft sie sich durchs Dorf, um den Ruf der Familie wieder herzustellen. „Oh nein… was habe ich nur getan? Was ist passiert?“ – „Lass uns in hier einmal ins Internet schauen, wie das ablief. Moment, ich hole schnell mein iSchlumpf raus. Hier…. Amoklauf… Wahnvorstellungen… Comicfiguren… Naja *hust* ist ja auch egal. Es waren jedenfalls die Killerspiele, alleine die Killerspiele. Du musst damit aufhören!“ – „Ja, gut, aber nur unter einer Bedingung: ihr müsst mir jetzt auch mal in meine Welt folgen, ich zeige euch eines meiner Spiele und danach entscheiden wir gemeinsam, wie es weitergeht.“ – „Einverstanden!“

Sie fliegen zurück ins Jahr 2009, das Jahr, in dem sie Kontakt aufnahmen und landen in Kevins Zimmer. Er „loggt sich in das Spiel ein“ und kraft der Comicfiguren finden sie sich mitten in einem Level von Counterstrike wieder.
„Kevin, was hast Du vor?“, fragt Alvin Chipmunk völlig zurecht, denn Kevin kontert: „LOOOOL, das war alles eine Falle! Los, Freunde, knallt sie ab :-) :-) “ Und mit einem Mal tauchen aus allen Ecken Terroristen auf und schießen die Comicstars über den Haufen. Zuerst erwischt es Theodore Chipmunk, der noch versucht, sich hinter eine Polygonkiste zu retten, schafft es aber nicht mehr. Alvin und Simon starren erschreckt auf die Leiche ihres Bruders, als eine Granate zwischen ihnen landet und sie in unappetitliche Einzelteile zerfetzt. Blutüberströmt kreischt ein Schlumpf, nein, nicht blutüberströmt, es ist Papa Schlumpf, er kann nicht fassen, dass Clumsie versucht hat, sich auf die Granate zu schmeissen, sie war größer als er. Es sind nur noch 99 Schlümpfe am Leben, ihre gesamte Existenz ist damit in Frage gestellt, weswegen ihr Serienuniversum zusammebricht und sie alle in ein schwarzes Loch zieht. Nur noch Alf ist übrig, der es schafft, noch 5 Terroristen mittels Headshot mitzunehmen, wobei er nach jedem Treffer „Haha!“ ruft. Ist er etwa ein Cheater? Der Verdacht liegt nahe, denn er hat ja nicht einmal eine Waffe. Doch dann erwischt es auch ihn, mit einer Salve aus der AK 47 mitten in die Brust wird er erlegt, das Fell hätte einen guten Bettvorleger abgegeben, wäre es nicht durchsiebt worden.
„Yeah“, freut sich Kevin, „endlich Ruhe! Nur: Wie komme ich jetzt wieder aus dem Spiel raus? Jungs? Juuuungs!“

Terrorists win.

Verfasst von: Sebastian | 14. November 2009

2012

Es sterben knapp 6 Milliarden Menschen in diesem Film (Spoiler, ups), aber es gab nur eine einzige Szene, in der mich das wirklich gejuckt hat, und es war kurioserweise eine, die wahrscheinlich sonst fast keinem aufgefallen ist.
Während John Jackson Curtis Cusack mit seiner Familie aus LA flieht, weil dieses bei Capri im Meer versinkt (durch die im Film erklärte „Erdkrustenverschiebung“ ist das möglich (mmmh, Kruste)), passiert links und rechts allerhand. Züge fliegen durch die Gegend, zwei Omas fahren mit Schrittgeschwindigkeit gegen eine Wand, was, wie uns Egon Hoegen immer und immer wieder eingebläut hat, durchaus gefährlich sein kann, und irgendwo rollt auch ein Donut über die Straße. Und mitten auf einer Highwaybrücke, die gerade in sich zusammenfällt, steht ein einsamer Polizeiwagen mit angeschalteter Sirene und stürzt ins Elend. Ich fand das ein bemerkenswertes Detail in dem ansonsten nicht immer übersichtlichen Wust und es hat meine Gedanken in die Richtung dieses Einzelschicksals geführt, hier habe ich mir wirklich Sorgen um speziell diesen Polizisten gemacht. Hinzu kam, dass der Polizeiwagen symbolisch für die Hilflosigkeit steht, mit der die Staatsgewaltschaft konfrontiert ist. Wahrscheinlich verlassen sich in diesem Augenblick sämtliche Menschen um ihn herum auf ihn, und er kann nicht mehr tun als die Sirene anzuschalten um zu signalisieren, dass hier etwas nicht stimmt (im Vorfeld lief übrigens ein interessanter Trailer zum Film Sherlock Holmes) und dann zu sterben.

Ein Gefühl, dass Danny „ich bin zu alt für diesen Scheiss“ Glover als Präsident nicht vermitteln konnte, denn die oberste Riege hat in einem Wahnsinnskraftakt sofort gehandelt und zusammen mit allen anderen Nationen Riesenarchen gebaut, auf die sich nun die intellektuelle und moralische Elite der Welt jeder, der es sich leisten kann, retten sollte. Die deutsche Bundeskanzlerin, gespielt von einer Art Veronica Ferres, hat übrigens relativ viel Sprechanteil, sie vertritt im Großen und Ganzen den Rest der Welt, na, wenn das nichts ist.

Und damit ist die Handlung soweit schon abgekaspert, alles geht den Bach runter und die Protagonisten der verschiedenen Handlungsstränge müssen zusehen, dass sie Land gewinnen (oh, the pain).

Es gibt im Film einen verrückten Radio-DJ gespielt von…. Woody? Woody Harrelson?, und der das ganze natürlich längst hat kommen sehen, dann aber nicht viel besseres zu tun hat, als sich neben einen Vulkan zu stellen und das Ende zu feiern. Überhaupt ist die Cast-Auswahl in Emmerichfilmen ja immer sehr interessant, mit der dann die ja immer gleichen Rollenschablonen gefüllt werden. Der Bleistiftbeisser aus Stargate, der dann in Independence Day vom verrückten Professor abgelöst wurde ist eben dieses mal der zottelige Radiomann, Dennis Quaid ist hier John Cusack und die Aliens, die davor Aliens waren und danach das Klima, ist hier die Sonne (häh?), halt wieder irgend so ein unwichtiger Storyaspekt, der einen Vorwand liefert, die Welt in möglichst schönen Bildern zu Bruch gehen zu lassen.

Und das kann Emmerich ja nun einmal am besten. Die Kamera ist immer feste druff, das heisst, sie wackelt nicht wie blöd rum, die Effekte sind zahlreich und gut und das Weisse Haus muss wie immer dran glauben. Man darf sich aber schon fragen, wie ein auf das Weisse Haus krachender Flugzeugträger getoppt werden soll.
Immerhin: so wird die Handlung des Präsidenten abgeschlossen. Erst neulich bei Transformers fiel mir auf, wie nervig es ist, wenn Charaktere eingeführt werden, von denen man irgendwann einfach nichts mehr hört. Hatte Shia LaBoeuf (ohne Gewähr) nicht anfangs noch einen besten Freund? Was ist denn nun mit der kleinen Blonden und ihrem Hackerfreund? usw. aber der Emmerich macht sowas nicht, nein, der Emmerich nicht: entweder liebgewonnene Menschen sterben oder sie schauen am Ende des Films frohen Mutes gen Horizont.

Das mit dem Abservieren klappt aber dann natürlich auch nicht immer perfekt, wer sich für das Einzelschicksal einzelner Nebencharaktere interessiert, sei hiermit vorgewarnt, ich erzähle in wenigen Buchstaben, wie eine Figur, Achtung, ab jetzt: nämlich der neue Freund der Ex-Frau von John Cusack, nämlich Amanda Peet (die doch erst in diesem anderen Film zusammenkamen, mit diesem Killer da, keine Ahnung, wie der hieß), also wie der neue Freund stirbt, er wird nämlich von einem Zahnrad zerdrückt. Ja, da geht die Welt unter und die ganze Welt (bis auf Russland Afrika) versinkt, und dann stirbt da einer, weil er in der Arche, also eigentlich schon gerettet, ausrutscht. Ärgerlich. Überhaupt war die ganze letzte halbe Stunde eher redundant, in der man, quasi als Bonuslevel, noch einmal Riesenzahnräder, Luftschächte und flutende Kammern eingebaut hat, Half Life meets Bioshock.

Pluspunkte gibt es dafür, dass die beiden Kinder, die man da jetzt mit durchschleppt, nicht weiter nerven. Der Junge hält gänzlich die Klappe und das Mädchen schreit nicht ganz so arg wie das Gör in Krieg der Welten (ist allerdings auch nicht so angenehm ruhig wie die Taubstumme in Terminator 4). Kinder in Actionfilmen sind ein durchaus wichtiges und nicht zu unterschätzendes Kriterium, in der Regel versauen sie einem den ganzen Film, einen Mehrwert bieten sie nur höchst selten (Ausnahme z. B. die Alice im Wunderland-Allegorie Running Scared).

Das Realismus-Argument zieht bei dieser Art Film natürlich nicht, weswegen ich auch nur ganz am Ende einmal darauf hinweisen möchte, dass ich zwar sehr gut mit den mutierten Neutrinos und der Erde als Mikrowellenherd klarkomme, mich aber der Konstruktionsfehler der Arche, dass sie ohne geschlossene Heckklappe nicht anfahren könnte, massiv gestört hat. Die Tatsache, dass sie es überhaupt geschafft haben, in 3 Jahren ein paar dieser Riesendinger zu bauen, wurde mit der Eklärung „das können nur die Chinesen“ seitens der Drehbuchautoren ausreichend erklärt, sie haben damit kurz gewunken und gesagt „wir sind uns bewusst, dass das albern ist, und sagen das an dieser Stelle noch einmal“. Aber das mit der Heckklappe wirkte dann doch arg einfallslos, um noch einmal ein paar Minuten „Spannung“ zu erzeugen.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Mark Twain, eine fiktive Person, die immer dann genannt wird, wenn man den ursprünglichen Verfasser nicht kennt: So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.

Wertung: 1/1 Welt (denn wir haben nur eine, und die ist von unseren Kindern geliehen!)

Verfasst von: Sebastian | 11. November 2009

It’s called Lego for a reason

Kläglicher Versuch, einen Gedankengang nachvollziehbar zu machen:

Hier läuft die Diskussion, ob der Käufer eines Lego X-Wing die Packung öffnen soll oder nicht (Sammlerwert! Sammlerwert!). Ein Kommentator führt an: „Open it. It’s called LEGO for a reason!“

Darüber habe ich nie nachgedacht, dass Lego auch etwas bedeuten könnte. Wenn einer Zeitschrift so garnichts mehr einfällt, kommt irgendwann die Story: „Enthüllt! Die Bedeutung der Markennamen!“, als ob sowas je ein Geheimnis war und einem im Gegenteil nicht ständig um die Ohren gehauen werden würde, insbesondere „Haribo“ und „Adidas“ werden immer wieder von wohlwissenden Menschen als das hervorgezogen, was Max Goldt „Konversationswissen“ nannte, ich aber tatsächlich als „Unsympathenwissen“ bezeichne.

Aber Lego… irgendwo musste es ja herkommen, und es ist schon merkwürdig, dass man sich noch nicht einmal die Frage gestellt hat, woher das denn nun kommt. Warum? Weil Lego eben ein so gebräuchliches Wort ist wie „Mutter“ oder „Nintendo“, wobei Videospielzeitschriften und siehe oben.

Und Lego heisst soviel wie „leg godt“, dänisch für „spiel gut“.

Tja, und mein eigentlicher Gedankengang war jetzt „When you see it, you’ll shit bricks“, und das fand ich sehr komisch, deswegen schreibe ich das hier hin. Aber man muss wohl dabei gewesen sein.

Verfasst von: Sebastian | 21. Oktober 2009

Big in Berlin

Am Montag, dem 30.11.2009 wird es zu zwei besonderen Premieren kommen: Zunächst werde ich den mir selbst auferlegten Heiligen Eid brechen, niemals in einer Bar aufzutreten, die einen Namenswitz im, nun ja, Namen trägt. Und zweitens werde ich das erste mal in meinem Leben überhaupt auftreten (abgesehen natürlich von meiner grandiosen Performance bei „Wetten, dass…?“).

Nämlich: Der Taubenvergrämer lässt bitten. In einer dilettantisch-unkoordinierten Reihe mit dem hochtrabenden Namen Jour Fitz bestellt er ihm wohlgesonnene Menschen, Literaten, Erzähler und jeden, der sich aufdrängt (hier komme ich ins Spiel) zu sich, die im flauschigen Ambiente des Lokals soupanova in Berlin Texte vortragen, die sie eigens verfasst, wohl aber zumindest aus ihren Blogs herauskopiert haben (ein Treffen der vielgescholtenen Internetausdrucker, sozusagen).
Frei von sämtlichem Wettbewerbsdruck dieser fehlkonzipierten Poetry-Slams oder kichernder Klassenkameraden (*schnief*), verspricht das doch ein flauschig-illustrer Abend zu werden, zu dem ich hiermit herzlich einladen möchte. In dem Sinne, dass man als zahlender Gast gerne gesehen ist.
Als weitere Erzähler werden dort, so denn alles klappt, noch die geschätzten Blogger und Twitterer @Litteratur und @silenttiffy dabei sein. Die haben alle sicher auch „normale“ Namen, aber warum Twitter genau so schön ist, hat eben @silenttiffy an dieser Stelle noch einmal in Gänze ausgeführt.

Oder um es für euch crazy Internetkids kurz zu machen:

Voll fett! Flashmob! Wir treffen uns alle am 30.11.2009 um 20.00 Uhr im

SOUPANOVA
Stargarder Str. 24
10437 Berlin

zahlen dort 4,- Euro Eintritt, setzen und hin und halten die Klappe! Das wird so geil!! Denen zeigen wir’s! Und alle so yeah usw.

Verfasst von: Sebastian | 15. Oktober 2009

Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Wirtschaft nicht

Oder: Kameraeinstellungen im Wandel der Zeit

marmorstein

(Siehe hier und hier)

Verfasst von: Sebastian | 13. Oktober 2009

Shadowrun (SNES)

Wie überhaupt im Bereich der klassischen Pen & Paper-Rollenspiele, verfüge ich auch im Shadowrun-Universum über äußerst begrenzte Erfahrungen. Selbst gespielt habe ich es nicht eine handvoll Male, die Romanreihe, die mittlerweile wohl über 60 Teile umfasst, aber genau lässt sich das gar nicht sagen (ein ähnliches Durcheinander bieten hier noch die Final Fantasy-Reihe und das Namenswirrwarr der Street Fighter 2-Charaktere), habe ich nach Band 27, „Stahlregen“, entnervt aufgegeben. Waren die Geschichten früher sehr packend geschrieben, insbesondere die Actionpornos von Nigel Findley oder die sehr (Anglizismus-Nazis, aufgepasst!) immersive Deutschland-Trilogie „Deutschland in den Schatten“, quälte man sich gegen Ende nur noch mit albernen Klischees und nicht enden wollender Esoterik.

(Die „Deutschland in den Schatten“-Trilogie zog mich mit etwa 14 dermaßen in den Bann, dass ich in einem Deutsch-Aufsatz zu einer Kurzgeschichte, es war wahrscheinlich „Spaghetti für zwei“, auch bekannt als „Kohl für zwei“, oder aber „Ein Tisch ist ein Tisch“ konsequent den Namen Hans Joachim Alpers verwendete, was nicht nur für Punktabzug, sondern auch für ein fragendes Gesicht seitens der Deutschlehrerin sorgte.)

Ebenso ausgelassen habe ich die Mega Drive-Version des Spiels, von der man sehr viel Gutes hört, und den Microsoft-Shooter, für den genau das Gegenteil gilt. Ich widme diesen Blogeintrag nun also der Versoftung für das SNES, da ich jüngst mal wieder hineinschaute und gleich sofort wieder gefesselt war und erstaunt, mit wie wenig Mitteln es gelang, ein schönes Stück Software zu stricken.

Es sei hier kurz wiedergegeben, was zu meiner Shadowrun-Zeit, also Mitte der Neunziger, das Shadowrun-Universum ausmachte. Die Regeln, Zustände und Zeiten haben sich mittlerweile wohl geändert, diese Rollenspielbuchhersteller denken sich ja ständig irgendwas aus. Und also aber (eine Wortfolge, die man so eigentlich nur von Stefan Gärtner hört) nun:

srlogo

In den 80ern herrschte eine dystopische Vorstellung der Zukunft vor, aus der sich das literarisch und popkulturelle Genre des Cyberpunk entwickelte und welches das Grundgerüst für die Shadowrunwelt stellt (allen voran sei hier William Gibsons Neuromancer-Trilogie erwähnt, da man sich hier besonders fleißig bediente). Großkonzerne haben im Jahr 2050 den Staat in ihren Aufgaben im Wesentlichen abgelöst, vor allem Japan konnte seine Unternehmen zu Megakonzernen ausbauen, die sich der Kontrolle durch einen Staat größtenteils entziehen und sogar Privatarmeen unterhalten. Die Technik ist dort, wo viele Menschen heute schon gerne wären: Man braucht seine Tastatur, pardon, „Cyberdeck“ nur an seine Schläfe stöpseln und befindet sich in der virtuellen Realität der Matrix, in der sich allerhand Schabernack anstellen lässt. Überhaupt lässt sich der Körper dank Implantaten jedweder Art zur Supermaschine ausbauen, die einen stärker macht, schneller, jetzt noch sicherer und mit Gimmick.
Und als wäre dies alles nicht schon genug des Trubels, ist im Jahr 2011 auch noch die Magie in die Welt zurückgekehrt (ein Zeitpunkt, der mir einmal unfassbar weit weg erschien), siehe Maya-Kalender, drittes Zeitalter etc. pp. Neben aufgemotzten Menschen beherrschen also auch Orks, Trolle, Zwerge und Elfen die Straßen, manche können arkane Magie wirken und andere sind Schamanen. Auch Drachen sind wieder auf der Bildfläche erschienen und agieren als äußerst gerissene Wesen, die im Hintergrund Fäden ziehen und all zu gut mit ihrem Gold umgehen können.

Und mitten in diese Welt wird man als Spieler gestoßen, als Figur, die scheinbar gerade erst getötet wurde und nun im Leichenschauhaus irgendwo in Seattle aufwacht, ohne Erinnerung und mit nichts als einer Notiz in der Tasche, auf der steht „Apartment No. 5″.

shadowrun

Hat man erst einmal, nicht ohne sich ein Pflaster und ein Skalpell einzustecken, das Zimmer verlassen (was den beiden Gerichtsmedizinern einen gehörigen Schrecken einjagt), stackst man in einer dunklen Iso-Optik zunächst ziellos in der Gegend herum und fragt sich, was das Ganze nun eigentlich soll. Und kaum tritt man raus auf die Straße, wird man von einem Punk angepöbelt, der sich ziemlich sicher war, dich hat sterben zu sehen, umgenietet von einigen Killern.

Und hier sind wir schon beim Fluch und Segen des Spiels: Dem Dialogsystem. Wann immer man in ein Gespräch verwickelt wird, kommt irgendwann der Augenblick, in dem der Gesprächspartner ein Schlüsselwort fallen lässt. Dieses Schlüsselwort kommt in die Datenbank und steht als Gesprächsoption zur Verfügung. Man kann nun dieses Wort anwählen und so den Gegenüber ausfragen. Dieser hat dann entweder weitere Informationen parat oder gibt ein standardisiertes „Keine Ahnung“-Statement ab. Oder gibt ein standardisiertes „Keine Ahnung“-Statement ab. Oder gibt ein standardisiertes „Keine Ahnung“-Statement ab. Oder gibt oder gibt oder gibt.
Es ist ein schweres Kreuz, dass man nach wenigen Stunden mit sich schleppt. Irgendwann hat man mehrere Dutzend Schlüsselwörter gesammelt, die von von Begriffen wie „Hund“, „Tickets“, „Verhandeln“ bis hin zu „Heilen“, „Anheuern“ oder „Eis“ reichen. Keines ist komplett nutzlos, jedes findet irgendwann seine Verwendung, meist jedoch nur ein einziges Mal und, ausgemistet wird die Liste äußerst sporadisch.

hitmen

Hinzu kommt, dass man die meisten Wörter in einem völlig anderen Zusammenhang bekommt, als den, in dem man sie später benötigt. Ein Hacker klärt einen zum Thema Eis auf, eine Art Firewall in der Matrix. Weisses Eis bedeutet, der Hacker (bzw. der Shadowrun-Terminus Decker) wird lediglich aus dem System rausgeschmissen, bei grauem Eis kann man sein Deck in der Regel wegschmeissen und schwarzes Eis verkohlt einem das Hirn. In der Welt der gesetzlosen MegaCons die häufigste Variante. Man behält nun also das Wort Eis und nimmt es nicht etwa mit auf die nächste Cocktail-Party des CCC, sondern bequatscht einen Barkeeper, er möge eine Ladung Eis ins Seattler Hafenbecken schmeissen, um die dort ansässigen Meerjungfrauen zu verscheuchen, damit man mit dem Boot auf ein Schiff übersetzen kann.
Man geht also Person für Person seinen sämtlichen Wortschatz durch, um irgendwann mit der Geschichte vorwärts zu kommen. Und wehe, man hat das passende Stichwort nicht parat. Es war mir nicht möglich, die Daten, die in meinem Schädel gespeichert sind, von einem Streetdoc herausoperieren zu lassen, da ich ihm nicht das Zauberwort Neo Cortex nennen konnte. Also noch einmal sämtliche Personen ausquetschen, um am Ende zu erfahren, dass ausgerechnet ein Punk auf dem Schrottplatz mit derlei elitärem Vokabular herumstolziert. Sigh.

Und dennoch: Ein relativ umfangreiches Dialogsystem wie dieses war zu der Zeit auf Konsolen ungewöhnlich und eine sehr schöne Abwechslung zum linearen Verlauf der Dialoge in Nippon-RPGs („Wirst Du uns helfen, das Königreich zu befreien?“ – „Nein.“ – „Oh. Ich frage noch einmal: Wirst Du uns helfen, das Königreich zu befreien?“ „Ja, goddamit!“). Die Textlastigkeit kommt dem Spiel unter dem Strich sehr zu Gute, da es schön geschrieben ist und dem Spiel eine „tough guy“-Attitüde verleiht, die die Grafik trotz der düsteren Töne nicht wirklich bieten kann.

So geht es voran im Spiel, in dem man einerseits detektivische Aufgaben im Adventure-Stil löst, in einem stupiden Minispiel durch die Matrix hüpft (enttäuschend) und andererseits aber irgendwann an den Punkt gelangt, an dem man nicht mehr um den Kampf herumkommt. Überall lauern Gangs, Scharfschützen beschießen einen aus Fenstern und dann gibt es noch diese Arena auf dem Schrottplatz, der als Versteck diente und auf dem man sich nun beweisen muss. Mit einer kleinen Beretta und einem Ledermantel, die man sich während einer Schießerei in einer dunklen Gasse geschnappt hat, geht es über den in den Kampfmodus.
Per Knopfdruck ist ein Fadenkreuz aktiviert und es wird sich der Gegner per Dauerfeuer entledigt.

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Hat man erst einige der Schlingel ins Jenseits befördert, erhält man einen Karmapunkt, der sich in seine Werte investieren lässt, die unter anderem Stärke, Umgang mit Feuerwaffen oder Hitpoints beinhalten.
Das Rumgekämpfe wird sehr bald zur äußerst stupiden Routine, da man oft genug das alte Rein-Raus-Spiel spielen muss, um im Spiel weiterzukommen (in Zimmer reinrennen, Gegner abballern, Nuyen schnappen, rausgehen, wieder rein…), deshalb an dieser Stelle der ultimative Grindan-Tipp: Im Keller der Vampirvilla kann man sich wunderbar hinter einem Sarg verschanzen. Es spawnen regelmäßig Ghouls aus der Erde, die stupide auf euch zu und gegen den Sarg rennen, wo sie steckenbleiben und sich bequem abballern lassen, muahahahalololol. Werden es zu viele, rutscht mal einer durch, aber mit einer Schrotflinte oder Uzi und Reflexboostern kommt dies nicht all zu oft vor. Ich habe das einst viele Stunden durchgezogen, um herauszufinden, ob man mehr als 999 Karma sammeln kann (ja).

Irgendwann ist man entgegen allen Rollenspielregeln von Magie und Technik gleichermaßen so vollgepumpt, dass man vor Kraft kaum laufen kann. Sollte man jedoch noch ein wenig schwach auf der Brust sein, heuert man einfach ein paar Shadowrunner an, die für Geld alles tun, aber nicht sonderlich gut: von Haus nutzen sie nur ihre Grundattacke, in mühevoller Frickelarbeit muss man vor allem Magier dazu bringen, etwas mehr aufzufahren als ihren kleinsten Feuerball. Sie kosten viel Geld und halten in der Regel nichts aus, und es ist schade, dass man sich keinen 3 Meter hohen Troll an die Seite stellen kann. Eine Interaktion über das Anwerbungsgespräch findet leider nicht statt.

Meanwhile, in the storyline… Die Geschichte um den Protagonisten Jake Armitage ist von erfreulichem Ernst getragen, und wenigstens hier gelingt es einer Handlung, eine Sonnenbrille als wichtigen Gegenstand einzubauen, ohne dass man sich komplett lächerlich macht, nicht wahr, Mr. Schwarzenegger? Obwohl… ja, doch, es ist im Clark Kent’schen Sinne lächerlich, dass die Sonnenbrille mitsamt Polizeimarke dafür sorgt, dass einen die Gerichtsmediziner nicht mehr wiedererkennen, während das für die an jeder Ecke lauernden Killerkommandos wohl kein Problem darstellt. Ansonsten funktioniert die Story aber hervorragend. Je weiter man ins Spiel hineinkommt, desto mehr entspinnt sich eine klassiche Cyberpunkgeschichte, die sich grob an der ersten Romantrilogie und Gibsons Kurzgeschichte Johnny Mnemonic orientiert. Die Hauptfigur, die Daten im Kopf gespeichert hat, die schnell raus müssen, eine Cortexbombe als Sicherung, die ganz großen Konzerne trachten nach dem Leben, man erhält Hinweise, die einen auf Friedhöfe, in die Kanalisation, auf ein altes Schiff und sogar zu einem Vulkan führen, in dem die graue Eminenz, wer hätt’s gedacht, ein Drache, haust. Cyberpunküblich bekommt man es selbstverständlich auch mit einer Künstlichen Intelligenz zu tun, die standesgemäß im obersten Stockwerk eines streng bewachten Wolkenkratzers haus. Und immer wieder fährt man mit der U-Bahn durch das nächtliche Seattle, dessen Himmel aussieht „wie ein Fernseher, der auf einen toten Kanal geschaltet war“.

subway

Getragen wird das Spiel jedoch, neben den schönen Dialogen und einigen wirklich atmosphärischen Grafiken und Szenerien, hauptsächlich vom Soundtrack. Es ist ein Synthiesound, der auf einem SNES nicht viel billiger klingen könnte, und dennoch werden hier Klänge und Melodien kredenzt, die einem auch nach 10 Jahren nicht aus dem Kopf gehen wollen. Eine Auswahl verschiedener Themes gibt es dankenswerterweise gleich in den ersten Minuten dieses etwas missglückten Speedruns:


(Direktlink)

Ich liebe dieses Slapbass-Spiel, die düsteren Industriesounds und ja, auch das Ethnogefiepe setzt sich durchaus fest im Ohr. Und ja, nach heutigen Standards klingt das wohl nicht mehr zeitgemäß, aber ist man 14, sitzt an einem Samstag um 3.00 Uhr nachts an der Konsole und wird in einer gottverlassenen Gegend von einem Hund mit roten Augen angesprochen, ist das durchaus wirksam.

Es mag albern erscheinen, 15 Jahre nach Erscheinen des Spiels eine Rückschau zu schreiben, in der Gewissheit, dass gerade diese längeren Ergüsse sich der wenigsten Kommentare erfreuen (erinnert sich noch jemand an diese lächerlich lange Nacherzählung einer Hörspielfolge der Masters of the Universe? Nein? Schade, sie ist sehr gut!), aber es ist eben ein Spiel, dass mich wirklich geprägt hat. Videospiele prägen sehr wohl, hier bin ich ganz bei Pfeiffer, äh, Pfeiffer. Da gibt es kein Vertun. Es hat nie dazu gereicht, mich oberstufenschülermäßig mit Ledermantel einzukleiden und bevorzugt neonröhrenverhangene Großstadtstraßen aufzusuchen, aber doch: die Trostlosigkeit verregneter Straßen im Saxophonklang habe ich aus dem Cyberpunk mit rübergeschleppt.

Verfasst von: Sebastian | 10. Oktober 2009

China

Dies ist ein Auszug aus meinem Gedichtzyklus „Tante Erna, die Partybumse“, in dem die fiktive Figur Erna im Setting von Familienfeiern Gedichte vorliest, die sie mit großer Mühe und der Hilfe von Gedichtportalen schreibt. Der komplette Band erscheint demnächst im RoflRoflRofl-Verlag.

„Liebes China, eins ist klar:
Heute wirst Du 60 Jahr!
Zu diesem großen Ehrentag
hol’n wir aus zum Gegenschlag.
Ob Wanderarbeit oder –hoden,
ob Menschen- oder Umweltrecht:
heute wollen wir nicht nur loben,
sondern sagen’s Dir mit Brecht.

Nicht jedes Land hat viel Humor,
das allein ist noch nicht schlimm,
viel mehr noch tun sich die hervor,
die die Bürger tun vertrimm‘ (Genickschuss).

Drum sollst auch Du mit 60 Lenzen
nicht mehr in der UNO schwänzen.
Lach doch mal, so wie einst
die Urchinesen, wie es heisst.
Land des Lächelns, sagt man doch,
ob Fließbandbiene oder Koch,
sie alle leben 3 mal hoch, hoch, hoch.“

Verfasst von: Sebastian | 26. September 2009

Ein Tag vor der Wahl

Spiegel: Herr Steinmeier, es sieht nicht gut aus…
Steinmeier: Sehen Sie, wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Das sind die Fragen, die ich in persönlichen Begegnungen immer wieder gestellt bekomme. Ich kenne da eine Hartz IV-Emfpängerin, die fragt sich das auch jeden morgen: schaffe ich das heute? Werden meine Kinder ausgelacht? Trotzdem geht sie jeden Abend ins Bett, mit der Gewissheit, morgen wieder aufzustehen. Daraus ziehe ich meine Kraft.
Spiegel: Sie sehen uns überrascht.
Steinmeier: Tue ich doch garnicht. Das ist nur so eine Interviewfloskel von Ihnen, die Sie immer und immer wieder hervorkramen, in Wirklichkeit sitzen wir doch hier in meinem Büro und sie trinken meine Minibar leer.
Spiegel: Trotzdem: Bundeskanzlerin Merkel hat jüngsten Umfragen bestätigt bekommen, dass es für eine Koalition mit der FDP locker reicht.
Steinmeier: Das sehe ich nicht so. Egal, wo ich in diesen Tagen bin, bei einer SPD-Veranstaltung in Hamburg, einer SPD-Veranstaltung in München, überall das gleiche Bild: SPD-Fahnen, Steinmeier-Rufe, dolle Musik. Das schaffen wir. Alles andere ist Bannichmacherei.

Es klopft an die Tür. Herein kommt Michelle Schumann. Die blutjunge Partnerin des SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering sucht ihr Bauchnabelpiercing und glaubt, es zuletzt hier gesehen zu haben.

Spiegel: Frau Schumann, wo Sie schon einmal gerade da sind, was sagt denn ihr langlebiger Partner zu den geringen Chancen eines Wahlsieges?
Schumann: Neulich erst saßen wir mit Veronica Ferres und Herbert Grönemeyer bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Deutschland, wo stehst Du“, da hat er einen wundervollen Satz gesagt: „Deutschland kann zupacken.“ Ich verstand erst zuparken, das habe ich dann auch gesagt und als wir mit Lachen fertig waren und dieses etwas gequälte Schweigen nach dem Lachen, man kennt das ja, wenn der letzte dann noch diesen etwas peinlichen Seufzer hinterherstößt, einsetzte, wussten wir alle: egal, wie es kommt, es geht auch weiter.
Spiegel: Und wie erfahren Sie es im persönlichen Gespräch?
Schumann: Wir sehen uns leider viel zu selten. Es wird oft spät, und abends, wenn wir ein wenig Zeit für uns haben, sagt er schon oft: „Es wird eng.“ Aber meist flutscht es dann ja doch und deswegen sind wir optimistisch.
Spiegel: Verstehen wir sie richtig, dass…
Hans-Olaf Henkel: Einspruch, Euer Ehren!
Spiegel: Mein Gott, Herr Henkel, wer hat Sie denn nun ausgegraben? Und lassen Sie diesen Einspruch weg, das kann doch keiner mehr hören.
Henkel: Was ich sagen möchte ist, dass wir in dynamischen Zeiten leben, Globalisierung, da muss man flexibel auf Interviews reagieren und darum bin ich hier. Flexibilisierung! Binnenmarkt! Konjunktur…usw.

Frau Schumann ist längst wieder weg und die Simpsons sind fast rum, als uns einfällt, dass wir ja bei Herrn Steinmeier zu Gast sind.

Spiegel: Thema Aussenpolitik: Würden Sie sagen, dass es in Afghanisten rund läuft?
Steinmeier: Wir haben in dieser Koalition viel erreicht, auch in Afghanistan und insbesondere mit unseren amerikanischen Freunden. Das soll man nicht kleinreden. Ich ganz persönlich kenne ein afghanisches Mädchen, dass erstmals in die Schule gehen kann, schon, weil sie erst 6 ist. Aber auch sonst. Und es ist einfach ein Erfolgserlebnis, wenn man sieht, dass sie jeden morgen von Soldaten abgeholt wird (er nimmt einen Schluck Wasser), die sie im Dingo in die Schule bringen. Das ist auch jedesmal ein Riesenspaß für die Kleinen und sie bekommen immer ganz große Augen und krähen vor Vergnügen, wenn es mit 100 Sachen durch die Stadt geht. Die Einsatzgegner der Linken sollten sich das ruhig einmal bildlich vorstellen. Alles andere ist Plackenplöckerei.
Spiegel: Ihr Kollege, der Verteidigungsminister Jung, geriet jüngst in die Kritik, weil er als Dienstherr den Oberst Klein verteidigt hat, der einen Tanklastwagen in die Luft hat sprengen lassen, puh, diese deutsche Sprache.
Steinmeier: Ich muss ihn entschieden in Schutz nehmen! Aber ich kann nicht.
Spiegel: Verstehen wir sie richtig? Der Holocaust hat nie stattgefunden?
Steinmeier: Es ist doch so: Entweder Schulen und dafür auch riskieren, dass… moment, was war die Frage?
Spiegel: Entschuldigen Sie, das war eine Vorlage für das Gespräch mit diesem Iraner, wir müssen nachher noch rüber. Haben Sie noch ein Pils?
Hans-Olaf Henkel: Es ist übrigens eine Schande, dass sich die Regierung nach wie vor weigert, mit der iranischen Regierung Geschäfte zu machen. Die haben wunderschöne Teppiche, Ölmalereien, und Ölteppiche. Die haben die Manpower, wir das Know-How. Volkswirtschaftlicher Schaden, Diplomatie usw.
Steinmeier: Ja.
Spiegel: Bitte?
Steinmeier: Im Schrank, da steht noch ein Pils. Sehen Sie, ich habe lange mit meiner Frau geredet, mit den Menschen draussen, auch ich selbst habe nachgedacht: Deutschland muss wachsen! Nicht im räumlichen Sinne, um Gottes Willen, aber sozial. Ich und meine SPD, wir plädieren für ein Soziales Wachstum.
Spiegel: Das ist doch jetzt wieder nur so ein Füllwort. Lassen Sie uns raten: Scholz & Friends?
Steinmeier: Wie gesagt habe ich mit verschiedenen Menschen gesprochen, darunter war selbstverständlich die Kreativbranche. Wir haben hier übrigens Hunderttausende neue Jobs versprochen, fragen Sie mich doch einmal wie!
Spiegel: Ja gut: Wie?
Steinmeier: Geht doch! Sie sind neu, oder? Also: Nehmen wir an, die Binnennachfrage nach Autos sackt nächstes Jahr so zusammen, wie wir es intern ausgerechnet haben… moment, das muss nachher wieder aus. Nehmen wir also hypothetisch an, der Automarkt entwickelt sich nicht so positiv, wie es die allgemeine Wirtschaftslage erwarten lässt. Dann würden uns die Ideen ausgehen. Es entsteht also eine große Nachfrage nach Ideen. Überall, wo eine Nachfrage besteht, entsteht als Folge ein Angebot. Da ist dann die Kreativbranche gefragt. Jetzt nehmen Sie mal den gesamten Regierungsapparat, der ideenlos vor sich hinwummert, und rechnen Sie das einmal hoch auf die Industrie. Da kommt ganz schön was zusammen.
Spiegel: Mit Verlaub, das klingt sehr gewagt.
Steinmeier: Sie betreiben Piepenkötterei! Wir als SPD flankieren das natürlich mit vielerlei Sekundäraktionen. Wenn in Schleswig-Holstein die SPD die Regierung stellt, haben wir Zusatzkräfte im Norden, die unterstützend einwirken und im Osten haben wir noch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Wir sind auch in Bayern nicht chancenlos, nachdem wir Ludwig Stiegler abgesetzt und Pronold eingesetzt haben. Er stößt dann aus dem Süden zu uns wir nehmen die CDU in die Zange.
Spiegel: Lassen Sie uns kurz diesen Witz erklären: Sie hantieren hier, wenn Sie von Schleswig-Holstein und Bayern sprechen, mit Phantomarmeen und verfallen in Militärjargon. Der Autor, der Ihnen diese Zeilen in den Mund legt, will Sie offensichtlich in die Nähe von Adolf Nazi rücken. Das ist ein stilistisches Mittel der Satire.
Steinmeier: Vollkommen richtig. Ich distanziere mich aber in aller Ausführlichkeit davon. Wo wir aber dabei sind, ich hätte da noch eine lustige Anekdote zur Reform des amerikanischen Gesundheitssystems durch den Präsidenten Obama.
Spiegel: Nur zu!
Steinmeier: Ich habe neulich mit meiner sehr guten Freundin Hillary
Spiegel: …der amerikanischen Aussensministerin…
Steinmeier: Das ist auch so eine Sache, die ich beim Spiegel nie verstehe: Manchmal vervollständigen Sie die Sätze des Gegenübers und als Leser frage ich mich: Machen Sie das live vor Ort, was ja äußerst unhöflich wäre, oder fügen Sie das später zur Verdeutlichung ein? Das wäre legitim.
Spiegel: Das fügen wir später ein, oft auch an völlig unpassenden Stellen. Das ist dem jeweiligen Autor und seiner Überheblichkeit dem Leser gegenüber überlassen. Aber erzählen Sie doch noch die Anekdote zu Ende.
Steinmeier: Ich telefonierte also mit Hillary Clinton und sie sagte mir im Vertrauen, dass das Gesundheitssystem, wie es Obama vorschwebt, nie funktionieren könne. Ich fragte sie, warum denn nicht, und sie antwortete: weil er is’ nicht weiß, haha.
Spiegel: Herr Steinmeier, dieser Witz funktioniert schon im Deutschen äußerst schlecht, weil man das „ist“ wie ein es aussprechen muss, damit eine Pointe entsteht, diese ist außerdem rassistisch, sehr flach und nicht einmal ins Englische übertragbar. Das haben Sie sich doch ausgedacht, das ist so frei erfunden, wie dieses Telefonat mit Frau Clinton, dass sie vor laufender Fernsehkamera geführt haben. Warum benutzen Sie ständig Frau Clinton als Steigbügelhalter und nicht zum Beispiel die FDP?
Steinmeier: Sehen Sie, es ist doch so: Was wollen wir erreichen, und wie können wir es erreichen? Da gibt es zwei Wege: Wir machen es als Regierung oder wir versuchen es als Opposition. Wir wollen es als Regierung machen, da bringt uns die FDP nichts, die sitzt nämlich in der Opposition. So einfach ist das. Was der Westerwelle da gerade treibt, ist Spiekenpökerei.
Spiegel: Sie sehen sich also als nächster Deutscher Bundeskanzler. Wir haben nach wie vor unsere Zweifel.
Müntefering: Unsinn! Steinmeier kann. Ja, wir können! Und jetzt alle!
Hubertus Heil:
Spiegel: Herr Steinmeier, Herr Müntefering, Herr Heil, wo auch immer Sie jetzt herkommen, wir danken Ihnen für das Gespräch. Herr Henkel, Sie bleiben bitte gleich sitzen, der Chef hat noch eine Frage wegen der Überweisung.
Steinmeier: Das ist aber mein Büro.
Spiegel: Herr Steinmeier, Sie verkennen die Realitäten in diesem Land. Glück auf!

Der Block über die Piratenpartei wurde aus Platzgründen herausgestrichen. Wir haben dafür führende Piraten zu uns nach Hause eingeladen, um Stefan Raab zu gucken. Es gibt lecker Salat und Cola Light.

Verfasst von: Sebastian | 24. September 2009

Ein Abwasch: Nazis, Schule, kein Meme

Ganz unten im Text schreibe ich vielleicht noch von dem Missverständnis, dass einige Menschen diesen Yeeah-Irrsinn für ein Meme halten und warum dies nicht stimmt, darüber, also im Mittelteil, hatte ich angedacht, einige Anekdoten aus meinem neu angebrochenen Schulalltag zu erzählen, was mir bei näherer Betrachtung aber ein wenig albern scheint, denn viel zu holen gibt es da nicht, was nicht nach, eben, Schulalltag klingt, und da hat sich in den letzten Jahren nichts geändert. Hauptanliegen ist jedoch heute eingetroffene Wahlkampfwerbung des äußersten rechten Randes in Form eines Din A-1-Vierseiters, der sich „Deutscher Standpunkt“ nennt, in Zeitungsoptik daherkommt und sich auch als Zweimonatszeitung versteht.

Es sei angemerkt, dass die Neue Rechte durchaus kreativ mit ihren begrenzten finanziellen Mitteln umzugehen weiss und in diesem Fall nicht etwa die aktuelle Lage der Nation oder eben der Nichtnation beschimpft, sondern einfach die Restauflage der Ausgabe Nr. 3/Mai 06/38. (2.) Jahrgang in die Haushalte kippt, es ist ja eh der immer gleiche Sermon, der da drinsteht. Jedenfalls längst nicht mehr erreichbar ist der Netzauftritt, und so sehr Witze über lange Internetadressen seit den Neunzigern zu recht passé sind, es muss sein: http://hometown.aol.de/dstandpunkt/index.html. Imperialisten aller Orten, aber von PI lernen, heisst eben siegen lernen.

Inhaltlich mag man sich gar nicht so recht damit befassen, aber da die Hälfte des Käses aus Scans der Stuttgarter Zeitung, Abo-Angeboten und Werbung für Bücher und Militaria besteht, hat man es schnell hinter sich.
Stilistisch bewegt man sich hier zwischen der ersten und zweiten Klasse einer Grundschule. Groß- und Kleinschreibung werden größtenteils berücksichtigt, das Komma ist bekannt.

Am Beispiel des Leitartikels, aber so genau lässt sich das nicht sagen, über die Christliche Kultur betrachten wir uns die Zeitung näher, alle Schreibweisen wie im Original.

Was man heute im Wesentlichen unter Kultur versteht, kam im vor allem, wie gesagt, aus dem Griechischen, lange vor Christus, das Lesen, Schreiben, Philosovieren, große Bauten machen, ein Rechtssystem, etc.

Große Bauten machen, hinter diesem leichtfertig geschriebenen Satz verbirgt sich natürlich eine große sprachliche Kraft, ungefähr die eines begeisterten Kleinkindes: Große Bauten machen! Da!

Sprachliche Verkürzung ist ein Stilmittel der alten Schule, das man so nur noch selten liest:

Aber auch die 10 Gebote sind viel älter als Jesus Christus, kommen von Moses.

Es ist mir leider nicht gelungen, die eigentliche Aussage des Textes zu erfassen, weswegen ich mir kein Urteil bilden mag, es wird abschließend festgestellt, dass wir „evangelische Christen [bleiben], schon wegen der vielen Nachbarvölker“, aber warum jetzt ausgerechnet wegen denen wird nicht weiter ausgeführt.

Im Wissenschaftsteil (unten links auf der Titelseite) wird die Herstellung von Benzin aus Kohle gefordert, eine leider seit dem zweiten Weltkrieg längst vergessene Fertigkeit deutscher Ingenieure, die heute wichtiger wäre denn je, denn: „es könnte dann auch sein, dass die USA diese Länder alle besetzen und das erreichbare Öl alles nach ihrem Land umleiten.“ Und das kann niemand wollen, so wenig wie die Einordnung Görings als Versager, weswegen im Artikel „Göring – der Versager?“ mal richtig aufgeräumt und geradegebogen wird, und zwar schon in der Überschrift! Hier wird noch mal ausklabüstert, wie es denn wäre, wie man das Rad nochmal hätte rumreissen können, hätte man nur auf Göring gehört, oder besser gleich auf den Herausgeber der Zeitung. „Wir hätten deren großen Industrieen im ganzen Land nacheinander bombardieren müssen.“ Wir? Wir!

Eben uswusf. und man möchte dann auch irgendwann Schluss machen, nicht jedoch ohne sich an den wahl- und zusammenhanglos eingestreuten Fotos des alten Herrn Herausgebers zu erfreuen, die ihn mit wirren Haaren neben einem Vogelhaus zeigen („Standpunkt-Herausgeber Pape hilft auch im Garten“) oder in einem Sessel in seinem Altenheimzimmer („Standpunkt-Herausgeber Pape bei einer Diskussion“ – mit wem denn bloß?). Schließen wir also mit den Sportnachrichten:

Nichts gegen die schöne Steffi Graf und diesen großartigen Schweizer Federer, der heute dominiert, aber Ringen gehört zu jedem jungen Mann. Jeder Bub will in seiner Grundschulklasse der beste Ringer sein!

Interessant ist aber, dass es im Fußball bei den Österreichern und auch bei den Ungarn schon lange nicht mehr läuft. Das war vor 50 und 60 Jahren noch ganz anders. Da waren Rapid Wien und Admira noch Begriffe! Und Ungarn zuerst nach dem Krieg! Die spielten ja sogar die Engländer in London an die Wand, die Puskas und Hidekuti etc. und wo sind eigentlich meine Pillen? Erna?

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Ganz anders geht es mir da schon alltags. Nun verhält es sich so, dass ich es „noch einmal wissen“ will und meine bislang nicht wenig verkorkste Karriere durch den Abschluss einer Fachhochschulreife und, wer weiss, ein Studium doch noch einmal etwas Schwung geben möchte. Das lebenslange Lernen ist ein Konzept, dass ich durch das geschickte Ausnutzen der Bildungssysteme in verschiedenen Bundesländern durchaus auszureizen weiss. Es ist jedoch eine einigermaßen erniedrigende Erfahrung, und das sage ich bei aller Arroganz, noch einmal diesen Stoff durchnehmen zu müssen, der mich doch schon vor 10 Jahren langweilte (weswegen ich es vorzog in die Stadt zu gehen o. Ä.) und mir teils lähmende Fragen jüngerer Mitschüler, zum Beispiel die, mit welcher Farbe die Argumentation in einem Satz unterstrichen werden soll, anhören muss. Aber ein Spaß ist es auch! Es gibt wohl neue Musikgattungen, von denen ich nie etwas gehört habe, die in der Regel mit -core enden und die ich jetzt als Plattform nehme für den Einstieg in den Kulturpessimismus, irgendwo muss man ja auch einmal anfangen. Auch ist es toll, mir wieder einen „Bleier“ zu leihen, um „Bio“ machen zu können oder „Geschi“. Man will da gar nicht wieder weg, aber das war ja bislang immer mein Problem.

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Jetzt aber: Memes kommen aus dem Nichts (das war früher meist /b/), verselbständigen sich irgendwie und ziehen ihren ganzen Charme aus einer ungeordneten Kraft, dem sofortigen Wiedererkennen, ohne sich hier auf einen Zeitpunkt beziehen zu können, an dem man „es“ mitbekommen hat (war ja einfach irgendwann da) und vor allem ohne eine strukturiert erarbeitete Arbeit, die es bekannt gemacht hat. Ein- und derselbe Punkt wurde soeben in verschiedenster Darreichungsform wiederholt, eben warum? weil er ein Meme definiert. Und eben nicht einfach die Tatsache, dass da etwas aus dem Internet kommt und bekannt ist. Das ist und bleibt der altmodische Hype. Der anonym getragene Hype wäre hier, soviel Kompromiss muss sein, das forced meme, eine zu verurteilende Angelegenheit, die auch dem „und alle so: yeaah“-Witz jeden, aber auch jeden anfangs innewohnenden Charme raubt. Als Plakatschreiberling jedenfalls, der vielleicht vom obrigkeitsgläubig-inspirierten Herdentier-Aufruf „Die Kanzlerin kommt“ genervt war, wäre ich jetzt ein sehr, sehr trauriger Mensch.

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