Ich hatte schon immer ein sicheres Gespür für modische Fehltritte. Also ich war sicher darin, mich scheisse anzuziehen. Irgendwann kam dann die Einsicht, dass das wohl ich bin.
- Als Kind fand ich Peter Wankman (???) Venkman aus der Real Ghostbusters-Serie so richtig cool. Und er trug auch geile (Cartoon-)Klamotten, wenn er seine Uniform mal nicht trug. So bisschen Don Johnson-Style, so mit offenem Hemd und darunter bunte T-Shirts. So habe ich mich dann natürlich auch angezogen, aber ich bin nicht Peter Wankman, man wankt höchstens seinen Peter, und schon garnicht war ich Don Johnson. Ich war ein kleiner Junge mit einem blöden Hemd aus einem undefinierbarem Stoff und einem T-Shirt darunter mit einem Zug drauf.
- Mit 10 hatte ich keine Ahnung, wer die Böhsen Onkelz waren, aber das Gesicht, dass sie damals als Logo hatten, fand ich irre, also trug ich kleiner Junge dauernd ein Böhse Onkelz T-Shirt und erntete eher ungläubige Blicke, denn ihr Ruf war damals noch mieser als heute.
- Als ich 13 war, war MC Hammers „Karriere“ schon mindestens 2 Jahre vorbei, mit ihm ging die selbst bei Schwarzen nur modische Randerscheinung des Zick-Zack-Haarschnitts. Nicht jedoch für mich, denn was Ende der 80er cool war, konnte Anfang der 90er nicht übel sein, oder? Doch. Unter meinen vielen, vielen Spitznamen war Calimero der wohl gerechtfertigste.
- Eine meiner hässlichsten Jacken wurde von einem Punk-Kumpel mit den Worten „irgendwie ravig“ kommentiert, was ich cool fand, denn Rave war der heisse scheiss und alle hörten wir Techno. Nur hat diese Jacke irgendwie silber abgefärbt und wahrscheinlich habe ich auch Krebs wegen ihr, aber das weiss ich noch nicht.
- Die Jahre gingen ins Land und ich wurde so etwas wie Punk, also nach meiner eigenen Definition. Mit 16/17 wurde ich dermaßen von Trainspotting geflasht, dass ich mir auch so einen London-Look aneignen wollte. Dresscodes kannte ich überhaupt nicht, also gleich mal in den nächsten Skinhead-Laden und eine Lonsdale-Jacke gekauft.
Nachdem ich wusste, wer solche Jacken anzieht, habe ich mir in der Folgezeit eine Spitzenargumentation zugelegt, warum ich die jetzt trage. So von wegen „Wir dürfen Nazis nicht das Feld der Mode überlassen, ich bin Künstler und ich möchte durch das Tragen der Jacke darauf aufmerksam machen, dass sich Menschen nicht durch ihre Kleidung definieren!!!11″
- So in der Art habe ich mich ca. ein dutzend mal erklärt, bevor mir das selber zu dumm wurde und ich nach einer Normalphase auf kurze, bunte Samuraihemden mit langen weissen Hemden darunter umgestiegen bin. Ultimate Versatile Layer Style Kamikaze! Dazu tiefschwarz gefärbte Haare, was überhaupt nicht mit meiner blassweissen Haut harmonieren wollte. Bzw. es hätte geil ausgesehen, wenn ich Goth oder Pre-Emo gewesen wäre. Aber in Tateinheit mit bunten Hemden war ich eher die Karikatur einer Mangafigur. DIE KARIKATUR EINER MANGAFIGUR!!
- Ich bin nicht direkt dick, aber hautenge Klamotten sehen an mir doch eher unvorteilhaft aus. Was mir aber scheissegal ist, wenn der Clash-Pullover arg eingelaufen ist in der Maschine. Den hatte ich günstig von eBay, der wird jetzt getragen. Passend zum grünen Pulli, dessen Ärmel diese Bezeichnung schon garnicht mehr richtig verdienten natürlich ein rotes SPD-Gummiarmreif-Teil.
Viel schlimmer als diese kleinen Highlights sind aber die Zeiten dazwischen. Die Zeiten, in denen ich irgendwie so ganz normal rumrenne. So richtig mit Pullovern vom C&A.
Wird Zeit für einen neuen Style. Ich habe jetzt schon wieder Angst davor.
Bilder
Ich bin auch nicht wirklich gut im Klamottenaussuchen. Es geht, aber super ist es auch nicht wirklich…
Peter Venkman.
Aber Wankman ist lustiger. Gut, es unterminiert ein wenig diesen melancholischen Unterton, den ich reinbringen wollte. Ich verbessere das mal, vielen dank.
Geiler Text btw.
Für so eine modische Langweilerin wie mich ist dieser Text eine Offenbarung…
ich weiß ja nicht wie es bei euch Männern aussieht.. ob da noch normale Sachen hergestellt werden.. aber bei der Mode der Frau.. haha kannste vergessen. Endwerder man passt sich dem scheiß an und läuft rum wien spast oder man kann sich was anderes ausdenken.
Also bleib lieber bei deinem style, alles andere kostet viel geld und nerven^^
Es gibt nur zwei Sachen, die mich wirklich schon anhaltend imemr mal wieder alle paar Gedankengänge an meinem Leben nerven: Das man essen muss und das man Kleidung tragen muss. Also ich mag esssen und ich laufe auch gerne in kuschelig waremn Klamotten rum, aber ich möchte mir einfach keine Gedanken darum machen. Und es nervt mich einfach immer wieder das selbe zu essen und das selbe anzuziehen. Und bei den günstigen Sachen (Essen wie Klamotten) ist imemr irgendwas zuviel. Fertigessen ist einfach zu „gewürzt“, billige Klamotten haben immer irgendein Element zu viel. Immer. Denn wenn es etwas günstiges gibt, das gut ist, kauft es jeder und es wird teurer. Ja, das ist Marktwirtschaft!
Es gab ja mal so’n Socken-Abo. Einmal pro Monat hat da man da ein paar neue Socken zugeschickt bekommen. Ideal wär’s doch, wenn’s das auch für den Rest an Anziehsachen gäbe. Alle zwei Monate mal Maß von sich selber nehmen, per E-Mail oder Webformular abschicken und die moderne, aber dezente, saisonal angepasste Kleidung wird frei Haus geliefert – gegen einen Unkostenbeitrag von, lass es 100 Euroletten im Monat sein. Hach, das wär traumhaft…
*ROFL!* Danke für diese Beschreibung! Ich fühle mit dir – ehrlich. Mir ging’s Zeit meines Lebens auch nicht besser. Meine interessanteste Modephase hatte ich so um 1993 herum. Ein bunter Irokese auf dem Kopf, eine schwarze Bomberjacke und hautenge malträtierte Stretch-Jeans. Alle – Punks, Nazis, Alternative, Gays, .. – haben mich irritiert betrachtet.