Angry Teng: Live in New York

Auf YouTube gehe ich mittlerweile nur noch, um unter deutschen Hip Hop-Videos die Kommentare zu lesen. Unter älteren Videos (also allem vor 2010) wird bejammert, dass das doch noch richtiger Hip Hop gewesen sei, mit Hirn und Herz und nicht so ein Scheiss wie heute, während unter aktuelleren Werken… keine Ahnung, ich verstehe nicht, was dort gesprochen wird.

“I used to be with it, but then they changed what ‘it’ was. Now, what I’m with isn’t it, and what’s ‘it’ seems weird and scary.”

Jedenfalls staut sich bei der Lektüre regelmäßig jede Menge Menschenhass auf, deshalb mache ich das ja überhaupt. Man muss hassen können, um zu wissen, dass die Liebe lohnt. Da ich von Natur aus zu Hass unfähig bin, braucht’s eben diesen Katalysator. Angry Teng hingegen braucht dafür wohl kein YouTube, der ist einfach dauerwütend, und das natürlich völlig zu recht. Auf seinem zweiten Album, Live in New York, wird deshalb mal wieder gegen alles und jeden geschossen.

Und wie schon auf dem Vorgänger Nich’ zu fassen geht es dabei nicht dumpf gegen die Szene, die Bullen, die Studentenrapper respektive die Gangsterrapper, sondern gegen die richtigen wie Kriegstreiber, Gewinnler oder auch selbstzweifelnd gegen sich selbst. So genau lässt sich das alles nicht auseinanderhalten, Tengs Texte driften wie gewohnt schnell ins Abstrakte, so dass man nur anhand eingestreuter weltlicher Vokabeln wie Bertelsmann oder der Flatrate bei 1&1 daran erinnert wird, was überhaupt gerade besprochen wird. Teng schrieb mir, dass die Jugendlichen immer ein wenig ratlos vor seiner Musik stehen, und das wird hier nicht anders sein. Es ist keine massenkompatible Musik, und Teng wird wohl nie die Menge Applaus erhalten, die ihm von Rechts wegen zustünde. Sei’s drum. Einzigartig sein heisst eben auch, alleine dazustehen, und das heisst eben auch, irgendwann aufzufallen. Zu hoffen wär’s.

Derzeitiger Lieblingstrack auf dem Album ist das grandiose Koffer voller Geld. Ein Song, der beweist, dass man sich sehrwohl differenziert zum islamistischen Terror und seinen Ursachen, falscher Toleranz und ebenso falscher Intoleranz äußern und trotzdem (oder deshalb) einen ziemlichen Hals kriegen kann.

Seine eigene Herkunft bespricht Teng in Menschengötter (Der Bücherwurm – halb Kartoffel, halb Wüstensturm), stellt jedoch klar, wo seine Sozialisation liegt – im Magic zocken, fernsehglotzen… ist er der, der seinen Bizeps zeigt, genau der, der man denkt, oder doppelt so tätowiert, oder doch eher der conscious rapper? Man weiß es nicht, man kommt nicht hinterher.

Hatten die Fanta 4 mit Tag am Meer wenig subtil klar gemacht, dass sie dem ewigen Motto “Legalize it” wohlwollend gegenüberstehen, war das bei Tengs Evergreen Salamander schon vertrackter: Gut möglich, dass es dort um Drogen ging, aber praktisch unmöglich, zu wissen, um welche. Seinen legitimen Nachfolger findet Salamander in Waldkind, einem Song, den man sich in Endlosschleife legen sollte, falls an sich in einem Wald verirrt. Es ist, also ob die Eskapismus-Magazine Landlust oder Landidee ein 3D-Bild als Gimmick beilegen würden, das man nur unter Einflussnahme psychodelisch wirkender Pilze erkennen kann.

Und hatte Nich’ zu fassen mit Kaffe und Kuchen auch die humoristische Schiene nicht zu kurz kommen lassen, findet sich hier das abenteuerliche Zombies!!! wieder, mit dem die Zombiekalypse endlich auch musikalisch einmal würdig aufgearbeitet wird. Minuspunkt: Den Versuch, den Nachrichtensprecher selbst oder durch einen Kumpel zu vertonen, hat Sido schonmal irgendwann verkackt, und Angry Teng hier eben auch. Der einzige, der es richtig gemacht hat, war einst Falco.

Ich bin ein einfacher, hart arbeitender Mann, der seine Steuern zahlt und abends Quizshows guckt. Ich weiß nicht viel von der Welt. Ich kenne mich zum Beispiel überhaupt nichts mit Beats aus. Daher möchte ich garnicht viel darüber sagen. Es wird eher konservativ vorgegangen, soweit ich das beurteilen kann. Vieles klingt jazzig angehaucht, es gibt Synthiestreicher, Pianosounds. Es wird angenehm überraschend viel gescratcht, ich dachte, diese Kunst ist mittlerweile ausgestorben. Und gnädigerweise wird nicht auf den Elektro-mnml-wasauchimmer-Zug aufgesprungen, die Gefahr, dass Angry Teng irgendwann billige Atzenmusik macht, um sich hinterher in peinlichen Werbeclips für myvideo.de verdingen zu müssen, ist wohl eher gering. In Feuer meine ich im Hintergrund einen Reime-Chor aus Rödelheim Hartreims Song, eben, Reime herauszuhören (RHPs fast 20 Jahre altes Album Direkt aus Rödelheim ist übrigens sehr gut gealtert, was an der ebenfalls erdig-jazzigen Produktion liegt – eine gute Entscheidung Tengs also, diesen Weg zu gehen), ach der Satz war ja noch garnicht fertig, also: Wahrscheinlich hat das garnichts mit RHPs Reime zu tun, sondern es wird ganz anderes zitiert und ich mache mich lächerlich, aber das ist eben das, was mir aufgefallen ist.

Einen Ausschnitt aus Angry Tengs Live in New York gibt es hier zu sehen:

Seiten, auf denen man das Album erwerben oder den Künstler stupsen und gruscheln kann:

Zeitgeister
Angry Teng
Angry Teng auf Facebook

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Fast Food Nation

Ich war am letzten Wochenende zum ersten Mal in meinem Leben in den US of A (einen Bericht dazu gibt es hier) und natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, mir viele der gastronomischen Höhepunkte zu gönnen, die wir in Deutschland nur aus Film und Fernsehen kennen. Hier also eine kleine Fresskritik:

Freitag, 16. März

Grenzübergang Laredo
Fanta Strawberry

Zu den Annehmlichkeiten der Grenzstation in Laredo gehören die Cola-Automaten, an denen man während der drei Stunden in der Warteschlange für die Einreiseerlaubnis für Illegale, äh, Mexikaner unweigerlich vorbei kommt. Da mir Red Flash eher wie ein Energy-Drink vorkam (was allerdings nicht stimmt), fiel die Wahl auf Fanta Strawberry. Und zu meiner Überraschung schmeckt es nicht so schlimm, wie man erwarten könnte. Allerdings ist es auch nicht gerade lecker. Am ehesten könnte man es vielleicht mit nahezu geschmacksneutralem Zuckerwasser vergleichen.
Pro: Eine einzige 20-oz.-Flasche (etwas mehr als ein halber Liter) deckt bereits 27% des täglichen Bedarfs an Kohlenhydraten!

Great Wraps
Philly Cheesesteak Sub
Idaho Kurly Fries
Sprite

Für $8.53 (tax included) gab es mit dem Philly Cheesesteak einen Klassiker der amerikanischen Küche im Food Court der Rivercenter Mall in San Antonio. Erst ist man etwas enttäuscht ob der Portionsgröße (wo sind die legendären amerikanischen XXXXXL-Größen?), aber der Geschmack entschädigt für alles! Nur die Idaho Kurly Fries können nicht so ganz mithalten, entschädigen dafür aber wenigstens mit der Tatsache, aus richtigen Kartoffeln geschnitten (oder aus verdammt gutem Kartoffelimitat zusammengeklebt) worden zu sein.
Pro: Auch wenn es nach wenig aussieht, so ist das Philly Cheesesteak Sub genau das richtige, um den Hunger nachhaltig zu stillen.

The Cove
09er Burger
Classic Fries
Shiner Black

Keine Kette, aber dafür bestimmt einer der originellsten Plätze, an denen ich jemals gegessen habe. Neben dem Restaurant gibt es noch eine Kneipe, eine Tankstelle, eine Waschstraße und einen Münzwaschsalon auf dem Gelände, zwischen denen die Tische unter freiem Himmel aufgestellt sind. Der 09er Burger ist zudem der wahrscheinlich beste Burger, den ich jemals gegessen habe: beef patty, Ziegenkäse, gebratene Paprika, Pesto. Der Burger ist ein Hochgenuss, die Pommes dagegen einmal mehr nur Sättigungsbeilage. Zu haben ist das Ganze für $10.81, tax included.
Pro: Anstatt der üblichen Softdrinks kann man sich auch an der Bar ein Bier holen – natürlich nicht die bekannten Wässerchen, sondern von lokalen texanischen Brauereien wie Shiner.

Samstag, 17. März

Liberty House
Orangeade

In diesem Restaurant in San Antonios King William District gibt es u.a. leckere selbstgemachte (und vor allem nicht zu süße) Orangeade. Außerdem so viel Wasser wie man möchte.

Blue Star Brewery
Chicken Fried Chicken
Coleslaw
Mashed Potatoes
Barnstormer

Wenn ich schon nicht dazu komme, ein Chicken Fried Steak zu probieren, dann wenigstens ein Chicken Fried Chicken. Dazu gibt es mit Coleslaw den typischen amerikanischen Weißkohlsalat (den man unbedingt einmal probieren sollte) und außerdem Kartoffelbrei. Insgesamt kostet das $10.10 ohne tax. Da die Blue Star Brewery, wie der Name es bereits andeutet, eine Hausbrauerei ist, gibt es natürlich auch Bier – in meinem Fall Barnstormer, angeblich ein Pilsener; ich schätze aber mal, dass es eher ein Helles war…
Pro: Man sitzt gemütlich am südlichen San Antonio River und muss trotzdem nicht fürchten, von den Touristenmassen tot gewalzt zu werden.

Krispy Kreme Doughnuts
Original Glazed
Chocolate Iced Custard Filled
Glazed Chocolate Cake

Für nur $1.98 gibt es zwei Donuts sowie den Original Glazed gleich noch gratis und frisch aus dem Ofen obendrauf!
Pro: Schmeckt besser als Dunkin’ Donuts – viel besser!

Sonntag, 18. März

Bourbon Street Cajun Grill
Meat with mixed vegetables
Bourbon chicken
Lo mei noodles
Mountain Dew

Mehr asiatisch als cajun, aber dennoch gibt es anständiges Essen in großen Portionen – zu groß, da das Essen viel zu reichhaltig ist. Dafür sind die Soßen deutlich besser als diese seltsamen süßlichen Barbecue-Soßen, die man in Texas genauso über das Fleisch hätte kippen können. Zusammen mit der Flasche Mountain Dew, einer giftgrünen, aber weniger süßen Sprite-Alternative, kostet das ganze $9.17 (tax included).
Pro: Das Hühnchen wird irgendwie so zubereitet, dass man das Gefühl hat, wirkliches organisches Hühnerfleisch anstatt simplen Pressfleisch zu essen.

Wendy’s
Crispy Chicken Sandwich
Fries with Sea Salt
Root Beer

Die ewige Nummer Drei der amerikanischen Burger-Ketten hat gerade Burger King überholt und ist somit zur Nummer Zwei aufgestiegen. Ich würde sagen: Zu Recht! Der Burger und die Fritten schmecken sogar noch kalt. Außerdem gibt es hier die ersten Pommes, die man tatsächlich gerne isst. Ein Fall für sich ist das Root Beer: Man muss sich das ganze geschmacklich wie ein in Malzbier aufgelöstes Kaugummi vorstellen. Also eine Erfahrung, auf die man ruhig auch einmal verzichten könnte. Allerdings gewöhnt man sich erstaunlich schnell an den abartigen Geschmack. Und noch einen Vorteil gibt es: Im Gegensatz zu den meisten Softdrinks löscht Root Beer den Durst anstatt ihn zu verschlimmern!
Pro: Wendy’s bietet als wohl einzige Fast-Food-Kette standardmäßig Small als Combo-Größe an. Meine Bestellung kostet so $7.13 (tax included).

Für Zwischendurch:

  • Peanut Butter Sandwiches
  • Doritos Nacho Cheese
  • M&M’s Peanut Butter
  • Mountain Dew

Leider nicht ausprobiert:

Fazit:
Warum zum Teufel kommt immer nur das ganze Gelumpe, das keine Sau braucht (z.B. KFC, Subway, Starbucks), zu uns, obwohl es in den USA doch so viel geilere Ketten gibt? Liebe Manager von Wendy’s, Carl’s Jr. und Krispy Kreme – fasst euch ein Herz und kommt endlich nach Deutschland!

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Anderswo

Nachdem in den letzten ein, zwei Jahren hier eher wenig los war, ist doch eine gewisse Tendenz nach oben festzustellen. Drei Artikel von mir und einer von Mugo innerhalb eines Monats, das ist schon einiges. Leider nicht mehr ganz so wie früher, als alleine pro Woche drei Einträge erschienen, aber immerhin doch eine deutliche Steigerung, betrachtet man die letzten beiden Jahre.

Aber das ist nicht alles. Wie der ein oder andere weiß, schrieb ich bis zum Jahreswechsel beruflich an anderer Stelle über Gratisdownloads von Virensoftware und sehr viel über Angry Birds, weil es das ist, was die Leser wollen. Nach einer gewissen Erholungsphase von diesem ungewohnten Metier kann ich mich endlich wieder obskurem Kram widmen, welcher keinen Menschen interessiert. Als da wären diese zwei Projekte:

1000ff.de – Für 1000ff.de habe ich schon für Urzeiten geschrieben, fast zu Beginn meiner eigenen Bloggerkarriere (lol). Betreiber Simon fragte angelegentlich, ob ich nicht mal wieder Lust hätte, und natürlich! Während Netzpolitik in Deutschland gut abgedeckt ist, ist Netzkultur jenseits von lustigen Videoseiten eher ein Underachiever. Da gibt es eine echte Lücke, in die wir reinstoßen wollen, mit Netzarchäologie und handfesten Tipps und Workarounds (das macht dann Simon). Jüngst schrieb ich über den tollen Kartendienst Old Maps Online und die Netzwirkung der obskuren Marketingaktion Dotwin.

kerfuffle.de – Wahrscheinlich durch ein Böller/kleine Tochter-Gemisch wach gehalten, kam Frank zur Silvesternacht auf die Idee, ein Blog zu starten, auf dem er sich auch technisch ein bisschen austoben kann. Und frug, kurz darauf, ob ich dabeisein möchte. Als an die Britcom Little Britain angelehnten Andy & Lou posten wir genau lediglich Lustiges. Sehr minimalistisch gibt es Bilder und Videos, eine Überschrift, viel mehr braucht es nicht. Ich persönlich verstehe das Projekt als eine Art Anti-9gag.com: Es gibt verhältnismäßig viel eigenen Content, eher obskures als mainstreamiges, keine Rage-Comics (ich kann sie nicht mehr sehen), möglichst eine Quellenangabe und bloß keine Wasserzeichen. Dafür gibt’s eben auch keine 1000 Einträge am Tag. Keine Quellenangabe hat leider die hoffentlich irgendwann fortgesetzte Miniserie Alternative Simpsonkunst I und Alternative Simpsonkunst II. Diese beiden Bilder habe ich mal irgendwann im Internet aufgetan und suche seitdem den Ersteller. Ich will mehr! Also, falls das jemand kennt, bitte melden.

Weitermachen!

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Malte Welding: Versiebt, verkackt, verheiratet – Vom Leben nach dem Happy End

Harald Schmidt hat einmal gesagt, dass Pfarrer ihre Predigten mit etwas ganz weltlichem beginnen, um das Eis zu brechen, z. B. „Ich habe Michael Douglas nackt gesehen“, bevor sie mit dem langweiligen Teil fortfahren.

Man ist ja versucht, ähnliches zu tun (was hiermit dann auch erledigt wäre). Malte Welding jedenfalls lässt den nackten Michael Douglas in seinem neuen Buch erst auf Seite 188 auftreten:

»Der männlichste aller Duscher ist übrigens Michael
Douglas«, sagte Paul.
Ich nickte und tunkte Brot in ein Tellerchen voll Olivenöl :
»Douglas duscht wie ein Normanne in der Gischt, der mit
bloßen Händen einen Blauwal an Land zieht.«

So reden die Menschen in Maltes neuem Buch Versiebt, verkackt, verheiratet – Vom Leben nach dem Happy End, um darüber hinwegzutäuschen, dass ihr Leben ein tristes ist. Roman, Paul und Ben sind drei Brüder, die den schweren Teil eigentlich schon hinter sich dachten: Sie alle sind in einer Beziehung. Roman hat Mia geehelicht, Paul hat mit Greta die Arschtreterin, die er braucht, und der junge Ben turtelt verliebt mit seiner Julia herum. Happy End.

Or is it???

Malte Welding, offenbar inzwischen der Briefonkel der Nation, hat mit Versiebt.. sein zweites Buch veröffentlicht, in dem er sich dem Leben nach dem scheinbaren Happy End widmet. Das letzte Werk hat mir ganz gut gefallen (genützt hat’s halt nichts), da wollte ich dieses nicht ungelesen lassen. Es geht natürlich wieder um die Liebe, oder eben um das, was die Protagonisten dafür halten und gerne hätten. Denn bei allen dreien (und dem gemeinsamem Freund Jimo) liegt Einiges im Argen. Roman und Mia hätten gerne ein Kind, leider muss man dafür Sex haben, und dieser kommt in ihrer Beziehung nicht vor. Greta verlässt Paul ganz zu Beginn, kurioserweise zu dem Zeitpunkt, an dem er sich aus seinem Schluffidasein befreit und sich selbständig gemacht hat. Also doch eigentlich der Mann wurde, den sie immer wollte. Und Ben… keine Ahnung, der kommt sehr kurz vor, dafür gibt es eine flüssig zu lesende Dreier-Szene gegen Ende, in der er zum Zuschauen verdammt wird. So richtig läuft’s da wohl also auch nicht. Jimo hingegen ist ein Frauenschwarm, der von Party von Party mäandert und vielleicht gerne was festes hätte, aber er sieht halt zu gut aus #firstworldproblems.

Der Aufbau ist wie beim Vorgänger dieser aus Amerika rübergeschwappte Sachbuchstil, bei dem halbprosaisch die Anekdoten erzählt werden, um dann in ein paar Absätzen die Hintergründe zu beleuchten. Und wie auch schon zuvor wird nicht alleine auf Liebesforscherkoryphäen zurückgegriffen, sondern es wird munter in der Populärkultur um Rat gefragt. Louis CK bleibt, Don Draper ist rausgeflogen. Hinzugekommen ist dafür Walter White uswusf. Die Geschichten sind für die Betroffenen natürlich sehr schlimm, für den Leser aber überwiegend hochkomisch. Die Stärke liegt in den Dialogen und Abschweifungen in die Niederungen der Wirklichkeit (klingt jetzt ein bisschen wie Tageszeitungsfeuilleton, ist aber nunmal so). Einer meiner Lieblingsabsätze steht relativ zu Beginn und motiviert mich, mein altes Hobby Forenarchäologie mal wieder aufzunehmen:

»Das Allerschlimmste am ganzen Schwangerwerdenwollen sind die Kinderwunschforen im Internet. Es ist, als hätte sich die Evolution was dabei gedacht, wenn sie Leute keine Kinder kriegen lässt«, sagte Roman. »Samen heißen dort ›Spermis‹, Sex heißt ›herzeln‹ und der Partner entweder ›Männe‹ oder ›Schatzi‹ oder ›der Meinige‹.
Die herzeln also pünktlich mit ihrem Männe zum vorgegebenen Zeitpunkt, ist auch ganz schön, aber irgendwie auch viel Druck, weil die Spermis ja an den richtigen Ort müssen, und so ist der Pieps vom Männe dann ned so gaaaaanz hart. Dann schreiben diese Spatzenhirne JEDES MAL einen Zwinkersmiley dahinter oder ein G mit Sternchen. Weißt du, was das heißt? Grins!
Warum schreiben die, dass ihr Mann keinen hochkriegt, und dann ›grins‹? Und wie kürzen die wohl Schwangerschaft ab? – Und die kürzen es übrigens IMMER ab, weil sie ja den ganzen Tag nur darüber reden und das Wort sonst tausendmal am Tag schreiben müssten. – Sie schreiben statt Schwangerschaft SS. SS!«

Dieser Absatz ist Teil einer Leseprobe, derer es auf Maltes Blog derzeit einige gibt. Das lesen lohnt sich deshalb, weil das Marketing für das Buch ansonsten im Wesentlichen aus diesem Video besteht:

Der aufmerksame Leser erkennt natürlich, wie schon im Vorgänger, ein paar der Figuren und kann ihnen Gesichter zuordnen. Der übergeschäftige Werber mit dem iBook, der dauernd Popkulturprominenz bei sich rumlungern hat, Gott, wer soll das schon sein? Und der blonde, langhaarige Nachwuchsschriftsteller, der dauernd Franzosen zitiert, von dem habe ich auch ein Buch zu Hause rumliegen, ist ganz nett. Als nächstes wünscht man sich da ein Reisebuch, einfach mal raus aus Berlin, wie wär’s, Malte?

Den größten Teil des Buches nimmt wohl die Geschichte von Paul und Greta ein. Das ergibt Sinn, Paul war über Jahre die fiktive Figur, mit der Malte Spreeblick bestückt hat. Ein paar der Geschichten kennt man so dann auch. Aber da sie von dort mittlerweile verschwunden scheinen, ist es nicht schlecht, sie nun auch auf Papier zu wissen. Die Geschichte dieser beiden ist dann übrigens auch die deprimierenste, weil doch eigentlich alles klappt. Außer eben DAS. (Was? Eben!)

Da ich nach wie vor ein großer Freund von Maltes Schreibe bin, möchte ich eine Kaufempfehlung aussprechen. In Richtung Malte jedoch möchte ich auch eine Empfehlung aussprechen, und zwar die, es mal mit Vollprosa zu versuchen, und dann gerne auch mal zu einem anderen Thema. Das könnte gut werden. Und wenn nicht, sich dann doch wenigstens jemand anderen für die Vergabe der Buchtitel zu sorgen.

Das Buch könnt ihr gleich hier bestellen. Das ist kein Affiliate-Link, ich weiß garnicht, wie das funktioniert. Die Empfehlung ist also ehrlich gemeint.

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Über Spiegel-Leserbriefe

Ich grüße aus Flensburg! Gerade eben erst innerhalb von Stuttgart umgezogen, musste ich auch diese Wohnung schon wieder für ein paar Monate verlassen, um einen Schuhkarton an der Grenze zum dänischen Telefonnetz zu beziehen. Bis knapp September werde ich in dieser Stadt, bekannt für ihre typischen Punkte, mein Praxissemester absolvieren.

Dieses geht erst in der kommenden Woche los, und bis dahin bleibt nichts zu tun. Es ist so langweilig. Es ist so unsagbar langweilig, dass ich mir sogar mal wieder einen Spiegel gekauft habe. Soweit ist es schon! Nun, ich bin nicht einmal auf Seite 10 und schon möchte ich darüber schreiben. Es sind die Leserbriefe, die mich dazu veranlassen.

Offenbar gab es in der letzten Ausgabe eine große Geschichte über die Reichen Deutschlands, die in der Parallelgesellschaft Leserbriefschreiber für Diskussionsbedarf sorgte, bzw. für Dampfablassbedarf, denn eine Diskussion findet in dem Rahmen nicht statt. Sie findet ja auch nicht in den gruseligen Threads auf Spiegel Online statt, in denen sich ja überwiegend, wenn nicht gar ausschließlich, Irre aufhalten (und obwohl es doch sogar noch unter jedem Artikel heisst: Diskutieren Sie!).

Jedenfalls, nicht weniger als drei Sebastians war es ein Bedürfnis, sich zu der Titelgeschichte zu äußern, wobei das Verhälntis sozial-linker zu fiskal-rechter Thesen 2:1 steht. Was ist das mit diesen ganzen Sebastians? Wo kommen die alle her? Und was ist das überhaupt für ein Kartoffelname? Der eine Sebastian, der die Reichen vor dem Kommunistenmob in Schutz nimmt, teilt typisch aus: “Ausgerechnet in dem Land, in dem einer dem anderen nicht die Butter auf dem Brot gönnt, entfachen Sie mit Ihrem Titel eine völlig sinnfreie Neiddebatte. Vielen Dank auch!” Zu den Dingen, die ich nicht leiden kann, gehören unter anderem Duckmäuser, die bei jeder kapitalimuskritischen Äußerung gleich unterwürfig eine “Neiddebatte” aufziehen sehen. Und Menschen, die das Wort Duckmäuser benutzen. Klingt wie Lustiges Taschenbuch, ist aber: typisch Deutsch!

Mein Lieblingsleserbrief dieser Ausgabe folgt gleich darauf, dieser schließt mit: “Ungleichheit ist keine Ungerechtigkeit, sie gehört zum Leben dazu. Das muss man aushalten können.” Nun kann man sich denken, aus welcher Ecke Meldungen kommen, die verlangen, dass man die Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten und Unwuchten dieser Gesellschaft “aushalten” können “muss”, nämlich mutmaßlich aus eben jener, in der es sich ganz gut aushalten lässt. Unterstützt wird meine These durch den Namen, der da tatsächlich lautet: Alphonsine Müller. Dieser Name, bei dem sich das Don praktisch von alleine ergänzt, klingt so sehr nach Zahnarztgattin, dass einen das weiße falsche Lächeln dieser Frau beinhahe blendet. Über die Diskriminierung aufgrund elitär anmutender Namen darf sich meinetwegen im SpOn-Forum echauffiert werden.

Noch bevor sich dem nächsten Thema gewidmet wird, muss Werbung geschaltet werden, die sich eben an jene richtet, die die meisten Sebastians wohl gerne am nächsten Baum aufgeknüpft sähen. In der vielleicht hochkomischsten Ganzseitenanzeige aller Zeiten wirbt der Reiseanbieter Studiosus dafür, doch einmal Enos Welt erleben zu dürfen. Wer oder was ist Eno? Googelt man Enos Welt, findet man schnell ein YouTube-Video einer Schulklasse 10b, in der Kinder mutmaßlich 10. Klasse-Unsinn treiben.

Ich selbst kann mir das Video nicht ansehen, weil ich hier mit einer Datenvolumenbegrenzung auskommen muss. Kann mir jemand in die Kommentare schreiben, was da vor sich geht? Danke.

Bei Eno könnte es sich auch um den Menschen handeln (can’t spell it without Menschenhandel), der einen auf der Seite beinahe lebensgroß anstrahlt und mutmaßlich bei Zahnarzt Dr. Müller in Behandlung ist. Bevor jetzt tatsächlich alle zum nächsten Kiosk rennen, die Anzeige schmückt derzeit auch die Firmenseite von Studiosus.

Nach einer Doppelseite, in der für Jack Wolfksin geworben wird (zwar können sie zwei Seiten bedrucken, aber trotz enormen Potential ihre Jacken immer noch nicht im Doppelpack anbieten), räumt der Spiegel eine ganze Seite seinem hauseigenem Skandal um Georg Diez, dem vielleicht langweiligsten Menschen der Welt, und Christian Kracht ein. Dabei geht es wohl um eine Kritik, in der Georg Diez eben jenem Kracht eine Tendenz etwas zu weit nach rechts nachsagt, eine Debatte, die es nur mühsam bis nach außerhalb des Spiegelversums geschafft hat und noch ein wenig am köcheln gehalten wird. Zum Vergleich, die Walser-Bubis-Debatte brachte es, mit allen von Frank Schirrmacher zusammengestellten Beiträgen, auf knapp 700 Seiten.

Mittig dieser Seite findet sich ein sehr absurdes Foto von einem Mann, der mit einem beigen Mantel in einem Gebüsch steht und traurig dreinschaut. Hinter ihm befindet sich ein ausrangierter U-Bahn-Wagen mit zahlreichen Graffitis. Ein Perverser? Fast, es ist Christian Kracht, und der U-Bahn-Wagen soll der ansonsten nach Intellektualität schreienden Pose einen Anstrich von Popliteratur verleihen. Für dieses Foto lohnt es sich dann fast doch, zum Kiosk zu rennen.

Zur diesmaligen Links-Rechts-Debatte äußern sich zahlreiche Menschen mit Leserbrief-typischen Namen wie Rex, Griewatz, Weissweiler oder Gas(!), erwähnenswert ist aber nur der Brief des Zürcher Verlegers Patrick Frey, der aber wohl Gott sei Dank nichts mit dem rechten Verleger der Nationalzeitung, Gerhard Frey, zu tun hat. Letzterer hätte Krachts Pläne, über die Nazi-Kolonie Nueva Germania zu publizieren, wohl nicht abgelehnt, und auch nicht so schön konsequent wie eben der gute Patrick Frey: “Ich las ein, zwei Texte von Woodard, und dann wurde mir das alles derart unangenehm, dass ich gar nicht mehr zurückschreiben oder argumentieren wollte, sondern die Kommunikation abrupt abgebrochen habe.”

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Jedes Land hört die Musik, die es verdient!

Vergesst Porno-Rap, Porno-Dangdut ist der heiße Scheiß der Stunde. So sündig, dass sich die indonesische Regierung gezwungen sah, Titel wie Maaf Kamu Hamil Duluan (Sorry, dass ich dich geschwängert habe) und Wanita Lubang Buaya (Der Krokodil-Tümpel einer Frau) mit einem Radio- und Fernseh-Verbot zu belegen. Ja, die Indoneser eben mit ihrer Rückständigkeit – bei uns darf man sogar legal über Zoophilie singen! Da muss man schon mit einer morbiden Weltsicht, Inzest-Phantasien oder, nun ja, Porno-Rap kommen, um einer solchen Strafe zu unterliegen. Denn schließlich wollen wir, dass sich unsere Kinder zu Anhängern der Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung werden und nicht zu rückständigen Anhängern von Willkür und eingeschränkter Meinungsfreiheit!

Kommen wir aber noch einmal auf Dangdut zurück, die fröhliche indonesische Variante von schrecklicher, aber erfolgreicher lokaler Popmusik, die man überall auf der Welt zu finden scheint (in Deutschland heißt das Ballermann Hits, in Mexiko norteño und in Ecuador vallenato, um mal ein paar mir geläufige Beispiele zu nennen). Schön ist, dass in der Liste auch die ganze Bandbreite der von der Musik-Industrie verwendeten Popstar-Schablonen zu finden ist: Da wäre zum Beispiel die Skandal-Nudel Julia Perez, die eher mit ihrem skandalösen Auftreten als mit ihrer Musik für Aufruhr sorgt. Ihr Lied JuPe Paling Suka 69 (JuPe mag 69 am Meisten), das von ihren Lieblingspositionen handelt, ist dabei sogar ganz okay – bis zu dem Moment wo sie zu singen beginnt. Denn das scheint, mit Verlaub, nicht ihre größte Stärke zu sein. Aber hey, Zlatko konnte auch nicht singen! Am Ende geht es darum, die Massen zu beschäftigen – und da hilft so ein Radio-Boykott bestimmt!

Ebenfalls nicht fehlen darf der offensichtlich schwule Sänger, der ein Frauenschwarm ist und daher nicht offen zu seiner Homosexualität stehen kann. Wahrscheinlich würde ich jetzt in Indonesien auch entrüstet darauf hingewiesen, dass der Sänger natürlich NICHT schwul ist, denn muslimische Männer sind NIE schwul! Richtige Christen übrigens auch nicht. Was mich allerdings zu der Frage bringt, warum es sich die evangelikalen Schwulen eigentlich selbst so schwer machen und in diese Bet-Camps gehen, wo sie von ihrem sündigen Verlangen geheilt werden sollen. Einfach die Klappe halten, sich eine züchtige evangelikale Freundin anlegen, die man nie heiratet (die Uni, die momentane berufliche Situation, irgendwas findet sich schon als Ausrede) und als Vorbild für alle jungen Männer in der Kirche dienen, da man enthaltsam lebt. Wenn die Frau Ende 30 ist (und sich nicht vorher schon einen anderen gesucht hat, was einen selbst nur um so besser dastehen lässt) heiratet man sie doch, aber vollzieht nie die Ehe nach biblischer Auslegung, da Sex ja nur der Fortpflanzung dienen darf und die Ehefrau schon fast aus dem Alter raus ist, wo sie noch Kinder bekommen kann. Während die Frau einen hasst, kann man sich seines Heiligen-Status schon zu Lebzeiten sicher sein! Oh, ach so, das Lied heißt übrigens Mobil Bergoyang (Wackelndes Auto) und besitzt alles, was ein schlechtes Musikvideo so braucht: knapp bekleidete Tänzerinnen, wechselnde Szenen ohne jeglichen erkennbaren Zusammenhang und eine Identifikationsfigur für alte geile Männer. Nicht so super wie R.Lizer oder Amor Real, aber immerhin!

Was zu guter Letzt nicht fehlen darf: Das eine Lied, das man dennoch gut findet. Es handelt sich um Tuty Wibowos Hamil Duluan (Plötzlich Schwanger):

Als Abschluss möchte ich noch einmal deutlich darauf hinweisen, dass wir in Deutschland selbstverständlich keine Zensur haben. Alles, was auf dem Index steht, darf natürlich von Erwachsenen erworben und gehört werden. Dass dies schwierig ist, wenn ein absolutes Werbeverbot herrscht, man sich nur sehr kompliziert über die tatsächlich indizierten Medien informieren kann und Suchmaschinen so manipuliert werden, dass deutsche Nutzer die indizierten Medien nicht finden können (ja, Google manipuliert die Suchergebnisse – sonst würden sie sich ja in Deutschland strafbar machen!), ist allenfalls ein bedauerlicher Kollateralschaden…

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Über Serien

Immer mal wieder krame ich dieses Textfeld hervor und versuche, irgendwas zu schreiben. Ich sitze dann so da und denke “Wo fange ich an?” Es hat sich recht viel angesammelt, was ​eigentlich​ mal erwähnenswert wäre. Man behilft sich dann mit so Einträgen wie Listen, die keinen im Leben weiterbringen. Ich habe hier zum Beispiel noch einen Entwurf, in dem ich Serien empfehlen wollte, die mir in den letzten Monaten untergekommen sind (und die jenseits von Breaking Bad, Mad Men oder Game of Thrones liegen, also nicht ganz so bekannt sind), aber das ist auch nicht spannend.

(Ach, was soll’s? Also:

Sons of Anarchy

Sons of Anarchy kennt jeder, der in den vergangenen Wochen einnmal Pro7Sat1 eingeschaltet hat. Alle fünf Minuten wurde dafür geworben, dass man sich die Serie nun gratis auf myvideo.de ansehen kann, und was soll ich sagen, die Werbung hat im Verbund mit dem Tipp eines Kommilitonen gefruchtet, und innerhalb der Prüfungsphase habe ich dann alle vier Staffeln angesehen. Was für ein Höllenritt!

Es geht um die Motorrdadgang Sons of Anarchy und die Kleinstadt, in der sie leben und mit der sie sich arrangieren müssen. Es geht um Investoren, die die Stadt plätten wollen, Nazis, die sie dafür anheueren, irische Terroristen, die russische Mafia, verfeindete Gangs, korrupte Polizisten und Behörden, Drogen, das mexikanische Kartell und natürlich sehr viel langweiligen Familienquatsch, den keiner sehen will, aber hey.

Die Serie ist von den Machern der besten Serie aller Zeiten (The Shield), und ständig tauchen die Schauspieler aus eben dieser Serie in Nebenrollen auf. Die Serie kann generell für sich verbuchen, die genialsten Cast-Entscheidungen seit langem zu fällen. Die Hauptrolle spielt Naturgewalt Ron Pearlman, was alleine ein Grund ist, die Serie zu sehen. Wer bislang allerdings Sympathien für Pearlman gehegt hat (und wer hat das nicht?) sollte gewarnt sein: Seine Rolle des alternden Club-Präsidenten ist böse. Es gibt keine Sympathien für diesen Menschen, keine Glorifizierung der schlechten Dinge, die er tut (in Breaking Bad wurde die Thematik, dass Walter mit seinem Produkt letztendlich Schlechtes tut, immer ein wenig vernachlässigt, jeder mag Walt).

Auch der Rest-Cast begeistert mit starken Charakteren. Richtig aufgedreht wird aber bei den Gast- und Nebenrollen. Die Idee, in der zweiten Staffel den Hauptantagonisten mit Henry Rollins als Nazi zu besetzen, ist Wahnsinn. Und nachdem ich witzelte, dass Pearlman vs. Danny Trejo das besssere The Expandables wäre, taucht dieser tatsächlich in der vierten Staffel als Mitglied des Mexiko-Kartells auf (endet aber nicht auf dem Rücken einer Schildkröte, Breaking Bad-Spoiler, sorry). Hinzu kommen kleine Gastauftritte von Stephen King (als Richard Bachmann!) oder David Hasselhoff als Pornoproduzent.

Aber auch wenn mir das Finale der dritten Staffel einen emotionalen Schlag in die Magengrube verpasst hat wie kaum eine Serie vorher, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass mich so manche Storywendung sehr, sehr geärgert hat. Nach in der wirklichen Welt unverzeihlichen Taten wird meist Rache geschworen, die dann allzuschnell vergessen wird. Nahe Familienmitglieder werden getötet, egal, das nächste Waffengeschäft winkt. Außerdem: Zuviele männliche Umarmungen.

The River

Eine Art Lost im Dschungel. Äh, nun ja. Ein an Steve Irwin angelehnter Tierdokufilmer verschwindet samt TV-Crew im Dschungel, worauf die Frau hinterherreist – mit dem Sohn und einem weiteren TV-Team! Offensichtlich läuft es heute so, man weiß es ja nicht. Auch das, was der Zuschauer zu sehen kriegt, ist das Videomaterial, das das zweite Team hinterlassen hat, wobei man noch nicht weiß, was aus den Leuten geworden ist. Alles ist im Doku-Stil gefilmt, mit Shouldercam und kleinen Kameras, die am Boot angebracht sind.

Die Serie ist von dem Typen, der Paranormal Activity gedreht hat. Offensichtlich ist das irgendwas bekanntes, this generations Blair Witch Project, ich verstehe das alles nicht und überhaupt lasst mich in Ruhe!

Zwei Dinge: Die Serie ist schnell. Wahnsinnig schnell. Es vergehen knapp 20 Minuten von der Einführung bis die Hauptdarsteller das erste Monster bekämpfen müssen. Dabei handelt es sich übrigens um eine schwarze Wolke, lol. Erfreulich schnell sehen die Protagonisten auch ein, dass man es mit Übernatürlichem zu tun hat, dieses ganze yaddayadda spart man sich.

Und zweitens, so richtig toll ist das alles noch nicht. Schon in der Pilotdoppelfolge wurde das Prinzip deutlich. Man wird es vermutlich jede Folge mit einem Monster of the week zu tun bekommen, und in den letzten Minuten gibt es dann einen Hinweis auf den großen Storybogen. Eine Erzählweise, die sich ein wenig überlebt hat, und ich werde sehen, ob ich mir das ansehe. Immerhin, das zweite übernatürliche Wesen war schon einmal sehr viel origineller als die schwarze Wolke, lol.

Terra Nova

Terra Nova hat übrigens auch das Monster of the week-Storytelling, stört mich hier aber komischerweise sehr viel weniger. Vermutlich, weil die von Steven Spielberg produzierte Serie (was immer ein Alarmsignal ist) zu keinem Zeitpunkt vortäuscht, mehr sein wollen. Man ist hier viel näher an Stargate denn an Lost. Und das ist okay.

Im Wesentlichen geht es darum, dass die Menschheit beschließt, noch einmal von vorne anzufangen – ganz von vorne. Kolonienweise reist man zurück in die Zeit der Saurier (haha, Kreationisten), um eine bessere Gesellschaft aufzubauen. Das bringt dann natürlich die üblichen Konflikte mit sich, Verräter, Saboteure, erstaunlich wenig Dinosaurier, und eben jede Woche eine neue, abgeschlossene Geschichte. Es gibt auch hier einen größeren Handlungsbogen, der aber nicht übermäßig wichtig ist.

Das Budget wird durch das Setting natürlich relativ angestrengt, aber trotzdem frage ich mich, warum knapp 20 Jahre (seufz) nach Jurassic Park keine besseren CGI-Saurier möglich sind. Hier erhoffe ich mir mehr. Das generelle Set-Design hat ein paar schöne Hommagen(?) an Jurassic Park, die Schauspieler taugen auch was. Kann man gut weggucken, Popcorn-TV halt.

The Walking Dead

The Walking Dead ist ja so ein wenig das Sorgenkind. Ich kenne die Comics (noch) nicht, kann also nicht viel zur Vorlagentreue sagen (dem Vernehmen nach passt das alles eher nicht). Die Serie muss mich also aus sich heraus überzeugen. Und das fällt mir zunehmend schwerer.

Kurz und knapp: Zombiepokalypse.

So, hier hat nun die zweite Hälfte der zweiten Staffel angefangen und es. geht. nicht. voran. Seit nunmehr 8 Folgen sitzt unsere Gruppe Überlebender auf einer budgetschonenden Farm fest, weil das eine Kind angeschossen wurde und das andere verschwunden ist. Kids, they ruin everything. Die beiden Handlungsstränge haben sich nun aufgelöst (okay: das Zwischenfinale war NOCH härter als Sons of Anarchy), aber trotzdem will man nicht weg. Man sollte die Serie umbenennen in Unsere kleine Farm & Zombies. Das Pacing ist schlimmer als in Dragonball. Außerdem ist die Serie hochgradig sexisitsch, eigentlich rühren alle Probleme daher, dass die Frauen sich ständig so unfassbar dämlich anstellen, umkippen, etwas fallenlassen oder rumschreien. Aufhören!

Natürlich gucke ich weiter, es gibt nunmal nur diese Zombieserie, und sie hat auch ihre Momente. Es ist auch eine sehr schöne Farm. Und immerhin wurde uns, den Fans, ja auch versprochen, dass das Tempo in den neuen Folgen ein bisschen anzieht. Vielleicht, in dem man nicht die halbe Sendezeit damit füllt, dass sich die Figuren gegenseitig böse angucken und die andere Hälfte damit, dass ein und derselbe Dialog mehrmals pro Folge mit unterschiedlichen Charakteren geführt wird.)

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