Verzettelt’s Traum

13 05 2008

Sebastian

Manchmal, so alle paar Stunden, packt mich die Lust, den nächsten großen Gegenwartsroman zu schreiben. So weit, so gewöhnlich, denn diesen Wunsch verspürt wahrscheinlich jeder Blogger, und jeder von euch hat auch schon das “erste Kapitel” in der Schublade, welches in einer langen, heissen Sommernacht geschrieben wurde und auch wirklich gut ist, aber wie es eben so ist, keine Zeit, keine Lust, sich wirklich reinzuknien, ihr wisst es ja selber.
Dieser Wunsch, der sich da so oft abzeichnet, ist meist die Frucht dieses einen Satzes, der einem im Bus einfällt, von dem man denkt, DAS wäre aber jetzt mal ein toller erster Satz für einen Roman, und um ihn spinnt sich schon wage eine Geschichte von epischen Ausmaßen, aber ehe man ihn sich notiert hat, ist er auch schon wieder weg, und statt beim Buch ist man gedanklich schon viel weiter, nämlich zum Beispiel bei der nächsten Mahlzeit oder diesem witzigen youtube-Video mit den Körperzellen auf dem Eso-Trip.
Und so verliert sich dieses unfassbar große Human Creative Capital, weil eigentlich keiner WIRKLICH einen Roman schreiben will, sondern jeder will mal einen Roman GESCHRIEBEN HABEN, denn er ist ein Zeugnis einer tatsächlich erbrachten, langfristen Leistung, welches man sogar in der Hand halten kann, es zeugt auch von Intellekt, bringt manchmal Geld, mindestens aber Ruhm und je nach Verlag kriegt man sogar ein schönes schwarz-weiss-Foto spendiert.

Es ist ja auch toll, da lese ich seit Monaten das schöne Blog von Volker Strübing und *zack* steckt mir mein Quasi-Schwiegervater dessen Buch “Das Paradies am Rande der Stadt” zu und sagt, das solle ich mal lesen, man erreicht einfach auch ganz andere Menschen als diese ewig mittzwanzigeren Popkulturlangeweiler.

Aber weil man sich der Arbeit bewusst ist, die so ein Roman mit sich bringen würde, schiebt man es dann doch vor sich her, kann sich nicht aufraffen, wirklich loszulegen. Okay, man hat sich schonmal yWriter installiert, weil man sich so einreden kann, jetzt eigentlich schon den halben Roman fertig zu haben, aber es fällt schwer, die erste Seite vollzukriegen, und da man mindestens 600 Seiten schreiben möchte, kriegt man so ein prokrastinatorisches Gefühl, was gleich doppelt zum Kotzen ist, einmal an sich, und weil das Wort Prokrastination aufgrund des inflationären Gebrauchs inzwischen schlimmer konnotiert ist als der Begriff Gutmensch.

Und trotzdem träume ich zur Zeit einmal wieder vor mich hin, wie es wäre, wenn… Komme aber im Moment nicht über die Phase hinaus, zu erdenken, was ich alles nicht schreiben möchte, zum Beispiel Popliteratur mit möglichst vielen Bandnamen oder anderen Wiedererkennungs-Verlockungen, die über mangelnde Substanz hinwegtäuschen sollen. Benjamin von Kürthy-Illies, ich schaue in Deine Richtung.

(Weil ich den Namen Kürthy grade nochmal googlen musste:

Die Heldinnen in Kürthys Romanen “Mondscheintarif’”, “Herzsprung”, “Freizeichen”, “Blaue Wunder” und “Höhenrausch” sind moderne junge Frauen, die selbstironisch ihre eigenen Schwächen und die Malheurs im Umgang mit Männern schildern. [Wikipedia]

Ahahahaha *kotz* Sowas meine ich nämlich.)

Jetzt wollte ich schon auf Tommy Jaud rumhacken, habe mich aber eines besseren besonnen (ohoh, Stilblüte, ich weiss, dass das falsch ist, aber nicht warum), weil: das habe ich ja an anderer Stelle bereits getan. Jedenfalls, so “witzigen” Kram schreibe ich ja sehr gerne, aber ich bin mir bewusst, dass ich selber auch höchst selten über schlechtes Kalauerniveau hinauskomme, ich könnte vor Scham gar nicht schlafen, wenn ich so ein Buch wie “Vollidiot” abliefern würde.

Andere Genrelitaratur interessiert mich ebensowenig, SciFi mag ich gerne, aber schreiben? Nein, danke. Irgendwelche Tentakelsexstories from outer space mit dem blonden Helden “Jimmy Gunnstar” überlasse ich den Kellerkindern (ohoh… Unwort des Jahres, ick hör Dir trappsen) und anspruchsvolle Literatur aus dem Gebiet ist mir zu…. anspruchsvoll (ihr seht, was ich meine, keine Fantasie der Junge). Krimis sind auch langweilig, Fantasyromane sind doch alles Nazipornos und Sachbücher kann ich auch nicht schreiben, weil ich von keiner Sache Ahnung habe.

Aber kann das sein? Dass jemand gerne ein Buch schreiben würde, aber nur weiss, worüber er alles nicht schreiben mag? Ist das dann nicht der beste Beweis dafür, dass auch ich letztendlich einer von denen bin, die nicht den Drang verspüren, wirklich zu schreiben, sondern einen Roman als Selbstzweck sehen? Ja, nein, ich mein, jein.

Denn auch wenn mir keine Geschichte einfallen will, so grob habe ich natürlich schon eine Vorstellung. Es wäre nichts hochtrabendes, eine eher “bodenständige” Geschichte, aus dem Leben gegriffen, aber eben nicht ab-gegriffen und auf den Wiedererkennungswert reduziert. Eine Mischung aus Buckowski und Regener schwäbe(?) (???) (!!1) mir vor, ein Populärmusik aus Vittula auf deutsch (nicht vom Titel täuschen lassen, es geht eben NICHT nur eine Aneinanderreihung von Bands), Stichwort: Opa Sebastian erzählt.
Nur liegt hier das Problem, dass solche Bücher einer älteren Generation vorbehalten sind. Hackordnung:

- Historienschinken und Naziromane: alte Männer und Frauen
- Kulturpessimistische Kritik, Agenda-Setting mit schlechten Metaphern und midlifekriselnde Jugenderinnerungen: Männer zwischen 33 und 49
- “Afrikaromane”, Selbstironisches, hoppla-da-bin-ich-Literatur: Frauen zwischen 27 und 39
- “lustige” Bücher, Selbsterfahrung, Common Sense-Awareness, Sätze mit viel zu vielen Adjektiven (schreiben wie man spricht!) und klugscheisserischem Unterton: ab 19.

Da hänge ich mit 27 also noch fest und muss im Grunde 6 Jahre warten, bis man mich ernst nehmen würde. Am Ende bin also ich gar nicht schuld, sondern alle anderen. Eine eindrucksvolle Beweisführung, danke. Nichtsdestotrotz werde ich wahrscheinlich einfach mal anfangen. Denn schon jetzt merke ich, dass ich viel lahmer schreibe als mit 19, welches ich, wahrscheinlich ziemlich verklärend, als meinen literarsichen Zenit ansehe. Der Stern ist schon am sinken, wenn das so weiter geht, werde ich in 2 Jahren nicht einmal mehr bloggen sondern völlig von der Bildfläche verschwunden sein. Überlegt mal, alle eure Väter haben einst mit 23 auf ihrer Schreibmaschine angefangen, ein Buch zu schreiben, und heute? Da sitzen sie mit Schmerbauch und Sonnenbrand im Schrebergarten. Das ist unausweislich. Also lieber beeilen. Ich werde 100 Word-Seiten seichte Paranoia über die Gesellschaft von mir geben, weil keiner Ahnung hat außer mir, aber das Werk niemals an Verlage schicken. Stattdessen werde ich es als .pdf zum Download stellen und mich als Journalist und Autor bezeichnen.

Ja, so mache ich es. Ans Werk!




The hills have eyes

12 05 2008

Sebastian

No shit:

[Via AVGN]




Alles PrOno?

8 05 2008

Sebastian

Neulich hörte ich das Argument, dass ein Freund sich nur deswegen nicht als Sexist sieht, weil er einer “bürgerlichen Defintion” von Sexismus folgen und sich so aus der Affäre ziehen würde. Es folgte ein klassischer Schlagabtausch, der Begriff “Gestapo-Ausweis” fiel, linkslinkrotgrünfaschistischschwurbeligdutschkeske (Achtung! Das war nicht ernstgemeint, ich halte PI-Vokabular aber für zu astreine Realsatire, als dass ich sie ungenutzt lassen möchte) Ausrücke wie “Definitionsmacht” und “Prägung” sowieso, und irgendwann wurde es mir zu absurd.

Denn was ist Sexismus? Wikipedia legt vor und liefert gleich mehrere Interpretationen und, haha, Stoßrichtungen der Forschung. Wirklich weit hilft mir das aber nicht, wenn ich Sexismus verstehen will (zumal hier eher auf die historischen Hintergründe des Begriffs eingegangen wird). Zu uninteressiert, mich sachlich und intensiv mit der Thematik und weiteren Quellen auseinanderzusetzen, ziehe ich mich auf den Standpunkt zurück, dass Sexismus eine sehr subjektive Angelegenheit ist, die sich nicht an kalten, oder nur wenigen Fakten, messen lässt und lebe mit meiner persönlichen Defintion.

Und zunächst ist es mir ein Bedürfnis, den Begriff “bürgerliche Defintion von Sexismus” zu zerpflücken. Soweit ich das feststelle, ist die mir fremde, konservativ eingestellte Welt “Bürgertum” zwar vorne dabei, meine Vorstellung von Sexismus zu praktizieren, verschließt sich aber vor der Beschäftigung mit ihr und trägt wenig zur Diskussion bei. Da zu behaupten, es gibt eine “bürgerliche Definition” von Sexismus, die darüberhinaus auch noch vorherrschend ist, halte ich für absurd. Soweit ich das verfolgt habe, ist diese Wissenschaft ein eher “linkes” Metier (andererseits halte ich BILD-Bunny Schwarzer für ziemlich konservativ und festgefahren in ihrer Meinung - wobei meine Meinung über sie auch ziemlich festgefahren ist, seit sie in einem Emma-Editorial, dass ich zufällig mal gelesen habe, die Abu Ghraib-Folterein Jessica Lynch als das eigentliche Opfer der ganzen Geschichte ansah, da ihre Fotos (sie in Uniform mit halbnackten Folteropfern) pornografisierend seien *kotz*).

Tatsächlich halte ich nicht einmal Pornografie für sexistisch, bzw. greift dieser Vorwurf in dieser Absolutheit zu kurz. Nehmen wir als Ausgangssituation ein Bild einer nackten Frau. Ich finde das erst einmal sehr banal. Eine Frau zeigt ihre sexuellen Reize, worauf der Mann geil wird. Ein nachvollziehbarer Vorgang, der meiner Meinung nach nicht sehr viel Spielraum zur sexistischen Interpretation bietet. Die Tatsache, dass sich eine Frau nackt zeigt, um einen Mann zu erregen (oder, mein Gott, halt andersrum), ist wahrscheinlich eine der ältesten und primitivsten Vorgänge, die die Natur hervorgebracht hat und ist nicht einmal kulturell bedingt, in der Tierwelt funktioniert das genau so gut. Ich wage die Behauptung, dass sich sogar Extremfeministinnen, die Spaß an Sex haben, zu eben diesem dazu hinreissen lassen, sich nackig zu machen. Die Interpretationen, dass wenn in Pornos die Frau unten liegt oder die Beine breit macht, dies einfach nur eine Machtstellung symbolisieren soll, halte ich, mit Verlaub für hoffnungslos überinterpretiert und der Tatsache geschuldet, dass die wissenschaftlichen Mitarbeiter bei diesen Untersuchungen ja irgendetwas vorzeigen müssen um ihren Job zu behalten. Dass hier Dinge wissenschaftlich angegangen werden sollen, die so banal sind, dass eine wissenschaftliche Auseinandersetzung eher, naja, “süß” wirkt, oder passender, bekloppt.

[Ein Gedankengang, der mir kam, der vielleicht doch etwas gewagt, mindestens aber schwer zu erklären und missverständlich ist: Letztendlich ist das Leugnen seines Körpers in der Überzeugung, dass es "so etwas wie Geschlechter nicht gibt" (Zitat), sexistisch, da hier von entgegenkommender Richtung der Mensch als sexuelles Wesen komplett geleugnet wird. Hier werden Mann wie Frau gleichermaßen unterdrückt. Spricht man bei Sexismus von einer Pressung des Menschen in geschlechtsspezifische Normen, ist die Forderung, diese komplett zu ignorieren, meiner Meinung nach auf der sexuellen Ebene auch nicht das Gelbe vom Ei - long story short: Ja, mein Gott, Frauen haben Titten, und ja, ich finde das geil.]

“In 1000 Jahren gibt es keine Männer und Frauen mehr, nur noch Wichser. Und ich finde das super.” (Renton, Trainspotting)

Für diese Vorstellung zum Beispiel wäre ich viel zu romantisch. Ich fände das wirklich doof, wenn es nur noch Wichser gäbe, das wäre wieder so eine graue Gleichmachung, wo ich doch ein großer Freund der Diversivität bin. Daher halte ich es eher mit der japanischen Weisheit:

“So verschieden, und doch gleich.” (Mr. Myagi zu Daniel-San und seiner Freundin, Karate Kid)

Und jetzt kommt der Kontext, der oft, aber eben nicht immer, Pornografie sexistisch werden lässt und sich meiner persönlichen Definition annähert. Der erfolgt auf zwei Ebenen: In der BILD wird eben eine nackte Frau auf Seite 1 gezeigt. So weit, so banal. Das ist nicht das Schlimme. Das Schlimme ist der Text, der dann daneben steht: “Huch! Da hat Cindy (23) wohl vergessen, sich was anzuziehen. So ein Dummerle, aber die Männer freuen sich. Und das freut auch Cindy, hihi.” Und in diesen Sätzen, meine Freunde, steckt meine Definition von Sexismus. Es ist nicht die banale Körperlichkeit der Frau oder des Mannes, die ich nicht nur akzeptiere sondern mir wünsche, es ist nicht das mal das ignorieren der Persönlichkeit, die beim Abbilden einer nackten Person erfolgt (denn beim Sex denke ich tatsächlich selten über die Persönlichkeit nach), es ist sogar die aktive und aggressive Degradierung eben dieser. Finde ich bei einem Porno oder softeren Versionen einen Persönlichkeitswert von >=0 in Ordnung, so wird dieser Wert durch den Kontext, in dem er gezeigt wird, zum Beispiel durch Dummchen-Dialoge auf einen Wert <0 gebracht. Wobei, das muss man sagen, es natürlich beidergeschlechtlich Dummchen gibt und diese selbstverständlich eine Persönlichkeit haben. Aber es ist nicht zu leugnen, dass hier ein allgemeingültiges Bild gezeigt werden soll, dass Dummchen besonders willig sind. Dumm fickt gut, etc. Frauen können in diesen Machwerken nur dann sexuell interessant sein, wenn sie ein wenig dumm und naiv sind. Ich kann sagen, ich habe in meinem Leben schon den ein oder anderen Porno gesehen - am interessantesten waren aber dann doch die, die Menschen einfach beim Sex zeigen, vorzugsweise wenn man ihnen den Spaß dabei ansieht, lachen, etc. Langweilig hingegen die, die mit hilflosen Frauen bei der Reifenpanne beginnen, die sich dankbar zeigen, weil der Mann ihnen zeigen kann, wo der Schraubschlüssel hängt (oder in denen es besonders lieblos zur Sache geht).

Ich sprach von 2 Ebenen, in der Sexismus auch in der Pornographie entsteht. Die erste war die, die Sexismus beim Zuschauer erzeugen kann, in dem die Akteure nicht einfach Sex haben, sondern “dumm” gehalten werden, um Spaß an Sex haben zu können. Die zweite ist die konkret schlimmere, die Entstehung der Pornos. Ich bin nicht in der Szene drin, kann nicht viel dazu sagen. Aber es ist offensichtlich schon so, dass es sehr viele Frauen gibt, die im Grunde nicht in diesen Filmen mitspielen wollen, sondern sich gezwungen sehen, oder noch schlimmer, gezwungen werden. Das ist natürlich Sexismus pur, bei dem sich dann auch sämtliche Späßchen verbieten. Hier findet eine sexuelle Erniedrigung der Darstellerin nicht nur im Kopf des Zusehers statt (was, wie gesagt nicht meine Vorstellung von einem guten Porno ist), sondern ganz konkret und für die Frau “erfahrbar”. Die Ursachen, warum Männer glauben, Frauen in dieses Gewerbe drängen zu können, sind dann denke ich tatsächlich kulturell bedingt und haben etwas mit einem mangelndem Aufklärungsgrad zu tun. Ich kann dazu wie gesagt, wenig schreiben und möchte es auch garnicht.

[Ein schönes Beispiel, dass der Mensch nicht perfekt ist und Sexismus wahrscheinlich in so ziemlich allen Menschen verankert ist, ist die Tatsache, dass mir ungewollt der Satz durch den Kopf schoss, dass ich mir ja nur Pornos von freilaufenden Hühnern ansehe - siehste, so schnell steckt man drin in der Falle.]

Abschließend zum Thema Pornographie kann ich aber nur festhalten, dass ich absolute Aussagen wie die, dass Pornographie grundsätzlich böse ist, nicht teilen kann, da diese im besten Fall einfach Menschen zeigt, die Spaß miteinander haben, von Menschen gemacht, die Spaß dabei haben, für Menschen, die auch mal Spaß haben wollen. Und dass die Rolle Frau im Besonderen in diesen Filmen tatsächlich meist darin besteht, ihre sexuellen Reize zu offenbaren, halte ich erst einmal wertfrei für einfach natürlich und naturbedingt.

Der eigentliche Sexismus, der uns alltäglich begegnet (und auf den ich eigentlich hinaus wollte), ist meiner Meinung nach perfider: Er koppelt nicht den Geist vom Körper der Frau, sondern bindet ihn um so fester, degradiert ihn aber als minderwertig. Das Beispiel BILD-Zeitung wurde oben schon gebracht (Dummchen), ist aber auch sonst erfahrbar. Die Klassiker sind eigentlich alle durchdiskutiert und weitere Kommentare erübrigen sich im Grunde (Karrierechancen, Eva Herman, Frau an den Herd, etc.). Es gibt also Menschen beiderlei Geschlechts, die einen ursächlichen Zusammenhang sehen zwischen dem Sein der Frau als solches und ihrer Fähigkeit, Dinge zu vollbringen, und noch schlimmer, die Pflicht, dies zu tun. Und ihr regt euch über Pornos auf…

Mit Diskutanten, die Frauen in einer bestimmten Rolle sehen, habe ich schon garkeine Lust mehr zu reden, da, je nach Gläubigkeit, nur die beiden Argumente “Gottes Wille” oder “natürliche Fügung, schon in der Höhle blabla” vorgetragen werden. Da ist die Kultur als solche einfach schon weiter, als dass man sich auf Höhlenmenschen berufen könnte, um Frauen auf ihren Platz zu verweisen. Mit der gleichen Argumentation könnte man auch das Lagerfeuer als Hauptwärmequelle einführen. Es mag für manche eine romantische Vorstellung sein, aber wenn man ein wenig zu weit weg sitzt, friert man schon wieder.

Unter dem Strich stehe ich also da wie ein müslimampfender Birkenstockfeminist, aber das genau ist der Punkt, auf den, ne Quatsch, über den ich hinaus wollte: Das die Menschen einfach mal den Stock aus ihren Ärschen ziehen, wenn es um das Thema Sexualität (hihi, *handvordenmundhalt*) geht und alles ein bisschen lockerer sehen. Dass Pornos eigentlich ganz okay sein können, und dass Frauen nicht dumm tun/sein müssen, um guten Sex zu haben. Dass sie aber auch nicht randalieren brauchen, wenn Männer es wagen, bei Frauen ans Ficken zu denken und nicht an gemeinsame Zukunft. Dass es zwar viele Schmierlappen auf der Welt gibt, aber dass Radikalisierung beiderseits letztendlich hinderlich ist. Dass Feminismus und Antifeminismus (bezogen auf den sexuellen Bereich) Schwachsinn sind, weil wir doch zueinander gehören, nicht gegeneinander. Dass…. dass…

dass wir uns einfach mal alle umarmen *kuschel*




Quatsch mit Knete

5 05 2008

Sebastian

(Gut versteckte Archive mit alten Fotos sind eine Freude)

Vor einer kleinen Ewigkeit hatten wir in Biologie eine Referendarin, die uns erwachsenen Menschen jede Stunde mit merkwürdigen Spielen, die sie als angehende Lehrerin für pädagogsich sinnvoll erachtet hat, die zahlreichen Wunder der Natur näher bringen wollte. Irgendein Seilspringen und Ball zuwerfen als intelligente Metapher auf den Zitronensozialis-, ne, Nationalzirkus, ne, Zitronensäurezyklus, lustige Stecktechnik für Moleküle und gerne auch mal Knete. Als ob wir kleine Kinder wären. Pah! Obwohl…




Faszination Kurzfilm

3 05 2008

Steffi

Früher bin ich ab und an in ARTE hängen geblieben, wenn sie grad einen Kurzfilm gesendet haben. Da waren sehr schöne dabei. Einer ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben, woraufhin ich mich auch für das kurz danach angekündigte Filmfestival in Stuttgart interessiert habe.
Da wurde dann aber nichts draus, und im Jahr danach auch nicht und im Jahr nach diesem Jahr auch nicht…

HA, aber dieses Jahr!

Vorhin waren wir auf dem Schlossplatz und haben auf einer OpenAirKinoleindwand einem kurzen Programm gelauscht, das leider zu einem großen Teil aus Vorfilmen bestand. Zwei kleine, sehr kleine Kurzfilme zwecks Eigenwerbung für das Filmfestival gab es noch, und dann zwei längere Kurzfilme, von denen eigentlich nur der eine richtig gut war.

- Dieser eine dafür dann aber richtig.
Da hat sich das ganze Hinundhergefahre auf jeden Fall gelohnt. Und auch der nasskalte Hintern, weil wir als einzige auf der Wiese keine Decke dabei hatten. Und auch die schlechte Sicht, weil wir zu spät waren einen der Plätze auf den Bänken zu bekommen…

…Aber jetzt endlich wieder der Sprung zurück in den lustigen Ideenpool Kurzfilm. An manchen Stellen war das Filmchen vielleicht etwas zu lang, so dass ich, als Zuschauer, fast abgeschwiffen wäre. Insgesamt aber war er extrem gut.
Es gab über den ganzen Zeitraum keine wirklichen Geräusche, zumindest keine bewussten Lautbildungen. Das macht es manchmal schwer bei der Stange zu bleiben, auf der anderen Seite ist es ein geniales Stilmittel, das einem auf die Bedeutung von etwas aufmerksam macht, auf das man sonst nicht kommt - so lange man halt nicht abschweift mit seinen Gedanken!

Aber jetzt ist auch mal gut mit Gelaber.
Wer sich für den Kurzfilm interessiert, kann die Bildfolge des Films, die hier in Bildern folgt, anhand der Bilder verfolgen.
Wer sich nicht für den Kurzfilm interessiert, drückt auf das kleine x oben rechts. Dann allerdings fliegt alles in die Luft. Also überlege es dir gut, lieber Leser…

Wuhaha

Wer jetzt noch Fragen hat, der kommentiere eifrig;…




Mittagspause

3 05 2008

Sebastian

Der Kunde fuhr in einem dicken Porsche vor und und stieg aus. Vokuhila, Schnurri, Goldkettchen, komplett stonewashed und dicke Gürtelschnalle. Er kam auf mich zu und hielt mir sein iPhone so dicht vor’s Gesicht, dass ich mich fühlte wie in Tron.

Ich hab’ mal ne Frage. Ich habe davon noch ein zweites zu Hause,

(an dieser Stelle klang ein “ALSO LUTSCH MIR MEINEN SCHWANZ, LOSER” eindeutig mit)

das ist mir runtergefallen, da ist jetzt ein Riss vorne drin. Könnt ihr das reparieren?

Ich sah mir das gute Stück näher an, nickte verständnisvoll, aber musste die Frage dann doch verneinen. Enttäuscht verließ er unser Geschäft, eine AUTOGLASEREI, wieder. Andererseits hätte ich gerne mal die Pumpe aufs iPhone gesetzt und dieses mit Kunstharz befüllt. Wäre sicher interessant.




Warum ich jetzt doch Twitter nutze

28 04 2008

Sebastian

Ich muss die Saiten meines Wäscheständers neu stimmen, das hängt alles wieder total schief.

Weil dieser Satz für einen Blogeintrag doch ein wenig lahm ist, aber irgendwie doch raus muss.




Scheiße war´s

27 04 2008

Steffi

Seit 1000 Jahren war ich auf keinem Konzert mehr. Nun ist Nayra aus Peru wiederkehrt und kaum ist sie da, ergbit es sich. Voller Freude bin ich mit ihr, ihrem Kumpel Oli und noch wem mir bis dahin Unbekanntem nach Sindelfingen reingefahren.
Die Band hieß Esso und sagte mir gar nichts, im Jugendhaus Süd bin ich davor auch noch nie gewesen, aber mit bin ich dann trotzdem, einfach nur, weil ich gern mal wieder bei einem Konzert dabei sein wollte.

Als wir dort waren, spielte recht lange erst mal niemand, dann eine Vorgruppe und dann war´s auch schon wieder rum für mich. Kaum standen wir in dem kleinen stickigen Raum, in dem vorne die erste Band spielte, ging mir auch schon die Luft irgendwie weg.
Ich bin dann trotzdem vor mich kloppen gegangen, doch merkte ich, dass meine Sinne nicht mitmachten. Die schalteten einfach ab und so stand ich plötzlich zwischen den anderen, die auch kloppen wollten, ohne zu spüren wer eigentlich was macht. Ohne Möglichkeit wirklich zu reagieren flog ich dann durch den Raum und zog mich lieber zurück.

Bei der Getränketheke angekommen, forderte ich Wasser. Die Frau guckte komisch und beratschlagte sich erst mal mit der anderen - ich war wohl der erste seit anno duback, der Wasser wollte. Wahrscheinlich haben sie gar nicht wirklich welches da.

…Aber egal ob Wasser oder nicht, meine Hände begannen zu zittern und meine Sinne wollten auch nicht mehr so recht. Da fragte ich Oli lieber, ob er mich kurz heimfahren kann, was er auch sofort getan hat. Die Aussage “Ich habe Eplilepsie, ich fühle nicht gut, bring mich bitte heim” ist in so einem Fall auch unausweichlich überzeugend.

Blöd gelaufen, würde ich sagen. Ist nur gut, dass ich´s vor der Hauptband gesagt habe, so schrottete ich den Abend der anderen nicht.
Ich hätte nie gedacht, dass es so einen Unterschied für mich macht wo ein Konzert statt findet. Hier aber war der Raum dermaßen klein und eng und stickig und das Licht und die vielen Leute und…

Ach egal.




Machu Picchu

26 04 2008

Sebastian

Die liebe Nayra ist zurück. 8 Monate Südamerikaufenthalt, die sie fast durch den ganzen Kontinent geführt haben. Der eigentliche Aufenthalt in einem Heim für behinderte Kinder im peruanischen Cuzco, “abenteuermäßig” selbst schon meilenweit entfernt von diesen industrialisierten Backpackertouren in Australien, war dann tatsächlich nur die Startrampe für einen Selbsterfahrungstrip der spannendsten Sorte, währendessen wir monatelang nichts mehr hörten und dann doch langsam Sorgen machten.

War dann aber tatsächlich alles sehr plötzlich - “ach ja, ich komm übermorgen nach Hause” - und die Freude groß.
Man könnte jetzt noch viel schreiben, dass wir uns ihren Geschichten und fantastischen Fotos auch deswegen wortlos ergeben haben, weil wir nichts vergleichbares entgegenzusetzen hatten. Aber man kann sich ja auch einfach mal ohne Selbstbezug freuen.




Wir passen so gut zusammen…

23 04 2008

Sebastian

Bei den Sims gilt unsere Charakterkombination als cheating.