Auf Schalke, wenn ich das schon höre

Ich habe vorhin das erste mal einen Blogeintrag eines Pur-Fans gelesen. Noch so eine Verschwörungstheorie, die sich in Luft auflöst.

Bislang dachte ich nämlich immer, dass das alles nur ein großes, abgekartertes Spiel irgendwelcher grauen Funktionäre ist, die… ja was eigentlich? Keine Ahnung, mir fällt kein Grund ein, sich etwas wie Pur auszudenken. Aber das erschien mir irgendwie realistischer als die tatsächliche Existenz von Pur. Es scheint diese Band aber zu geben. Damit sind wohl auch all die Fans echt, die ganze Stadien (STADIEN) füllen, um “dem Hartmut” dabei zuzusehen, wie er sich glückselig auf die Knie fallen und sich von den Massen bejubeln lässt.

Zwischenruf: “Ja, aber Sebastian, der widerlichste Live-Augenblick ist ja wohl der, in dem sich MMW in seinem Stück Freiheit am Ende ans Publikum wendet und sagt “Bitte nehmt das, was hier heute abend passiert ist, mit nach Hause”, oder?”

Das ist schon richtig, aber im Grunde ist es die gleiche Kategorie. Stadionrock! Nein, schlimmer, Deutscher Stadion”rock”! Wenn es Mama und Papa mal so richtig krachen lassen! Dann groovt “der Hartmut” Richtung Regenschirme und Sitzkissen, dass die Luft brennt. Da wackelt der Bankkaufmann auch schon mal mit dem Fuß, während der Kohlekumpel sein mit einer Deutschlandflagge geschminktes Töchterschen (mit sch) auf den Schultern trägt. Mutti macht was? Klar, Wunderkerzen in die Luft halten, denn PUR singen noch Lieder, aus dem Leben gegriffen. Die lassen sich nicht verbiegen, die sind einfach “echt”. Jupp aus Köln findet sie “authentisch”, “ne, Nico?”

Das Wort Pathos wurde vor ungefähr 5000 Jahren von einem Griechen erfunden, und zwar, während er in einem Colosseum stand, in dem grade die Spielgruppe Pyros mit dem Sänger Hartulous Engeleropos auftrat. Gnagnagna (<<< ich schreibe mich in Rage, ich muss runterkommen).

Ich merke grade, dass Band und Publikum eine viel zu große Angriffsfläche bieten und ich garnicht weiss, worüber ich als nächstes schreiben soll. Über die überprofessionalisierte, aalglatte Performance, bei der es schon längst nicht mehr um irgendeine Message geht, die Leute, die das alles schlucken (ich meine, PUR!), meine Intoleranz, die ja von irgendwo kommen muss (haha), … and so on.

PUR!!!

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20 Antworten zu Auf Schalke, wenn ich das schon höre

  1. MuGo schreibt:

    Der widerlichste Livemoment ist, wenn MMW in seiner Liveversion von Freiheit ruft: “Komt, meine Süßen, kommt!”

    Das klingt wie eine schlechte Verarschung vom Wizard of Oz (obwohl ich den nie gesehen habe und die Story nur aus amerikanischen Zeichentrickfilmen kenne)…

  2. Sebastian schreibt:

    Ja, fies ist auch “sollen tanzen, auch auf Gräbern, SO WIE IHR ALLE HIER”. Da fragt man sich, war das Konzert auf einem Friedhof?

  3. MuGo schreibt:

    Wir können uns ja darauf einigen, dass Freiheit im Ganzen ein absoluter Tiefpunkt der Livealbengeschichte ist.

  4. Lucky#Slevin schreibt:

    Ich sage: RAMMSTEIN..

  5. rollinger schreibt:

    Da gebe ich Ihnen gerne Recht, aber die Liste wäre fortzusetzen mit Bands die man nicht nennen darf.
    Was ist mit U2? Pink Floyd die ihren Namen an VW verkauften.
    Rammstein..hm die machen das so exzessiv das es schon wieder Programm ist, wenn in den USA die schon keiner versteht. Feuer und Explosionen kapieren die dort schon.

  6. Sebastian schreibt:

    Mit U2, bzw. mit Bono habe ich mich hier ja schon einmal befasst. Zu Pink Floyd kann ich ehrlich gesagt nicht viel sagen, aber dass sie schon in einem leeren Stadion gespielt haben ist dann doch cool.

    Rammstein, naja, als Engel rauskam fand ich das auch noch irgendwie cool, ist halt Einstiegsmukke für “harte” Kids.

  7. MuGo schreibt:

    Och, ich finde einige Rammstein-Sachen ganz nett. Aber das die Amis die Texte teilweise nicht raffen, finde ich schon arg seltsam – bei dem martialischen Auftreten und den Videos und Bühnenshows müsste doch jedem klar sein, dass sie nicht über Ferien auf dem Ponyhof singen…

  8. Sebastian schreibt:

    Zutrauen würde ich es ihnen, nur würden die Ponies halt verbrannt werden.

  9. konna schreibt:

    “sollen tanzen, auch auf Gräbern, SO WIE IHR ALLE HIER”

    Da muss ich einhaken, das stimmt nicht, in der Version, die immer gespielt wird, heißt es “Alle die von Freiheit träumen, sollen das Feiern nicht versäumen SO WIE WIR HEUTE ABEND HIER!”

    Also ganz so schlimm ist es nun nicht. ;)

  10. dome schreibt:

    Ja, PUR gibt es wirklich ;)

    Sei froh, dass du in der Landeshauptstadt sitzt. Kannst auch gerne in das beschauliche Bietigheim-Bissingen kommen, da kannst “dem Hartmut” beim Einkaufen zugucken.

    Grüße

    dome

  11. Sebastian schreibt:

    Ich passe ;-)

    (konna hat recht – der red.)

  12. Sebastian schreibt:

    Den Begriff “der hartmut” habe ich übrigens aus einem Bericht im Musikexpress, in dem der deutsche Botschafter in irgendeinem Land vor ich glaube Blumentopf (während ihrer Goethe-Institut-Tour) damit posen wollte, dass er ja auch “den Hartmut” von Pur kennt. Da lag ich echt am Boden.

  13. MuGo schreibt:

    Ich glaube, dass war die Tour von Erdmöbel, wenn ich mich Recht entsinne. Ich kann’s leider nicht nachvollziehen, weil ich meine MEs derzeit eingelagert habe – ca. 400 km nordwestlich von hier.

  14. Sebastian schreibt:

    Das kann gut sein, der einzige ME, den ich aufgehoben habe, ist der mit meinem Leserbrief ;-)

  15. MuGo schreibt:

    So, was hast du denn geschrieben? Mir hat mal das Gehirn geantwortet und jetzt weiß ich, wer Martin Luther Lennon ist!

  16. Sebastian schreibt:

    Ich hab den grade eingescannt, aber wegen dem Layout erstreckt sich der Brief auf 3 Spalten, ich wollte jetzt nicht rumbasteln, bis man alles lesen kann, sieht so aus:

    http://www.flickr.com/photos/10970741@N03/1377836434/

    Aber ich habe den ja noch als Datei. Ganz so würde ich den heute nicht mehr schreiben, aber ist ja mit allen alten Texten so, irgendwann findet man sie nicht mehr gut:

    ME April 2005:

    Betr.: Leserbrief „Oral zugeführte Musik“ von Edgar Fischer, Ausgabe März 05

    Na, dieses Thema sollte dann wohl doch endlich mal durchgekaut werden. Was ich meine ist dieser Kampf Technik vs. Emotion. Wenn nämlich jemand sagt, er mache seit 25 Jahren Musik, damit sei er kompetent genug zu sagen, die Libertines sind ganz großer Mist, dann ist seine Marschvorgabe wohl klar: Geiles tapping, Mann! Aber das ist doch alles ganz großer Quatsch, wie Herr Lehmann sagen würde. Letztlich ist das Beherrschen seines Instruments doch nur Mittel zum Zweck. Wer das Können auf seinem Instrument als reinen Selbstzweck sieht, sollte sich vielleicht den Fachzeitschriften wie Guitar oder „Schöner produzieren“ zuwenden. Meinetwegen auch den Metalzeitschriften, die stehen da auch drauf glaube ich. Der gemeine Musikexpress-Leser hört wohl lieber ein hingerotztes „Can’t stand me now“, wo sich ein Junkie mal so richtig auskotzt, seinem Frust freien Lauf lässt, oder ihn wieder einzufangen versucht (wo der wohl grade steckt?), als irgend ein am Reissbrett ausgetüftelte, wenn auch verdammt gut gespielte Frickelorgie von Eric Clapton oder wat weiss ich. Ist wohl aber letztlich alles Geschmacksache. Aber wem sag ich das? Das weiss ein Vollblutmusiker ja *hihi*

    Sebastian Sachse, Lübeck

  17. rollinger schreibt:

    Da fällt mir ein, ein Freund von mirwar mit “dem Hartmut” auffer Schule. Die ganze Schule war genervt weil bei jedem Schulfest spielte dann PUR und die Lehrerinnen wurden feucht im Schritt und die Schüler hatten Ohrenkrebs.
    Für Ramstein war ich zu alt, ich hörte dafür 15 Jahre zuvor “Laibach” das war ähnlich aber schlauer.
    Ramstein? Meine Exfrau kennt die persönlich noch aus Ostzeiten. Brave Familienväter, sonst nix.

  18. MuGo schreibt:

    Wie geil ist das denn! Ich kann mich sogar noch an diesen Leserbrief erinnern, weil dieser Edgar Fischer mich tierisch angekotzt hat, schon allein, weil er so altklug geschwafelt hat und dann “oral” falsch benutzt hat. Wie lustig.

    Und ja, Recht hast du!

  19. Sebastian schreibt:

    Haha, ist ja echt geil :-) Ach, Edgar Fischer… Was der wohl jetzt macht. Hat bestimmt nen Blog.

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