Verfasst von: causa prima | 1. Dezember 2007

Drei Besonderheiten und ein Todesfall

Manmanman, wie war ich doch nur vor ein paar Jahren noch anders! Ich habe heute, aufgrund der bevorstehenden Feierlichkeiten (Geburtstag vom Vater, Weihnachten) bei denen hier bei uns zuhause die ganze Famile (also so 30, 40 Mann) zusammenkommt, das alljährliche Aufräumen gestartet.

Ich räume wirklich sehr selten auf, meist ebend nur zu dieser Zeit, dann dafür aber richtig. Ich sauge auch kaum Staub und wische das Zeug auch nicht weg, Spinnenweben liebe ich sowieso. Mich stört ein wenig Chaos nicht. Es nimmt ja nicht mehr so wie früher überhand, die Unordnung beschränkt sich auf die Ablageflächen Tisch und Schreibtisch. Im Gegenteil: Unordnung ist für mich ein Teil der Gemütlichkeit, sterile Räume wie in den ganzen Möbelkatalogen finde ich abstoßend. Ich stelle also jedes Jahr auf’s neue einen Ordnungszustand her, der trotzdem noch nach Unordnung aussieht. Es steht nicht alles in Reih und Glied, Zettel und Alltagsgegenstände lasse ich bewusst einfach liegen, da ich sie sowieso jeden Tag brauche.

Heute gab es aber  drei Besonderheiten, die sonst nicht da waren.  Die erste: Irgendwann vor ein paar Monaten nahm ich einen penetranten Geruch wahr, es stank gewaltig und wollte auch nicht aufhören. Ich vermutete, dass die Maus, die mich schon seit ein paar Wochen nervte und die einfach nicht in die aufgestellte Falle gehen wollte, schlussendlich irgendwo hinter der Heizungsrohrverkleidung verreckt war und anfing zu verwesen. Geschieht dem Mistviech recht.

Mäuse haben wir eigentlich jedes Jahr, und jedes mal ist es das selbe Spiel: Die Viecher krabbeln in der Decke und hinter der Wand, an die ich mich gerade lehne, und machen dort einen unausstehlichen Lärm, gerade, wenn man selbst ruhig ist – was meistens dann der Fall ist, wenn man schlafen will. Ab und zu kommt auch eine Maus aus ihrem Versteck und läuft an der Wand entlang unter meinem Bett durch zum nächsten Versteck.

Die Maus, von der ich rede, lief allerdings auch auf der gegenüberliegenden Seite meines Zimmers an der Tür vorbei, hinter die dort stehende Wäschetruhe (gutes DDR-Stück). Aber was sollte dieses selbst für Mäuseverhältnisse extrem hyperaktive und somit noch nervigere Viech da hinten? In der Wäschetruhe kann sie kein Nest bauen, die wird ja andauernd geleert. Der Rästel Lösung: Diese Maus hat auf dem an die Wäschetruhe angrenzendem Tisch zwischen meinem alten Receiver, einer Papschachtel mit 18 leeren Filmdosen, noch so einer Papschatel mit der mir Fotos zugeschickt wurden und den Sachen, die auf eben diese drei Dinger aufbauten einen Aufenthaltsraum besessen. Dumm für diese Maus nur, dass ich mit im April einen A/V-Receiver (Yamaha RX-V659) gekauft habe, dessen 6-sprachiges Handbuch pro Sprache 114 Seiten hat. Ich muss wohl irgendwann in dem Ding geschmöckert und es dann da raufgeknallt haben, so dass dieses nervige Nagetier, die sich gerade am alten Satellitenreceiver vergnügte (sah mir irgendwie nach Geschlechtsverkehr mit der Antennenbuchse aus) einen Genickbruch erlitten hat.

Ich freue mich zumindestens, dass ich die Geruchsquelle gefunden & entfernt habe. Das war übrigends nicht die erste Maus, die in diesem Zimmer von mir heimtückisch ermordet wurde: Vor ein paar Jahren (damals musste ich mich noch nicht bei jedem Türrahmen ducken) schlief ich, ein Mausgetier in Nähe des Bettes rumwuseln hörend, ein. Als ich dann am nächsten Morgen von der Morgentoilette wiederkam und auf mein Kopfkissen schaute lag dort eine Maus, plattgelegen. Ich mein: Wie dumm muss man als Maus sein? Die eine wird beim Sex mit der Antennenbuchse erschlagen, die andere ist sogar zu langsam um einem sich im Schlaf Drehenden auszuweichen!

Die zweite Besonderheit: Auf meinen Ablagefächen haben sich im letzen Jahr so dermaßen viele Dokumente , die man nicht wegschmeißen sollte, angesammelt, dass  mir zum ersten mal so wirklich bewusst wurde, dass mein Leben sich, obwohl ich noch zuhause wohne, doch ziemlich verändert hat. Und mein Bewusstsein. Schule ist ebend doch etwas ganz anderes gewesen.

Das führt mich zur dritten Besonderheit: Ich habe ja schon gestern Abend sehr viele Momente aus meiner Kindheit rekapituliert, als ich eine Soundtracks von alten Atari-Spielen gehört habe (ich höre jetzt schon seit 12 Stunden durchgängig die selben 6 nichtmal-3-Minuten-langen Lieder vom Lotus-III-Soundtrack an und sie werden einfach nicht langweilig wenn man sie nur nebenbei hört). Heute habe ich mich dann nach Jahren dazu aufgerafft meine Schränke mal aus- und aufzuräumen. Dabei bin ich dann auf meine Sammlung mit Erinnerungsstücken gestoßen. Ich habe nur ein paar Fotos von einer Geburtstagsfeier eines Kumpels, bei der ich 8 wahr, und ein paar Grundschul-Wandertags-Bilder, also so insgesamt vielleicht 10 Stück. Der Rest ergiebt sich aus Dokumenten von Orten, an denen ich mal wahr, Konzertkarten, Rock-Am-Ring-Utensilien. Briefe aus dem Unterricht, ein paar Liebesbriefe und zwei angefangen Tagebüchern (eines mit zwei Einträgen, das andere mit viel mehr Einträgen, aber auch abgebrochen weil mich der Monolog genervt hat). Ein paar Postkarten, Geburtstagskarten (dabei ein Heftchen von einer damals guten Freundin, in dem mal ein Joint “für schelchte Zeiten” geklebt haben muss. Oh man, ich weiß garnicht, wann ich das letze mal gekifft habe! Ich hab’ das aber nie ernsthaft gemacht).

Oh man, das ganze Zeug hat soviel Erinnerungen geweckt. Und mich daran erinnert, wie ich früher einmal war. Ich schäme mich nicht dafür, für nichts, schließlich hat das alles zu dem geführt, was ich heute bin. Und ändern kann man es auch nicht mehr, auch wenn man sich selbst ebend so nicht mag. Aber es ist schön sich anhand dieser ganzen Anhaltspunkte sein Leben wieder zusammenzupuzzeln und zu schaun, was wozu geführt hat und wie die Dinge damals passiert sind. Manch einer würde etwas anders machen, wenn er nochmal die Chance hätte. Bei mir gäbe es da für andere Leute viele Ansatzpunkte, die sie ändern würden. Für mich nicht. Ich bereuhe nichts, ich würde wohl alles nochmal so machen, denn ich hätte die Sachen, die ich vielleicht gerne verändert sehen würde, garnicht anders machen können. Es ist alles meiner Persönlichkeit nach passiert.

Ich bin mir nur bei einer Sache nicht ganz sicher, warum es damals so passiert ist, ich kann heute nichtmehr sagen, warum ich mich so entschieden habe. Es gab für mich nämlich ein einziges Mal die Wahl zwischen zwei Mädchen. Mit beiden war ich noch nicht zusammen, mit beiden aber auf gutem Weg dahin. Mit der Ersten schon seit einer Weile, mit der Zweiten erst eine kürzere Zeit lang. Ich habe mich für die Zweite entschieden, kann aber nichtmehr sagen, was der Ausschlaggeber war. Mit ihr war ich dann einen Monat zusammen, habe sie aber nie so richtig geliebt und ihr damit wohl leider ziemlich Weh getan. Das erste Mädchen ist kurz darauf mit einem anderen für eine ganze Weile zusammen gewesen, hat sich dann alles verlaufen, auch weil ich mich unglaublich in eine andere verguckt hatte, es hat dann sogar bis nach dem Abitur gedauert bis ich die aus dem Kopf hatte. Das ganze passierte bei meinem ersten durchlaufen der 11. Klassenstufe. ist jetzt also 5 Jahre her, irgendwann zwischendurch bei einem Essen mit Freunden sprach mich die Erste irgendwie darauf an und hat mir gesagt, dass ich damals ja die Wahl zwischen ihr und der Anderen hatte. Das war mir bis dahin garnicht so wirklich richtig bewusst. Ich meine, ich habe es schon gewusst, aber erst in diesem Moment, als sie mit mir darüber erzählt hat, ist es mir nochmal so richtig bewusst geworden.

Und seit dem denke ich auch immer mal wieder darüber nach und komme zu keiner Lösung. Und jedes Mal denke ich auch, dass die Erste die richtige Wahl gewesen währe und mein Leben damit wieder eine andere Wendung genommen hätte. Mit ihr hätte ich warscheinlich eine viel längere, bessere, richtige Beziehung gehabt; genau das, was ich zu dem Zeitpunkt auf Grund vorhergehender Ereignisse komplett abgeschrieben hatte und nach der “Beziehung” mit der Zweiten auch weiterhin bis letztes Jahr glaubte. Ich wurde nach der “Beziehung” noch in mich gekehrter als ich es ohnehin schon war, habe es die ganzen Jahre nicht mal geschafft mich mal wirklich mit der, in die ich mich danach bis zum Abitur verguckt hatte, zu reden. Auch heute fällt mir so eine Kontaktaufnahme noch sehr schwer.

Aber man kann so eine Entscheidung nicht dafür verantworlich machen denke ich. Ich wahr davor auch nicht viel anders. Aber wenn es anders gewesen währe, dann hätte ich vielleicht wenigstens wieder die Hoffnung gehabt, die ich erst mit Beginn dieses Jahres wiedergefunden habe.


Antworten

  1. Diese ganzen Mädchengeschichten sind schon unheimlich schwierig. Ich habe so mit 17/18 in der Schule meine beste Freundin aus Kindheitstagen wiedergetroffen. Aber ich war so perplex ob ihrer Schönheit, dass ich mich nichtmal getraut habe, sie anzusprechen. Dabei hat sie mich erkannt und sich sogar neben mich gestellt und mich angeschaut mit diesem “Du bist doch…”-Blick, aber ich blieb stumm. Noch Jahre später habe ich mich da tierisch geärgert, aber dann habe ich ja Steffie getroffen und alles kam dann doch noch besser.

    Also letztendlich lässt sich sowas nicht in “gute Entscheidung” und “schlechte Entscheidung” einordnen. Irgendwie funktioniert das Wertesystem bei Frauen nicht ^^

    Hm, aber mal was anderes: So ein zusätzlicher Absatz hier und da erhöht zumindest meinen Lesegenuss ungemein…

  2. Lieber Heinz. Ich lese deine Artikel gern und habe dies auch hier gemacht. Aber nach den Mäusen war Schluss, denn ohne Absätze und Strukturierung lese ich den Rest nicht.

    Bitte, optimier den Artikel.

  3. Eigentlich hätte ich das jetzt aus Protest fast nicht gemacht. Für mich haben die Sachen so zusammengehört, denn in der Weise wurden sie auch gedacht. Und die Übergänge waren fließend ind den ungetrennten Abschnitten. Da sollten keine Pausen zwischen gemacht werden, das passt nicht so zu mir und der Art wie ich denke und das dann auch aufschreibe. Und wenn ich solche Texte (auch von anderen) lese, dann markiere ich mir immer nach und nach die schon gelesenen Zeilen mit der Maus, da ist mit dann auch die Struktur egal. Das sei nur nochmal gesagt, denn das ist nicht “The way it’s meant to be read”.

    Ergänzung: Mein Bruder wird Vater, ich also Onkel. Das hat natürlich gleich die alten Themen in der Gesprächsrunde aufgeworfen, wie wir wohl damals als Kinder waren. Ich habe lange nicht mehr so viel über mich und meine Geschwister erzählt bekommen. Und ich habe auch wieder mal gemerkt, dass ich auch gerne Vater werden würde, auch schon mit 21 und ohne Ausbildung und gesicherten Arbeitsplatz. Ist das normal? Aber was ist das schon und was interessiert mich auch sowas wie die Frage, ob es normal ist.

    Von wegen normal: Meine Tante hat mir eröffnet, dass sie, die ebenfals jüngste der Familie ist, ebenfals bei Ratschlägen überhört wird und ihre Meinung bei Entscheidungen garnicht Berücksichtigt wird. Also nicht in ihrer Familie, sondern bei ihren Eltern und Geschwistern. Und dass das schon immer so war und wohl auch immer so bleiben wird.

  4. Aber Absätze sind doch eine reine Formatierungskiste. Natürlich hast Du die nie gedacht, niemand denkt in Absätzen, sondern im Fluss.
    Absätze sind reine Serviceleistungen für den Leser, die leere Zeile dazwischen muss man nicht als Gedankensprung interpretieren sondern nur als das, was sie sind: Eine Verbesserungsmaßnahme zur Lesbarkeit. Von daher mach Dir keine Sorgen über eine “Verfälschung” dessen, was Du denkst. Sind sie doch garnicht.

  5. Also für mich ist das zumindestens so. Ich mache gedanklich immer eine Pause bei Absätzen, viel länger als bei Semikola. Das mache ich eigentlch nur, wenn ich nach einem Absatz auf ein neues Thema oder eine längere neue Betrachtungsweise kommen möchte. Bei Texten wie diesen passiert das aber nicht so sehr, die fließen einfach.

    Also ich verstehe schon, dass es sich “besser” ließt, aber für mich fühlt es sich einfach unangenehm an den Text jetzt zu lesen. Ich denke da bei diesem Text auch sehr egoistisch, da ist ja auch kein”populistischer” Text wie meine anderen sind.


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