Das Vorwort hat Prof. Dr. phil. Rita Süssmuth, Kuratorium der Ronald McDonald Kinderhilfe:
Hallo liebe Kinder, meine Damen und Herren.
Immer mehr Jugendliche, und sogar schon Kinder(!), werden heute von vermeintlichen Freunden dazu gedrängt, Killerspiele zu spielen, Killerspiele, hören Sie!? Gemeinsam mit der Bundesfamilienministerin, die als Schirmherrin der Aktion “Keine Macht der Freiheit” den Film “Komikstars gegen Killerspiele” unterstützt, möchte ich euch deshalb aufrufen: Hände weg von Killerspielen! Lernt wie Kevin, in entscheidenden Momenten Nein! zu sagen, aber auch nur dann, wenn eure Eltern was sagen, Lehrer, sonstige Respektspersonen oder markenüberladene Imagefilme unter dem Vorwand eines wichtigen Anliegens, dann wie gehabt Jawohl! Denn am besten seid ihr immer noch ohne Drogen, ich meine Killerspiele, Drogen waren gestern das Problem. Deshalb im Ernstfall einfach Nein! sagen.
Die Sonne geht auf in einer deutschen Vorortsiedlung, die idyllischer kaum sein könnte: Kein Dreck auf den Straßen, die Hecken sind ordentlich geschnitten und Falschparker werden erschossen. Im großen Einfamilienhaus der Familie Rufangst erwacht das Leben in Form der sich öffnenden Tür zum Zimmer der kleinen Conny. Eine Hand greift zum Sparschwein auf ihrem Tisch und nimmt es mit. Was passiert hier? Diebstahl?
Auf dem Spielzimmerboden liegt ein Comic der Schlümpfe, das sich, wie von Zauberhand, von alleine aufschlägt. Papa Schlumpf tritt gähnend aus seinem Haus und blickt starr vor Schreck in die Wirklichkeit: “Eieiei, Connys Sparschwein ist weg! Schnell Freunde, Conny ist bestohlen worden, wir müssen sie aufwecken!” Kraft ihrer guten und herzenslieben Phantasie oder so springen sie aus ihrem Comic, was nicht unbemerkt bleibt: Auch Alf hüpft aus einem Bild auf Connys Nachtschrank, Gott weiss, warum Conny ein Bild von Alf auf ihrem Nachtschrank stehen hat, gerade im Jahre 2009, wenn’s wenigstens in Pog-Form wäre, aber nicht einmal Pog wird sie noch kennen, kennt überhaupt noch jemand Pog? Sogar Garfield macht sich Sorgen um Connys Sparschwein, aber aufgrund des Garfield ohne Garfield-Memes wird er hier keine Rolle mehr spielen, was gut so ist, denn er wäre zuständig für Dutzende unfassbar unkomische Lasagne-Witze, aber eine wundervolle Allegorie auf einen Überwachungsstaat ist das, wenn sich ein Detail in einem Zimmer verändert und alles sofort zu Leben erwacht, um dem auf den Grund zu gehen, nun gut, weiter: Die Chipmunks, in der CGI-Version aus dem Jahr 2007 stoßen hinzu und gemeinsam schaffen sie es, auf Connys Kermitwecker zu drücken, was ist dieses Kind eigentlich für ein Merchandise-Opfer?, und sie so zu wecken.
“Mein Sparschwein! Mein Sparschwein ist weg!”
Gemeinsam finden sie heraus, wer dahinter steckt: Kevin, Connys älterer Bruder, dick, verpickelt und stets World of Warcraft T-Shirt tragend. “Warum hast Du mein Sparschwein geklaut?” – “Ich habe es nicht geklaut, ich habe es gerettet! Sieh dich doch um. Überall Phantasiefiguren, die zu Leben erwachen, das gleiche wäre deinem Sparschwein auch passiert, am Ende in dem Augenblick, in dem Du es zertrümmerst, und das wäre sehr hässlich geworden.” – “Oh… und ich dachte, Du wolltest Dir von dem Geld Computerspiele kaufen.” – “LOL? Kein Mensch kauft sich Computerspiele, die zieh ich mir.” – “Aber… ist das nicht verboten?” – “Ja, aber das ist hier nicht das Thema, das kommt erst im nächsten Indoktrinationsfilm der Industrie, hier geht es um Werte ^^” – “Ach so, und was ziehst Du Dir hier?” – “Im Moment Call of Duty: Modern Warfare 2, hier guck mal:
Conny? Conny, warum bist Du denn so blass?” – “D… D… Daaaaddyyyy!”
Nachdem Conny heulend aus dem stickigen Zimmer mit zugezogenen Vorhängen gerannt ist, bleiben nur Kevin und die Comic”stars” zurück. Die Initiative ergreift Papa Schlumpf: “Freunde, habt ihr das gesehen? Mit sowas spielt man heute? Warum nur? Wir haben die Kinder über Generationen amüsiert, und heute vertreibt sie sich die Zeit mit solch einem Schund. Wir müssen etwas unternehmen!” – “Aber was?”
“Kevin, hör mal: Wir können das nicht zulassen.” – “Aber ich will doch dazugehören, wenn ich nicht solche Spiele spiele, finde ich nie Freunde… oh, moment… vergesst das. Aber ich kann nicht aufhören, es ist das einzige, was ich kann!” – “Aber das stimmt doch nicht. Hier, wir haben eine Zeitmaschine, wir werden dich in deine Vergangenheit führen und Dir zeigen, wie glücklich Du früher einmal warst, komm, steig ein!” – “Ein… DeLorean?” – “Ja, genau… nein, Du Idiot, eine HoiPoi-Kapsel von unserem Freund Son Goku aus dem Manga Dragonball, elende Japaner, die uns den Markt abgraben, aber so Technikzeug, das können sie. Auf geht’s ins Jahr 1998!”
Unsere Freunde landen im Jahr 1998 im Wohnzimmer der Familie Rufangst, der gerade einmal 6-jährige Kevin kommt gerade aus der Schule. Er hockt sich direkt vor den Fernsehr und schaltet Pokémon ein. Es ist Alf, der die Initiative ergreift, in dem er beim Anblick der schnellen Bildabfolge mit den unfassbar vielen Farben in einen epileptischen Anfall verfällt und sich auf dem Boden wälzt. “Seht nur, Alf tanzt”, rufen die Schlümpfe und stimmen ein Lied an, das ist unvermeidlich, denn in diesen Drecksfilmen kommt irgendwann immer ein Lied.
(Melodie vom Schlumpflied, Ansage des Sprechers (Tief versteckt in einem Wald etc.), gesprochen von Tommie Pieper, gleichzeitig Stimme von Alf, na Gott sei Dank ist der ausser Gefecht)
“Seht nur, die Serien,
seht nur, die Cartoons,
sie laufen in den Ferien,
ja genau, sie tun’s.
Doch Vorsicht vor den Killerspielen,
Vorsicht vor Gewalt,
sie wollen nur darauf abzielen,
dass ihr viel Geld zahlt.
Drum lest wieder Mickey Maus,
lest den ganzen Tag,
geht mal wieder aus dem Haus,
in unseren Freizeitpark!”
“Ja, Kevin, das war ein sehr schönes Lied, aber um ehrlich zu sein, wollten wir Dir damit auch etwas sagen. Sieh nur, wie glücklich Du damals warst. Schön vor dem Fernseher im hellen Wohnzimmer, nicht im dunklen Jugendzimmer. Willst Du nicht diese Zeit zurück? Kommen, wir reisen in deine mögliche Zukunft, ins Jahr 2016.”
Alf, die Schlümpfe, der Kermitwecker und die dankenswerterweise ruhigen Chipmunks reisen zusammen mit Kevin ins Jahr 2016, wo (oder wann?) er längst nicht mehr zu Hause lebt, sondern? Genau, garnicht mehr, er ist tot. Er ist kurz vor seinem Abi Amok gelaufen, und Schuld waren alleine die Killerspiele. Papa Schlumpf wendet sich väterlich, wie auch sonst, an Kevin: “Sieh mal. Deine Familie weint immer noch um Dich.” Am Küchentisch sitzen Kevins Eltern, der Vater ist besoffen, die Mutter pariert, äh, püriert, es gibt Kartoffelpüree. Daneben sitzt Conny, sie ist jetzt Emo und die Arme sind verritzt. Die Schule musste sie nach dem Amoklauf verlassen, sie hat ein freiwilliges soziales Jahr gemacht und dann noch ein unfreiwilliges asoziales. Jetzt schläft sie sich durchs Dorf, um den Ruf der Familie wieder herzustellen. “Oh nein… was habe ich nur getan? Was ist passiert?” – “Lass uns in hier einmal ins Internet schauen, wie das ablief. Moment, ich hole schnell mein iSchlumpf raus. Hier…. Amoklauf… Wahnvorstellungen… Comicfiguren… Naja *hust* ist ja auch egal. Es waren jedenfalls die Killerspiele, alleine die Killerspiele. Du musst damit aufhören!” – “Ja, gut, aber nur unter einer Bedingung: ihr müsst mir jetzt auch mal in meine Welt folgen, ich zeige euch eines meiner Spiele und danach entscheiden wir gemeinsam, wie es weitergeht.” – “Einverstanden!”
Sie fliegen zurück ins Jahr 2009, das Jahr, in dem sie Kontakt aufnahmen und landen in Kevins Zimmer. Er “loggt sich in das Spiel ein” und kraft der Comicfiguren finden sie sich mitten in einem Level von Counterstrike wieder.
“Kevin, was hast Du vor?”, fragt Alvin Chipmunk völlig zurecht, denn Kevin kontert: “LOOOOL, das war alles eine Falle! Los, Freunde, knallt sie ab
” Und mit einem Mal tauchen aus allen Ecken Terroristen auf und schießen die Comicstars über den Haufen. Zuerst erwischt es Theodore Chipmunk, der noch versucht, sich hinter eine Polygonkiste zu retten, schafft es aber nicht mehr. Alvin und Simon starren erschreckt auf die Leiche ihres Bruders, als eine Granate zwischen ihnen landet und sie in unappetitliche Einzelteile zerfetzt. Blutüberströmt kreischt ein Schlumpf, nein, nicht blutüberströmt, es ist Papa Schlumpf, er kann nicht fassen, dass Clumsie versucht hat, sich auf die Granate zu schmeissen, sie war größer als er. Es sind nur noch 99 Schlümpfe am Leben, ihre gesamte Existenz ist damit in Frage gestellt, weswegen ihr Serienuniversum zusammebricht und sie alle in ein schwarzes Loch zieht. Nur noch Alf ist übrig, der es schafft, noch 5 Terroristen mittels Headshot mitzunehmen, wobei er nach jedem Treffer “Haha!” ruft. Ist er etwa ein Cheater? Der Verdacht liegt nahe, denn er hat ja nicht einmal eine Waffe. Doch dann erwischt es auch ihn, mit einer Salve aus der AK 47 mitten in die Brust wird er erlegt, das Fell hätte einen guten Bettvorleger abgegeben, wäre es nicht durchsiebt worden.
“Yeah”, freut sich Kevin, “endlich Ruhe! Nur: Wie komme ich jetzt wieder aus dem Spiel raus? Jungs? Juuuungs!”
Terrorists win.

“…sie hat ein freiwilliges soziales Jahr gemacht und dann noch ein unfreiwilliges asoziales.”
Das sind die großen Gedankensprünge, die aus einem Text einen Juwel machen!
Von: MuGo am 16. November 2009
um 03:28
Ich mag den iSchlumpf.
Von: Sebastian am 16. November 2009
um 14:27
Ich frage mich immer noch, ob der nicht besser SchlumpfPod hieße.
Von: Muriel am 17. November 2009
um 16:56
Derlei Zwist hat schon ganze Schlumpfdörfer zur Teilung getrieben. Ich weiss, ich erkläre hier jetzt deinen Witz, aber ich kenne ja meine Leser.
Von: Sebastian am 17. November 2009
um 18:21
Vielleicht ein Fall für das, öh… Heise-ForSchlumpf?
Von: Muriel am 17. November 2009
um 18:39