Verfasst von: Sebastian | 2. Juli 2009

In dubio pro rofl

Neue Auszüge aus meiner Lieblingssoap Parallelgesellschaft Kommentare. Bisher: Lernen, lernen, nichts als lernen. Alles ist doof, aber bald sind Ferien. Feuerwehr EI, eileen und ihre Freunde verbringen ihre Freizeit auch weiterhin im Kommentarbereich des Fernsehlexikons und erleben viele Abenteuer. Auf einmal tritt kevin auf den Plan und wirbelt unsere muntere Truppe ganz schön durcheinander.

kevin:

wilst du mit mier sex machen

eileen:

nee bestimmt net ie kommse den darauf

kevin:

das hat mein bruder marco geschrieben

Feurwehr EI:

ich hoffte dir ist klar, das das eine strafftat ist, und sie dich deshalb anzeigen könnte, und zwar in volgenden punkten, belestigung, Stocking, evtl. sogar wegen öffentlichem ärgernises.

july:

und feuerwehr ei das war ein guter roman den du da an kevin geschrieben hast

Feuerwehr EI:

ach was, nicht der rede wert.

ist doch alles bloß ein bischen Rechtlich und Juristisch.

du sihst, ich kenn mich da auch ein bischen aus.

Wir können gespannt sein, wie es weitergeht. Wird es eine Anzeige geben? Krallt sich Feuerwehr EI endlich eileen oder was? Muss kevin wirklich ins Gefängnis? Das und vieles mehr in der nächsten Folge von

112 – They made my day!

Verfasst von: Sebastian | 1. Juli 2009

Göttliche Fügung / Twitkrit

Auch nach vier Jahren Stuttgart gelingt es mir nicht, ein Hemd zu kaufen, ohne mich zu verlaufen. Ich stieg eine Haltestelle zu früh aus, am Rathaus, und vergaß, dass ich dort jedesmal die Orientierung verliere. Ich irrte also eine halbe Stunde zu Fuß umher, bis ich den Weg zurück in die Fußgängerzone fand, um mich beim Textilienhändler C&A, der sich vor allem dadurch auszeichnet, seine Kunden weder mit besonders aufdringlicher Mode noch Beratung zu vergrätzen, ein wenig einzudecken.
Erfreute ich mich auf der Rückfahrt noch an der Optik eines Jungen, dessen Normalgesichtigkeit durch den Versuch eines Ziegenbartes konterkariert wurde, platzte mir “im Schaller”, dem letzten verbliebenen Tante-Emma-Laden Stuttgarts, der Kragen, bzw. dem vorausgehend mein Portemonnaie. Das zahlreiche Kleingeld zusammemsammelnd, freute ich mich auf ein wenig Zerstreuung daheim. Das alles spielt für den weiteren Verlauf keine Rolle, ich wollte nur den Jungen mit dem Ziegenbart erwähnt haben. Er war wirklich drollig.

Auf Facebook kennt jeder jeden, außer mir. Meine Gefolgschaft befindet sich samt und sonders auf studivz oder viel eher meinvz, denn geschafft hat es von uns keiner. Ich tippte also spaßeshalber den Namen “Sachse” ein, auf der Suche nach Familienmitgliedern oder sonstigem Amüsemang. Tatsächlich musste ich kurz kichern, als ich eine Kirche fand, die wohl im texanischen Örtchen Sachse liegt, denn sie nennt sich Sachse First United Methodist Church. Eine eigene Kirche zu haben ist etwas feines und so sprudelte es mir auf Twitter nur so hinaus:

twitter01

Ein nicht weiter erwähnenswerter Tweet, vielleicht abgesehen vom Wort Konterevolutionär, welches ich schön finde.
Jedoch, mit Gott treibt man keine Späße. Und so teilte er mir auf zwar gnädige, aber bestimmte Weise mit, dass er mich sieht, und als Prophet schickt er mir die mir liebste aller Bands, nämlich Muse, die sich ironischerweise auf dem Album Absolution durchaus religionskritisch gibt. Denn nur 3 Minuten nach mir machte Schlagzeuger Dominic Howard den gleichen Witz und sendete ihn über den den bandeigenen Account

twitter02

bzw. eben das rangehängte Twitpic:

twitter03

Da will man doch gleich wieder einpacken. Aber ich habe mein Hemd ja noch nicht einmal ausgepackt. Ich brauche es auch erst Sonntag.

Verfasst von: Sebastian | 30. Juni 2009

Schleichende Geographisierung

Oh Schreck! “Terrorismusexperte” Udo Ulfkotte entdeckt “Atlas der Wut”.

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Verfasst von: Sebastian | 27. Juni 2009

Black or white

Welches Bild passt nicht in diese Reihe?

blackorwhite

Verfasst von: Steffi | 24. Juni 2009

Beim Streik letzten Mittwoch

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Zum Glück waren diese vier Frauen durch die Einsatzkräfte eingekesselt, denn wer weiß welche Kräfte sich hinter den so unscheinbar wirkenden, schwarzen Vierecken verbergen.

Vor allem von dem Kind, das so unauffällig in seinem Baggy sitzt – man munkelt sein Name ist AKIRA -, ging eine Energie aus, die nur durch die vereinten Kräfte aller Polizisten im Zaume gehalten werden konnte.

Verfasst von: Sebastian | 23. Juni 2009

Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein

Champagner ist kein sektfreier Schaumwein.

Das Internet könnt’ rechtsfreier kaum sein.

Wir sehen eine Torte und, lechz, hau’n rein.

Kölns nächste Nummer sechs wird nicht Daum sein.

Der Baader-Meinhof-Komplex ist von Augstein.

(Das stimmt nicht, aber Aust würd’ sich kaum reim’)

Verfasst von: Sebastian | 19. Juni 2009

Richtungsstreit

Richtungsstreit

Verfasst von: Sebastian | 15. Juni 2009

Expertenjournalismus auf zeit.de

Harald Martenstein saß neulich bei einem Abendessen einer Autorin gegenüber, die große Artikel schreibt und auch schon mal einen Bestseller verfasst hat. Beide klagten sie über das Luxusproblem, von allen möglichen Seiten ständig als Experte zu Rate gezogen zu werden, obwohl sie es nicht sind. Das stimmt, wie Martenstein nicht nur im gewagten Satz

Von den meisten dieser Themen verstehe ich nicht mehr als du oder ich

äußert, sondern auch sogleich anhand eines Beispiels seiner vielleicht manchmal unsauberen Recherchearbeit aufzeigt.

In England hat sich ein Typ beim Fernsehen beworben, um einen Job als Mechaniker.

Immerhin tappt er nicht in die Taxifahrer-Falle, wie es Dutzende andere Medien taten, dafür ist alles andere falsch.

Er heißt George und ist schwarz.

Nein, er heisst Guy. Immerhin: Er ist schwarz.

In Wirklichkeit erwarteten sie in Studio drei einen Professor, der sich zur Wirtschaftskrise äußern sollte, dieser Professor hieß zufällig ebenfalls George und war zufällig ebenfalls schwarz.

Nein, er hieß ebenfalls Guy, war aber nicht einmal schwarz. Er sollte sich auch nicht zur Wirtschaftskrise äußern (es war schließlich 2006), sondern zu einem Rechtsstreit zwischen Apple und Apple.

Dann fragte eine Blondine ihn nach Hedgefonds, dem Dollarkurs und nach dem tendenziellen Fall der Profitrate.

Was sie natürlich nicht tat, genauso wenig wie George, pardon, Guy, sagte

Der Kapitalismus besitze gute, aber auch schlechte Seiten. Dollar könne man nie genug haben, aber Hedgefonds, na ja, wer’s mag.

was immerhin insofern bemerkenswert ist, als dass sich Martenstein mangels Bock auf Internet nicht einfach nur eine Geschichte, die er irgendwannn einmal aufgeschnappt hat, noch einmal komplett ausdenkt, sondern dem poor Guy auch noch eine Meinung in den Mund legt, die, da selbst ausgedacht, wohl eher die von Martenstein selbst ist, denkt er sich in die Rolle des einfachen Mannes.

Seitdem ist der falsche George in England eine Art Universalexperte, sie nehmen ihn zu allen Themen.

Er hatte in der Folge noch einige Auftritte im Fernsehen, in der Regel in Form eines Sketches oder ein Quizshow. Mittlerweile ist es ruhig geworden um ihn.

Verfasst von: Sebastian | 13. Juni 2009

Kann man sich angucken: Terminator – Salvation

Hätte ich nämlich auf die Kritiken gehört, die allerorten McGs Beitrag zur Terminator-Reihe verrissen haben, hätte ich ihn mir geschenkt. Zum Glück wurde der Film aber unter anderem auch von SpOn (Video) (”Landsermärchen”) und Batzman (”Alles doof”) in eher gebrochenem Deutsch für unwürdig befunden, was ein zuverlässiges Zeichen dafür ist, dass der Film so schlecht nicht sein kann. Während ersteres dem Film eine Überladung an Komplexität attestiert, was anhand einer Nacherzählung des ersten Teils(!) geschieht, ergeht sich der Filmfreund in einer dann doch allzu gewollt rantigen beleidigte-Leberwurst-Attitüdensammlung, als dass man sie für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema gelten lassen kann. Darum also nun der Ausdruck, den ich seit meinem Abrutsch in die Gamemagazin-Leserbriefszene Mitte der 90er nicht mehr verwendet habe: Ich möchte “meinen Senf” dazugeben.

–Spoiler–

t-600-terminator-unitKann Kinder nicht ausstehen: Der T-600

Skynet befindet sich in der übelsten Phase der Pubertät. Die Eltern würde es am liebsten umbringen, es rast entgegen allen Regeln der Straßenverkehrsordnung (auch mangels Straßen) mit dem Motorrad durch die Wüste und probiert sich allgemein viel aus (unter anderem als Transformer und Seeschlange). Es ist ein Glück für den Widerstand der Menschen im Jahr 2018, einige Jahre nach dem von Skynet verursachten nuklearen Holocaust, dass Maschinen letztlich nur so effizient sind, wie ihre Datenbasis es zulässt. Daher sind die Verhältnisse noch längst noch nicht so eindeutig geklärt, wie es laut den Vorgängerteilen einige Jahre später sein wird: die Menschen haben nach wie vor Zugriff auf Teile der Militärinfrastruktur und sind noch recht organisiert (gar global). Für Überlebende und Zuschauer gleichermaßen erfreulich ist ebenso, dass man sich noch nicht auf den nächtlichen Kampf beschränken muss und den offenen Kampf wagen kann. Schauwerte kriegen so ihre Chance. Skynet hat wiederum nur begrenzte Ressourcen, da die schwerindustrielle Herstellung ihrer Maschinerie enorm aufwendig ist (und, nimmt man die TV-Serie The Sarah Connor Chronicles in den Kanon mit auf, durchaus auch schon in unserer Gegenwart verlangsamt wurde). Der Wald-und-Wiesen-Terminator ist das Modell T-600, ein schwerfälliger Klotz, schlag- und schusskräftig, jedoch von großer Trägheit und mit todessternartigen Schwachstellen gehandicapt. Ebenso möchte man ihn nicht in die Kategorie “intelligente Waffensysteme” einordnen (logisch: intelligente Waffen würden zum nächsten KWEA rennen und den Wehrdienst verweigern).
Um seine Defizite hinsichtlich der Kenntnis über menschliche Schwächen abzustellen, hat Skynet nun jedoch das Programm T-800 gestartet. Eine bemerkenswert flinke und dennoch höchst robuste Version, spezialisiert auf Attentätermissionen und Infiltration. Zum Programm gehört es jedoch auch, und hier wird es unangenehm, an menschlichen Gefangenen Versuche durchzuführen, wozu diese erst einmal zusammengetrieben werden.

terminator-salvation-christian-baleWird auch nicht jünger: John Connor

Widerstandsführer und Legende John Connor (Christian Bale, Mensch) kriegt Wind von diesem Projekt und plant den großen Gegenschlag. Seinem Naturell entsprechend legt sich Connor aber zunächst mit “denen da oben” an, welche ihre Kommandozentrale ironischerweise in einem U-Boot errichtet haben. Also beschränkt er sich zunächst auf seine Hauptaufgabe, die moralische Unterstützung der Truppen per Funk, sowie der eigenen geistigen Stärkung durch Tonbänder, die seine Mutter Sarah ihm hinterlassen hat. Nach Auswertung der erbeuteten Daten reift dann so etwas wie ein Plan.
Es bietet sich an, dass die Maschinen scheinbar nicht so autonom agieren, wie es auf dem Schlachtfeld scheint, sondern durchaus untereinander kommunizieren. Mit der richtigen Funkfrequenz ließe sich vielleicht sogar Kontrolle über die Maschinen erlangen…

In LA schlägt sich der junge Widerstandskämpfer Kyle Reese (Anton Yelchin, Gelegenheitsrusse) mit Gelegenheitsattentaten auf die T-600 durch und schleift das, Gott sei’s gedankt, taubstumme Mädchen Star (Jadagrace – einfach nur Jadagrace) mit. Hier begegnet er dem überaus zähen und völlig orientierungslosen Marcus (Sam Worthington, SPD), mit dem er sich auf den Weg zu Connor macht, um sich dem Kampf anzuschließen. Reese wird jedoch von Skynet gefangen genommen und zu ausgerechnet der Basis geschleppt, die der Widerstand zerstören will. Marcus schafft es zur Rebellenbasis, muss jedoch a) feststellen, dass er ein früher Prototyp eines Mensch-Maschinen-Hybriden der Firma Cyberdyne ist (aus der später das Projekt Skynet hervorging) und b), dass die übrigen Menschen darauf garnicht gut können.

terminator_salvationmarcusHat ein Herz für Menschen: Marcus (rechts)

Schon aus purem Selbsterhaltungstrieb, natürlich Nächstenliebe und um es mit den Zeitparadoxen der Vorgänger nicht allzu weit zu treiben, sieht Connor ein, dass er die Menschen in der Skynetbasis inklusive Kyle Reese retten muss, bevor das große Bombardement losgeht, und dass er es ohne Marcus Hilfe nicht schaffen wird. Nachdem beide die Basis infiltrieren konnten, verknüpfen sich die Handlungsstränge und es kommt zur finalen Konfrontation mit einem alten Bekannten…

–Spoiler Ende–

Der Film ist richtig gut. Während viele Kritiker fälschlicherweise davon ausgehen, das zentrale Element der Terminator-Reihe sei das Katz-und Maus-Spiel und die unmittelbare Gefahr, die ständig auf die Protagonisten wirkt, hat McG das Wesen des Films viel besser eingefangen. Hätte man wirklich noch einmal einen Terminator in die Vergangenheit schicken sollen, einfach, weil man an der Vorstellung der “einzelnen, unaufhaltsamen Maschine” festhalten will? Schon in Teil 2 wusste James Cameron, dass die Geschichte “Böse jagt Gut” auserzählt war und schickte die Connors mit Arnie in die Offensive, in der sie Joe Strummers Maxime “The future is unwritten” verinnerlichten und den Spieß umdrehten. Die besten Szenen waren auch im ersten Teil nicht die Actionmomente, sondern jene, in denen Kyle und Sarah diesen gerade entkommen waren. Die Inseln der Ruhe, die sie im Hotel fanden, im Auto oder auch nur in der Kanalisation. Die bedrückende Enge, die dennoch allgegenwärtig ist.
Und eben diese trägt auch hier, wenn auch aus anderen Gründen. Es ist die glaubwürdig eingefangene Vorstellung einer postapokalyptischen Welt, die, ich möchte mich aber nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen, in Sachen Ausleuchtung und generellem Design sehr an Fallout 3 erinnert (wobei ich mir natürlich bewusst bin, dass das Szenario Atomare Zerstörung einer Großstadt viele Sets einfach vorgibt).
Die Szene, in der Marcus unter dem Wüstensand den Highway entdeckt, entfaltet einfach eine große Wirkung und erscheint noch einmal so intensiv, wenn man an die nächtliche Fahrt zu Dr. Dyson im zweiten Teil denkt.

Es wurde dem dritten Teil oft zugute gehalten, dass er wenigstens handfeste Action biete. Dem möchte ich entgegenstellen, dass diese nichts bringt, wenn der Regisseur den inszenatorischen Mut eines ZDF-Vorabendserienmachers hat und diese lahm einfängt. Der Film hatte keine eigenen Ideen, keine Atmosphäre, nicht eine Einstellung, die man vielleicht als “Kniff” bezeichnen könnte, ganz einfach, weil Jonathan Mostow ein visionsloser Handwerker ist, den man deswegen gerne einstellt, weil er mit Budgets umgehen kann. Man muss nicht jede Entscheidung McGs gut finden, aber anerkennen, dass er dem Film “seinen” Stempel aufgedrückt hat und Eier beweist. Auch den zweiten Teil hat ausgezeichnet, dass er gegenüber dem ersten ungeheuer progressiv war. Der dritte versuchte sich, konservativ an das Erfolgsmodell zu klammern und scheiterte genau deswegen. Es wäre natürlich höchstgradig albern zu sagen, dass alleine deswegen der vierte Teil besser ist als der dritte. Ich tue es trotzdem: Alleine deswegen ist der vierte Teil besser als der dritte.

Und ja, natürlich ist hier alles CGI, aber sie ist verdammt gut. Die Terminatoren wirken wie aus einem Guss, bzw. ja eben gerade nicht, sie sind extrem detailliert und bewegen sich absolut glaubhaft. Der halbwegs zerschredderte Marcus sieht hervorragend aus und auch das Modeldesign sämtlicher verspielter Tötungsmaschinen kann sich sehen lassen.

Einen nicht geringen Teil trägt auch der Sound bei, ein Bestandteil, den ich bei Filmen leider viel zu selten zu würdigen weiss. Um so mehr war ich beeindruckt, wie weit die stimmigen düsteren Klänge einen Film beeinflussen können. Sie waren es, warum ich auch den Riesenroboter ernstnehmen konnte, er klang nämlich extrem ernst, und nicht zwingend an einen Transformer denken musste.
Die Musik fällt hier jedoch nicht weiter auf. Danny Elfman spult ein paar Standards ab und sprenkelt nur ganz selten Teile des Terminator-Themes ein. In den richtigen Momenten weiss er jedoch, mit welchen Sounds er Fans glücklich machen kann.

Terminator-Salvation-03
Goes industrial: Kraftwerk

Es ist ganz klar, dass die Schauspieler in dem Film nur eine Nebenrolle spielen. Das Drehbuch gibt ihnen wenige Momente, in denen sie Leistung zeigen können, aber dann tun sie es solide. Auch Christian Bale ist keineswegs so schlecht, wie allerorten kolportiert wird. Er interpretiert John Connor sehr stoisch, was angesichts seiner Vergangenheit nicht ganz unglaubwürdig scheint und jedenfalls weit besser als Nick Stahl im dritten Teil, der in John eine Heulsuse sah, die er schon als 11-jähriger nicht mehr war. (Übrigens: Auch Thomas Dekker macht in der TV-Serie zum Franchise einen ganz hervorragenden Job und ist nicht der Teenie-Schwarm, für den man ihn halten könnte. Er hat sich Edward Furlong genau angesehen und das merkt man.)
Sam Worthington enttäuscht zwar ausgerechnet in seiner Schlüsselszene, hat aber einige sehr schöne Einzelmomente. Die meisten übrigen Schauspieler sind nur Stichwortgeber und entziehen sich mangels Screentime einer fairen Bewertungsgrundlage. Mir fehlt die Phantasie, wie Batzman in Common den coolen Rapper zu sehen, der mit “yiggigen Jive” Machosprüche raushaut, wo er seine kleine Rolle doch wenigstens ernst nimmt und somit näher an Mos Def in 16 Blocks ist als an Chris Tucker in Fifth Element. Vielleicht sollte langsam mal goutiert werden, dass es auch Hollywood mittlerweile schafft, sich vom lustigen Neger-Bild zu lösen und sein Weltbild dementsprechend neu kalibrieren.

Ist die Action trotz manch allzu hektischen Schnitts ingesamt richtig gut und schnell inszeniert, leistet sich auch das Drehbuch eher wenige Schnitzer. Gerade über die Dialoge hätte aber dringend noch mal jemand schauen sollen, der vielleicht auch in der Realität manchmal mit Menschen (und besser auch: Maschinen) spricht. Da haben einige Szenen den Geist von George Lucas geatmet.
Die Zitate an die Vorgänger waren zahlreich und bis auf zwei Ausnahmen, die reingeschrieben wurden, damit auch der plumpeste Journalist einen Satz dazu sagen kann, ehr optischer Natur. Vielleicht einmal zu oft hat man das rote Auge eines Terminator erlöschen sehen, aber die Szene, in der ein T-800 eine Metalltreppe erklimmt ist schon ein nettes Zuckerl für den Film-im-Kino-Erklärer in uns. Die Referenzen an die Vorgänger ziehen diese jedoch nicht gleich mit ins Lächerliche wie die zu Recht sehr oft gescholtene rosa Sonnenbrille. Klar, der Saal hat bei “Ich komme wieder” kurz aufgelacht, aber es war ein einzelner befreiender Moment bevor es dem Finale entgegengeht und keine 90-Minuten Juxorgie wie Teil 3.

Um langsam mal zum Ende zu kommen: Seht ihn euch ruhig an. Es ist kein verschwendetes Geld, man wird vorzüglich unterhalten und gleichzeitig gibt der Film dem Franchise den Ernst zurück, der ihm gebührt. Es gibt genug Schauwerte, dass auch die arme “einfach mal Hirnausschalten”-Fraktion bedient wird, aber auch genug Zwischentöne, auf die man achten kann und zum vollen Genuss auch sollte. Irgendwelche Logikfehlerdiskussionen sind armselig und gehen generell am Thema vorbei, es sei jedoch angemerkt, dass der Film sich nicht in seiner inneren Logik verhakt und durchaus plausibel bleibt. Und dazu gehört selbstverständlich auch, dass die Maschinen Fehler machen. Gerade Maschinen, und gerade in dieser Phase der Entwicklung von Skynet. Um die geht es doch letztendlich.

8/10

Verfasst von: Sebastian | 10. Juni 2009

Berlin

Das letzte mal in Berlin war ich im Sommer 2006 aufgrund einer Einladung der Bundestagsabgeordneten meines Wahlkreises, Ute Kumpf (SPD). Als MdB hat man ein bestimmtes Budget um Gruppen von Politikinteressierten nach Berlin einladen zu können, wo siese ein Programm zur politischen Bildung durchlaufen. Da noch einige Plätze für den viertätigen Ausflug frei waren, wurde unter uns Jusos gefragt, ob noch jemand Lust hätte, und ich stimmte zu.

Neben ca. 15 größtenteils Jugendlichen gab es eben uns 4 “erwachsene” Jusos und aber vor allem eine ebenfalls ca. 15 Mann starke Besatzung einer dörflichen freiwilligen Feuerwehr, welche sich in den 4 Tagen anschickte, möglichst viele Klischees zu erfüllen, die man eben von dörflichen Feuerwehren hat. Während die Jugendlichen tatsächlich an den (allzu) zahlreichen Vorträgen, die uns im Innen-, und Außenministerium sowie in der ehemaligen Stasi-Hauptzentrale gehalten wurden, interessiert waren (eine Leistung, die nicht einmal ich vollbrachte, gerade die einleitenden PR-Filme der Ministerien laden zum Nickerchen ein), erging sich das dauerbesoffene Trüppchen in Witzen über diverse Minderheiten und freute sich, dass ihr Truppführer diesen mehrtägigen Berlin-Urlaub in einem Vier-Sterne-Hotel ermöglicht hatte.

Lowlight der Veranstaltung war dann ein geplanter Dialog mit einem SPD-Referenten im Willy-Brandt-Haus, dem wir eine halbe Stunde schweigend gegenüber saßen, bis wir gemeinsam entschieden, dass das wohl nichts mehr wird. Ein anschließender Besuch im Reichstag und eine Führung hinter die Kulissen, zum Beispiel in den SPD-Fraktionsraum oder auch in den Presseraum, der tatsächlich noch viel größer ist, als er im Fernsehen wirkt (gerade die “blaue Wand” ist sehr groß), rundeten die Sache fast ab.

Inoffiziell gab es aber doch noch etwas, denn wir SPD-Mitglieder hatten abends noch ein paar exklusivere Einblicke. Ute Kumpf führte uns in ihr mit allerlei von ihrem Mann erstellter Kunst behangenes Büro, in dem es einen Haufen aufregender Dinge gab, zum Beispiel einen Computer und gleich mehrere Stühle. An dieser Stelle wollte ich einen Link zu der Szene setzen, in der Bart Simpsons Klasse durch eine Kartonagefabrik geführt wird, statt dessen gibt es ein Video eines Messestandes einer Kartonagefabrik, was mindestens genau so toll ist.

Für einen Lacher sorgte Ute Kumpfs Antwort auf die Frage, ob wir denn tatsächlich um diese späte Zeit noch durch den Empfangsraum des Paul-Löbe-Hauses (dort, wo feierliche Anlässe begangen werden, ein aus Steuerzahlersicht sehr bedenklicher Protzbau) spazieren dürften. Sie winkte ab und sagte, das sei in Ordnung, zu Weihnachten spendiere sie der Wachmannschaft immer eine Flasche Wein und sie könne sehr gut mit ihnen. Sprach’s und wurde mitsamt uns als Gefolge eher bestimmt als höflich aus dem Gebäude komplimentiert.

Abends hieß es auch für uns “Bier Marsch” und wir verbrachten einige Zeit am Pressestrand, ein Ort, dessen Name verwirrt, es gab nämlich weder Presse noch einen Strand. Was es gab waren Strandkörbe und eine Menge Sand. Das Komplementärgut, das zum vollständigen Strand führt, nämlich Wasser, fehlte naturgemäß. (An dieser Stelle erinnere ich gerne noch einmal an das Beachvolleyballturnier, das die Hansestadt Lübeck einst ausführte – nämlich in der Innenstadt, in der zu diesem Zweck extra tonnenweise Sand aufgeschüttet wurde, statt am nur wenige Kilometer entfernten: Strand!). Ich fühlte mich, wie überhaupt die ganze Zeit über, ein wenig Fehl am Platz. Es gelang mir nicht, einen Dialog mit irgendjemanden aufzubauen und um dem kleinen Stehtisch versammelte sich um Ute Kumpf die Nachwuchsgeneration zum Smalltalk. Ich setzte mich irgendwo in den Sand und trank statt Bier eine Flasche Beck’s. Ich glaube, hier fasste ich den Entschluss, das Experiment “Politik” bleiben zu lassen und ließ mich hinterher auch seltener bei Versammlungen blicken, bis das Interesse ganz einschlief.

Und nun sackte die SPD in der Stuttgarter Gemeinderatswahl nochmals ein und überraschend wurden die Grünen, Stuttgart 21 sei’s gedankt, stärkste Fraktion. Das erste Mal seit damals hörte ich wieder etwas von Ute Kumpf, die sich als schlechte Verliererin gab.

Als sich Werner Wölfle, der Chef und Vordenker der Stuttgarter Grünen, am Wahlabend der kleinen Gruppe konsternierter Sozialdemokraten näherte, um wie ein fairer Sportsmann den Unterlegenen die Hand zu reichen und ihnen damit symbolisch eine bessere Zusammenarbeit anzubieten – da rastete Ute Kumpf, die Frontfrau der Stuttgarter SPD im Bundestag, regelrecht aus: “Absahner, Absahner!” rief sie Wölfle verbittert entgegen. So laut, dass es ringsumher alle hörten. Die frühere Kreischefin und geschlagene OB-Kandidatin von 2006 konnte ihren Frust nicht verbergen. Ihre Nerven lagen blank. Werner Wölfle wandte sich brüsk ab und rief böse zurück: “Mit dieser Reaktion hatte ich gerechnet!” Das Tischtuch zwischen der SPD und den Grünen bleibt zerschnitten. Die gebeutelte SPD entlarvt sich als schlechter Verlierer.

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